Fachtagung “Soziale Bewegungen als Chance für Hochschule und Gesellschaft”, Alice-Salomon-Fachhochschule Berlin, 20.-22.10.2014

Im Rahmen des Deutsch-Türkischen Jahres der Forschung, Bildung und Innovation 2014 lädt die Alice Salomon Hochschule Berlin Interessierte aus Wissenschaft und Praxis ein, über das Verhältnis zwischen Hochschulen und sozialen Bewegungen in den beiden Ländern zu diskutieren.

Was können Hochschulen und sozialen Bewegungen voneinander lernen? Wie kann Wissenschaft zum besseren Verständnis von gesellschaftspolitischen Kontroversen beitragen? Wie finden theoretische Erkenntnisse Eingang in aktivistische Zusammenhänge? Inwiefern prägen zivilgesellschaftliche Impulse den Hochschulalltag, die Entwicklung von Studiengängen, den Gegenstand und Methodik von Lehre und Forschung? Zur Erörterung dieser Fragen haben wir Referentinnen und Referenten aus der Türkei und Deutschland eingeladen, die sich mit den Gezi-Protesten, dem Feminismus, der Queer-Bewegung, Recht auf Stadt Initiativen, Refugee-Protesten und der Friedensbewegung beschäftigen und von ihren Erfahrungen mit Räumen der Begegnung zwischen Wissenschaft und sozialen Bewegungen berichten werden.

Das Programm wird umrahmt durch Lesungen mit renommierten Autoren der deutsch-türkischen Literaturszene und einem Türkischkurs zur Einführung. Für Hochschulangehörige findet außerdem eine Informationsveranstaltung zu Studiums-, Forschungs- und Praktikumsmöglichkeiten in der Türkei statt.

Das aktuelle Konferenzprogramm finden Sie hier.

Diese Veranstaltung wird durch Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und der Alice Salomon Hochschule Berlin gefördert.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Um Anmeldung bis zum 15.10.2014 wird gebeten.

Call for papers: Workshop “Riots IV – Riots and Anarchy”

Date: Friday, November 28, 2014, 10:00 – 18:00
Venue: Zentrum Technik und Gesellschaft, TU Berlin, Hardenbergstrasse 16-18, Room 6.06
Organizers: Ingo Schröder & Fatma Umul

The fourth riots workshop wants to take a closer look at the kinds of social relationships and collective identifications that emerge from riots and other protest events, both as singular moments and as elements in a larger process of non-hierarchical organizing. The recent rise of global protest movements, among other things, has been responsible for a reinvigorated interest in notions of anarchy among social scientists, in possible ways how non-hierarchical socialities can be established and sustained. Studies of riots, protest events and the “newest social movements” (R. Day) in general have described the – at least temporary – replacing of social hierarchies and institutionalized inequalities by affinity group-based decision-making and notions of reclaiming the commons, in terms of space and sociality alike. More critical voices, by contrast, have cautioned against an overly romantic view of resistance and anarchy and against the premature assumption that singular occasions of collective action are indeed kernels of a new world.

Especially within anthropology, which has a long history of dealing with nonhierarchical social contexts, there is a broad spectrum of conceptual tools for describing social processes within riots and protest events: they may be considered in classical terms as moments of collective effervescence (E. Durkheim), occasions of communitas (V. Turner) or expressions of egalitarianism (J. Woodburn, D. Riches), or, in terms of more recent theorizing, as occasions of the prefiguration of a truly democratic future beyond capitalism (D. Graeber, M. Maeckelbergh) or as starting points for the establishment of horizontal social relations (M. Sitrin).

The workshop participants are invited to reflect on the usefulness of such concepts for coming to terms with the kind of social relations that emerge from riots and, even more importantly, to flesh them out with ethnographic data from their own research experiences. The workshop is designed as a mixture of colloquium and open discussion, aiming to provide an open and interdisciplinary space for sharing ideas, discussing research findings, ongoing projects and methodological and empirical questions. The first part is dedicated to presentations, the second part to an open discussion of general theoretical and empirical issues.

We welcome contributions that address some of the following or related issues:

  • Collective identifications: who is participating in riots and protest events? In what way are existing social boundaries blurred and new forms of collective identifications created? What role do existing forms of organization (political groups) play vis-à-vis the multitude of individual actors?
  • Gender: what role do women and LGBT actors play in riots and protest events? How important is the identification in terms of gender in comparison to others (age, class, etc.)?
  • Leadership: are riots expressions of “leaderless” or “leader-full” movements? What forms of decision-making and leadership emerge? In which ways is the goal of anarchy/egalitarianism pursued and mechanisms of equal participation created and sustained? What idea of sociality underlies the actors’ motivations for pursuing the goal of
    horizontalism?
  • Time: what is the relationship between event and process – can moments of anarchic sociality be stabilized into long-term horizontal social relations? If so, how is this achieved?
  • Theory: are existing analytical concepts adequate for describing the social dynamics in riots and protest events? What are the respective advantages or weaknesses of approaches from sociology, anthropology, social psychology or feminist theory?
  • Methodology: what empirical methods offer themselves for capturing the social moment of collective action? How can the emergence of social relations in collective action be studied? What new concepts emerge from participant observation?

Presentations may be given in English or German and should not exceed 15 minutes in length. We strongly encourage new participants to submit! In order to facilitate discussion, draft papers of the presentation should be submitted until
November 20. Please send your proposals (1-2 pages) until October 31, 2014 to ingo.schroeder(at)staff.uni-marburg.de and fatmaumul(at)gmail.com.

Download Call for Papers (pdf).

Call for Papers: Politische Soziologie transnationaler Felder, Frühjahrstagung der DGS-Sektion Politische Soziologie, am 23-24. April 2015, Universität Potsdam

Deadline: 31. Oktober 2014

Dass Prozesse sozialer Ordnungsbildung weniger als zuvor an den Grenzen von Nationalstaaten halt machen, wird uns tagtäglich u.a. in Debatten über Freihandelsabkommen, das Demokratiedefizit der europäischen Politik oder globale zivilgesellschaftliche Proteste vor Augen geführt. Je weiter diese Transnationalisierungen voranschreiten, desto tiefgreifender sind ihre Auswirkungen auf die Reproduktion, Legitimation und politische Bearbeitung von Herrschaftsverhältnissen.

Die Feldanalyse versteht solche Transnationalisierungsprozesse als Ergebnisse eines Zusammenspiels von Ordnungen unterschiedlichen Zuschnitts und unterschiedlicher Ausdehnung. Anders als konkurrierende Ansätze (wie z.B. der Weltkulturansatz) geht sie nicht von theoretisch motivierten Rahmendeutungen aus, sondern untersucht Entstehung, Erhalt und Veränderung dieser Ordnungen in materialen Einzelstudien. Diesem Vorgehen liegt die Annahme zugrunde, dass Transnationalisierung sich in einem spezifischen Kontext entfalten und als Tendenz durchsetzen muss, um sozial wirksam zu werden.

Das hat Folgen für das Forschungsprogramm: Transnationalisierungsprozesse sind zunächst innerhalb einzelner Felder zu analysieren. In einem weiterführenden theorieorientierten Schritt können dann Gemeinsamkeiten von Entwicklungen im kontrastiven Vergleich bestimmt werden. Aus bisherigen Untersuchungen lassen sich bereits erste Schlüsse im Hinblick auf eine solche feldanalytische Metatheorie der Transnationalisierung ziehen. Beispielsweise zeichnet sich in mehreren Studien zu transnationalen Feldern eine Veränderung im Verhältnis von Akteuren und Feldern ab: In transnationalisierten Kontexten sind Akteure weniger stark an einzelne Positionen in bestimmten Feldern gebunden. Sie bewegen sich häufiger und flexibler über Feldgrenzen hinweg. Zugleich prägen transnationale Felder ihre Akteure weniger massiv als viele nationale Felder. In diesem Sinne sind sie ‚schwächer‘ ausdifferenziert, wenngleich nicht weniger wirkungsvoll. Die veränderte Amalgamierung von Akteuren und Feldern hat weitreichende Folgen, beispielsweise auf die Sozialisation von Akteuren oder die Diffusion von Ideen.

An solchen Forschungen setzt die Tagung der Sektion für Politische Soziologie mit dem Thema „Politische Soziologie transnationaler Felder“ an. Sie will zwei Dimensionen nachspüren, die für eine Analyse von Transnationalisierungsprozessen aus Feldperspektive konstitutiv sind. 1) Soziale Ordnungsformen verfügen über verschiedene Arten der Legitimation, die ihnen Stabilität verschaffen. Deshalb rückt bei der Analyse des Wandels sozialer Ordnungen immer auch die Form ihrer Legitimierung in das Blickfeld. Bezogen auf einzelne transnationale Felder und den Wandel ihrer Ordnungen stellt sich die Frage, wie diese Anerkennung erlangen. Beziehen sie sich auf die symbolischen Ressourcen des Nationalstaats, um der feldspezifischen Ordnung Geltung und eine relative Autonomie zu verschaffen, oder treten andere Meta-Ordnungskonzepte an die Stelle des Nationalstaats (etwa Region, Netzwerke oder Europa)? 2) Damit einhergehend kann beobachtet werden, welchen Veränderungen nationalstaatlich strukturierte politische Felder unterworfen sind. Die Veränderungen sind vielfältig und reichen von neuen Konkurrenzen um Gestaltungsansprüche über Umdeutungen von legitimen Wissensquellen bis hin zu Neujustierungen von Karrieren.

Wir laden alle Interessierten herzlich dazu ein, Beitragsvorschläge einzureichen. Mögliche Themenbereiche sind:

  • Professionen und Professionalisierung als Effekte oder Treiber von Transnationalisierungsprozessen,
  • die Rolle von Nichtregierungsorganisationen und sozialen Bewegungen in Transnationalisierungsprozessen,
  • Experten und Expertise transnationaler Felder,
  • die Europäische Integration als beispielhafter Transnationalisierungsprozess,
  • transnational induzierter Wandel von Macht- und Herrschaftsbeziehungen in nationalen Politikfeldern,
  • Neukonfigurationen von Staatlichkeit in Folge von Transnationalisierungen,
  • neue Formen des Regierens in transnationalen Feldern und Transnationalisierung von Governance,
  • Karrieren in und zwischen transnationalen und nationalen politischen Feldern,
  • Verhältnisse von politischen und ökonomischen Transnationalisierungsprozessen,
  • demokratische Prozesse und Transnationalisierung,
  • theoretische Konzeptionen und methodologische Konzeptionen zur Feldanalyse von Transnationalisierungsprozessen.

Aussagekräftige Beitragsskizzen (max. 500 Wörter) können bis spätestens 31. Oktober 2014 per E-Mail (Adressen s. pdf-Datei) an die beiden Organisatoren geschickt werden.

Der Call for Papers als pdf-Datei

Swen Hutter: Protesting Culture and Economics in Western Europe. New Cleavages in Left and Right Politics. Minneapolis: University of Minnesota Press 2014

Hutter 2014In this far-reaching work, Swen Hutter demonstrates the usefulness of studying both electoral politics and protest politics to better understand the impacts of globalization. Hutter integrates research on cleavage politics and populist parties in Western Europe with research on social movements. He shows how major new cleavages restructured protest politics over a thirty-year period, from the 1970s through the 1990s. This major study brings back the concept of cleavages to social movement studies and connects the field with contemporary research on populism, electoral behavior, and party politics. Protesting Culture and Economics in Western Europe makes productive empirical, methodological, and theoretical contributions to the study of social movements and comparative politics.

For more details see the MUP website. A discount flyer (30% off) can be found here.

Call for Applications and Papers: Summer School: “Social Movements in Global Perspectives- Past, Present and Future”, Institute for Social Movements (ISB) of the Ruhr-University Bochum, 1-12 September 2014

The Institute for Social Movements (ISB) of the Ruhr-University Bochum invites students to apply for the interdisciplinary Summer School “Social Movements in Global Perspectives – Past, Present and Future” which will take place at the Ruhr-University Bochum from September 1st to 12th, 2014.

The Summer School offers advanced students an opportunity to approach the topic of Social Movements in Global Perspectives from a range of different perspectives. It familiarizes participants with the fascinating field of social movements and its manifold forms of appearance like e.g. labour, human rights, feminist or anti-globalisation movements. The programme addresses the basic ideas and history of social movements as well as current aspects from a more sociological approach while taking into consideration political and economic perspectives at all times.

The Summer School in the format of a conference will bring together national and international scholars committed to the study of social movements. These experts will deliver keynotes and give presentations as well as discuss with students current positions of research in panel discussions and round table sessions. In the end of the conference national and international activists will engage themselves in round table discussions with students on practical aspects of social movements.

Participants have the opportunity to:

  • familiarize themselves with all important social movements in a global perspective approach the field of social movements from international and interdisciplinary perspectives
  • discuss their own research interests with renowned scholars and experts from all over the world- the USA, Australia, Hong Kong, India, the UK, Sweden, Italy or Greece
  • discuss with national and international activists the Arab Spring in Tunisia, Gezi Park Protests in Turkey or the Protests against the World Cup in Brazil.

The Summer School, primarily addressing students from the Ruhr Region, is open to a small amount of additional participants. The participation is free of charge, travel and accommodation costs are not covered.  As an output of the Summer School, participants are strongly encouraged to develop a paper on a selected topic within the field of social movements. Excellent papers will be discussed at a writing and publishing workshop at the end of September (September 24th-25th) and published, together with selected contributions of conference speakers, in the international journal “Moving the social“. Interested participants can apply with a short statement of interest for the summer school and an abstract if interested in the publication (200-300 words) by July 31st, 2014 via email: eva.gondorova(at)rub.de.  For more information please visit our webpage. Should you have any further questions, please do not hesitate to contact us.

Follow this link to see the preliminary program (pdf).

Workshop »Theorizing social movements: Challenges and contradictions in a contested field of Southern struggles and Northern theories«, 11 June 2014, 9:00-17:00, Bayreuth University

The workshop aims at discussing what social movement theories can contribute to the study of protest, social movements, and civil societies in Africa. The attempt of the workshop is to ground empirical research on the African continent in theoretical debates of social movement theories. At the same time, it attempts to test existing social movement theories regarding their xplanatory potentials for the African context.

Main questions to be discussed are:

  • How far do existing theories and concepts from social movement studies which derived mainly from case studies in Europe and the United States apply for empirical phenomena in the Global South? How could or should they be reformulated?
  • Which theoretical approaches and concepts from the research fields of anthropology, sociology, geography, and political science are promising for analysing social movements and civil societies in Africa?
  • If theory is being developed from empirical cases: How far does the range of these theories extend?
  • How do research on social movements and political activism relate to each other? What roles do researchers and subjects of research play?
  • What does this mean for concepts, methodology, and social movement practice?

Contact:
Bettina.engels(at)uni-bayreuth.de
antje.daniel(at)uni-bayreuth.de
melanie_mueller(at)email.de

Iuditha Balint, Hannah Dingeldein, Kathrin Lämmle (Hg.): Protest, Empörung, Widerstand. Zur Analyse von Auflehnungsbewegungen. UVK: Konstanz 2014

Balint et al. 2014Ob Occupy Wall Street, Stuttgart 21 oder der Arabische Frühling: Proteste sind historisch gewachsene Ausprägungen sozialer Auflehnungsbewegungen, die auf den gesellschaftlichen Wandel anpassungsfähig reagieren. Aus dieser Anpassungsfähigkeit und der sich daraus ableitenden Wandlung der Protestformen resultiert eine gewisse definitorische Unschärfe des Protestbegriffs.

Der vorliegende Band erfasst Protestbewegungen in ihrer Vielfältigkeit und Komplexität und untersucht sie als diskursive und folglich kulturell und historisch bedingte Formen aufbegehrenden gesellschaftlichen Handelns. Vorgestellt werden unterschiedliche Protestbewegungen vom Mittelalter bis zur Gegenwart, deren geschichtlicher Wandel sowie systematische Beschreibungen der Quellen, Strukturen, Formen, Akteure, Narrative, Rhetoriken, Räume und Medien des Protests.

Aus dem Zusammenschau der versammelten Einzelanalysen wird ersichtlich, dass sich neuere Protestformen aufgrund der sozialen, politischen und ökonomischen Beschleunigungsprozesse immer mehr durch Kurzfristigkeit und Hybridität auszeichnen, sodass ihre wissenschaftliche Beschreibbarkeit immer neue Klassifikations- und Differenzierungsstrategien und -methoden erfordert.

Dehr Band ist aus einer gleichnamigen Tagung an der Universität Mannheim im Juni 2012 hervorgegangen. Mehr Informationen auf der Verlagsseite.

Call for Papers: Politisches Handeln in digitalen Öffentlichkeiten Grassroots zwischen Autonomie, Aufschrei und Überwachung. Tagung am 28./29. November 2014, Historische Sternwarte, Georg-August-Universität Göttingen

Frist für Einreichungen: 20. Juni 2014
Weitere Informationen: http://digitale-oeffentlichkeiten.de

Digitale Öffentlichkeiten sind einer der Kristallisationspunkte des Politischen im frühen 21. Jahrhundert. Ereignisse wie der #Aufschrei gegen Sexismus oder aktivistische Tools wie der Castorticker sind Beispiele dafür, wie sich Menschen digitale Technologien aneignen, um ihren politischen Forderungen Ausdruck zu verleihen. Derartige Graswurzelprozesse bewegen sich indes in einem Spannungsfeld: Während ihre Eigendynamik zu Kontollverlusten sowohl aufseiten von Institutionen und Organisationen als auch der Aktivist*innen selbst führt, sind digitale Öffentlichkeiten zugleich höchst anfällig für Formen der Überwachung und Manipulation. Die jüngst in der Türkei verhängte Sperre von Twitter ist ein Beispiel für die zahlreichen Einhegungsversuche, die gegen die eruptiven Effekte digitaler Vernetzung in Anschlag gebracht werden. Dieses Problem wird seit langem diskutiert; seine Lösung scheint nach den Erkenntnissen durch die Snowden-Leaks weit in die Ferne gerückt.

Forscher*innen, die sich für politisches Handeln, Zivilgesellschaft und Soziale Bewegungen interessieren, stehen vor der Herausforderung, digitale Phänomene und Entwicklungen theoretisch einzuordnen und zu analysieren. Dies erfordert in die Logiken und Dynamiken des Digitalen einzutauchen und das Neuartige der digitalen Welt zu verstehen, zu bestaunen und kritisch zu reflektieren. In digitalen Öffentlichkeiten entwickeln sich, so Felix Stalder, spezifische Formen von Autonomie und Solidarität. Gleichzeitig finden sich viele Parallelen zu früheren Sozialen und Protest-Bewegungen, wodurch es möglich ist, an fundierte Theorien verschiedener Reichweite sowie Forschungsmethoden anzuknüpfen.

Den Rest des Beitrags lesen »

Call for Papers: Globale Proteste zwischen Organisation und Bewegung, PROKLA 177 (Dezember 2014)

Die seit 2011 weltweit entflammten Massenproteste, die ihren Anfang in den arabischen Ländern genommen haben, überraschten WissenschaftlerInnen wie AktivistInnen gleichermaßen. Trotz der umfassenden sozialen Proteste gegen die Globalisierung in den 2000er Jahren hätte vermutlich kaum jemand soziale und politische Proteste von derartigem Ausmaß oder gar den Fall starker autoritärer Regime wie in Tunesien und Ägypten erwartet. Die Dynamik der Proteste 2011 erfasste nicht allein die arabischen Länder. Gegen die Krise und Austeritätspolitik kam es zu spektakulären Mobilisierungen in Spanien, Griechenland, Portugal und den USA. In vielen weiteren Ländern fanden breite Proteste statt, in Israel, Bulgarien, Slowenien, Kroatien, Chile, England oder der Türkei. In zahlreichen Ländern werden Kämpfe um Energie geführt, 2012 kam es zu einer starken europaweiten Bewegung und Selbstorganisierung von refugees.

Die Gründe, Motive und unmittelbaren Anlässe waren oft unterschiedlich, ebenso die Logik der Proteste – vor allem, wenn man die Bewegungen und Aufstände in unterschiedlichen Weltregionen vergleicht. Doch die brutale Austeritätspolitik, mit der die politischen Eliten weltweit auf die Finanz- und Wirtschaftskrise von 2007/2008 reagiert haben, sowie die (damit oftmals eng zusammenhängende) Tendenz zu einer fortschreitenden politischen Entdemokratisierung haben sich als wichtige Themenfelder für die aktuellen globalen Proteste herauskristallisiert.

Deutlich geworden ist aber ebenso, dass die Proteste – von wenigen Fällen abgesehen – kaum einen progressiven Politikwechsel erreichen konnten und in vielen Ländern weitgehend ausgesessen werden. Die Bewegungen des arabischen Frühlings haben fast überall massive reaktionäre Kräfte mobilisiert. Weder in Europa noch den USA haben die Proteste zu einer nennenswerten Veränderung der Austeritätspolitik geführt. Stattdessen lässt sich eine Brutalisierung beim Einsatz staatlicher Gewaltmittel und eine Aussetzung bzw. schleichende Aushöhlung rechtstaatlicher Elemente beobachten – zu Gunsten einer kleinen Gruppe von Vermögensbesitzern, Kapitaleignern und korrupten Eliten. In diesem Kontext ist auch keineswegs abwegig, die umfassende Beobachtung des internationalen Email-Verkehrs und anderer Kommunikationswege durch amerikanische Geheimdienste mit dem Versuch zu erklären, die Strukturen und Prozesse des Protestes, in dem soziale Medien eine gewichtige Rolle spielen, genauer im Blick zu behalten, und die grenzübergreifende Zusammenarbeit von Polizei und Geheimdiensten weiter auszubauen.
Vier Jahre nach Beginn des aktuellen Protestzyklus stellen sich damit vor allem folgende Fragen:

  • Zum einen ist unklar, inwieweit wir derzeit tatsächlich eine globale Protestwelle im Sinne eines zusammenhängenden transnationalen Bewegungszyklus erleben: Wie eng ist der Zusammenhang zwischen unterschiedlichen pro-demokratischen Protestbewegungen, die in den vergangenen Jahren in verschiedenen Weltregionen entstanden sind? Worin bestehen die Wechselwirkungen zwischen Bewegungen und Aufständen in verschiedenen Ländern? Wie ist der Austausch zwischen den Bewegungen organisiert und welche Impulse geben sie sich wechselseitig? Wie lässt sich andererseits das Ausbleiben größerer Protestbewegungen, beispielsweise in Irland, erklären?
  • Darüber hinaus gilt es zu klären, welche neuen Protestformen in den vergangenen Jahren entstanden sind und wie diese sich in ihren jeweils spezifischen Kontexten organisieren: Wo haben die aktuellen Bewegungen ihre Vorläufer? In welchem Verhältnis stehen sie zu ‘klassischen’ Akteuren wie Gewerkschaften und Parteien? Wie haben insbesondere Bewegungsorganisationen wie Attac, bewegungsnahe NGOs oder Gewerkschaften auf die Proteste reagiert? Und welche Rolle spielen Soziale Medien in diesem Prozess? Entstehen neue Verhältnisse zwischen sozialen Bewegungen und linken Parteien und linken Regierungen und was sind ihre Handlungsspielräume?
  • Auf welche Schwierigkeiten die neuen Proteste gestoßen sind: Welche eigenen Formen der Organisierung können sie finden und Bewegungspolitik konsolidieren? Welche Rolle spielen ein theoretisch verkürzter Antikapitalismus oder auch idealistische Vorstellungen von Staat, Recht und Nation im Hinblick auf mögliche Schwächen aktueller Proteste?
  • Schließlich ist der Blick auch auf Gegentendenzen zu richten: Wie nimmt die Gesellschaft die Bewegungen auf und versucht, sie zu absorbieren und zu normalisieren? Welche reaktionären Gegenbewegungen entstehen und welche Rolle spielen sie (rechtspopulistische Kampagnen gegen Migration, gegen Steuern, gegen die Schwulenehe, gegen die Abtreibung)? Was ist an neuen Formen staatlicher Gegenmaßnahmen bis hin zu harten Repressionen zu beobachten?

Die Redaktion lädt zur Einsendung von Exposés von 1-2 Seiten bis zum 7. April 2014 ein. Die fertigen Artikel sollen bis zum 1. September 2014 vorliegen und einen Umfang von 48.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen, Fußnoten und Literaturverzeichnis) nicht überschreiten.

Zusendung bitte als word- oder RTF-Datei an demirovic(at)em.uni-frankfurt.de, etienne.schneider(at)posteo.de, henrik.lebuhn(at)wbk.in-berlin.de und redaktion(at)prokla.de.

ViCe, the interdisciplinary PhD programme Visual Culture at the University of Graz, encourages ethnographic study of social movements with a focus on, but not restricted to cities in south-eastern Europe. A team of three or four PhD students will be supported in applying for a joint DOCteam grant at the Austrian Academy of Sciences (ÖAW).
With this call, we are looking for researchers who are exploring this field, prepared to work in an interdisciplinary team and wish to direct attention to visual aspects of protest.

If you are interested, please send a short outline of your PhD project (1-2 pages), CV and covering letter until April 30th, 2014 to marion.hamm(at)uni-graz.at. The joint grant application to ÖAW will be finalised in August and September, deadline for submission at ÖAW is October 31st, 2014. If accepted, the grant would start in April 2015 and run for 3 years.

For formal requirements of ÖAW, please refer to their website, section DOCteam. Thematic requirements are outlined below. If you have any questions on the PhD programme Visual Culture, on supervision or subject area, please do not hesitate to contact me at marion.hamm(at)uni-graz.at.

Project outline: Performativity and Visibility. Visual Forms of Protest in urban social movements in Southeastern Europe

Visual forms of expression are firmly established in modern protest movements’ action repertoire. Red flag, human chain or colourful tent city; poster, banner, digital image or public performance: Such are the visuals used by social movements across time and space, such as the historical labour movement, the new social movements or the present post-identitarian movements. Nevertheless, investigation of the visual dimension of protest and its practices is still at an early stage.

By establishing a DOCteam, the PhD programme Visual Culture seeks to address this desideratum. In interdisciplinary collaboration, the envisaged DOCteam will draw, amongst others, on cultural anthropology, political science, history, southeastern European studies, religious studies and intercultural theology as well as social movement studies. Supported by the expertise available in ViCe, the DOCteam will put these approaches into interaction to develop analyses of protest with a focus on the explanatory power and potency of visual aspects.

Depending on individual PhD projects, the research period stretches roughly from the 1980s up to the present. As research fields, cities in Greece (e.g. Athens, Thessaloniki) and on the territory of former Yugoslavia (e.g. Belgrade, Pristina) are stipulated. Comparative studies of cities in neighbouring regions (e.g. Vienna, Prague) will also be considered. By focusing on south eastern European cities, ViCe aims to contribute to a decentralisation of social movement studies, which to date is still heavily transatlantic in its orientation.

All individual PhD projects will take a qualitative approach to the chosen city/cities, using ethnographic methods to approach their field (field research, participant observation, qualitative interviews) and hermeneutic methods of interpretation. They may also draw on archival sources. A working knowledge of the respective regional languages is indispensable for this approach.

The proposed interpretative and contextualising studies of visual protest repertoires in urban space will tackle research questions concerning adoption and functions of visual forms of protest. They will explore how they take effect in activist methods of mobilisation, in the affective construction of political subjectivities, in interaction with urban space and in the cross-regional circulation of conflict.

DOCteam Profile and Supervision

The individual PhD theses in this DOCteam will be supervised by Johanna Rolshoven (professor of cultural anthropology), Karl Kaser (professor of south-eastern European history/anthropology), Basilius J. Groen (professor of liturgical studies) und Florian Bieber (professor of political science/history/south-eastern European studies), all at the University of Graz.

PhD candidates will be able to draw on the expertise gathered in the PhD programme ViCe first for their grant application and later for their research process. An established space of interdisciplinary debate, ViCe incorporates influences from feminism, gender- and media studies, structuralism and post-structuralism, objective hermeneutics, critical theory and post-operaism. Contacts with relevant institutions abroad are also available.

In correspondence to ViCe’s receptiveness for a wide range of theoretical approaches, the academic profile of the future members of the DOCteam is considerably open. Besides excellent academic qualifications, a disposition to engage in interdisciplinary reflections on the visual dimension of protest throughout the research process, experience with ethnographic, interactive and dialogic research methods, and a working knowledge of the relevant languages are essential.

According to the formal requirements for a DOCteam grant at the Austrian Academy of Sciences, applicants must be younger than 30 years at submission date, or they must have completed their MA course later than Jan 1st, 2010. They also must be prepared to spend six months at an institution outside Austria. The PhDs will be situated at the University of Graz. The grant amounts to an annual 35000 Euro per person for 36 months.

We are looking forward to receiving your PhD outlines, CVs and covering letters until April 30th, 2014.

Johanna Rolshoven, Karl Kaser, Florian Bieber, Basilius Groen, Marion Hamm

Prof. Johanna Rolshoven (ViCe spokesperson)
Prof. Karl Kaser (ViCe deputy spokesperson)
Prof. Florian Bieber (ViCe member)
Prof. Basilius Groen (ViCe member)
Dr. des. Marion Hamm (ViCe coordinator)

Titelbild: Streik von Müllmännern in Memphis 1968 (Foto: Ernest C. Withers, c)

Der Arbeitskreis soziale Bewegungen der DVPW

Seit Mitte der 1980er Jahre bringt der Arbeitskreis soziale Bewegungen der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft Menschen zusammen, die sich wissenschaftlich-systematisch mit sozialen Bewegungen und Protest, Formen der Partizipation und Organisation von unten beschäftigen.

Diese Seite soll einen Überblick über die aktuelle Forschung geben und Möglichkeiten zur Vernetzung eröffnen.

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