Aufruf zur Vortragsreihe 10 Jahre sogenannter Arabischer Frühling – eine kritische Betrachtung / Organisation: Kritische Islamwissenschaftler*innen und Arabist*innen

Die von den Kritischen Islamwissenschaftler*innen und Arabist*innen (KIARA) veranstaltete Vortragsreihe soll im Jahr 2021 zum zehnjährigen (Ge)Denken an den sogenannten Arabischen Frühling Raum zur kritischen Reflektion bieten. Die Leitfragen lauten: Was ist vor 10 Jahren in Westasien und Nordafrika (WANA) passiert? Welche kritischen Perspektiven helfen uns bei der Betrachtung?

Jeder Vortrag findet online an einem Mittwoch ab 19 Uhr statt, nach dem Vortrag (ca. 45 Minuten) ist Zeit und Raum für Fragen, sowie eventuelle Diskussionen.

Die vortragende Person erhält eine Aufwandsentschädigung von 50€.

Kurze Vorstellung des Themas (100-200 Wörter) mit Angabe des gewünschten Vortragsmonats bitte bis 01.12.2020 an die_kritischen@posteo.de

Zehn Jahre nach den Ereignissen in Westasien und Nordafrika (WANA) möchten wir kritische Positionen aufzeigen. Dafür soll ein interdisziplinärer Raum geschaffen werden, in welchem verschiedene Perspektiven aus Aktivismus, Expertise und Wissenschaft (Universitäten, Journalismus, Bildungseinrichtungen, Nichtregierungsorganisationen, Stiftungen usw.) eine facettenreiche Betrachtung ermöglichen. Die Auseinandersetzung soll in die Öffentlichkeit getragen werden, um das bisherige Bild eines “Arabischen Frühlings” zu hinterfragen und gemeinsam zu rekonstruieren.

Die Vorträge können auf Deutsch, Arabisch oder Englisch gehalten werden, wobei wir zumindest für die arabischsprachigen Vorträge Dolmetscher*innen stellen werden. Mit diesem Format wollen wir möglichst viele Perspektiven zu Wort kommen lassen.

Verschiedene Perspektiven sind für die kritische Auseinandersetzung erwünscht, um zum Beispiel folgende Fragen zu beleuchten:

  • Was ist in dem Land XX vor, während und nach 2011 passiert?
  • Welche Diskurse lassen sich betrachten, wenn es um den sogenannten Arabischen Frühling geht?
  • Was hat die Bezeichnung “Arabischer Frühling” mit Eurozentrismus zu tun? Welche Rolle spielen Medien? Ließe sich der sogenannte Arabische Frühling als Ausdruck der Nord-Süd-Beziehung verstehen?
  • Was hat die Orientierung an Staatsgrenzen mit Postkolonialismus zu tun? Was hat Neoliberalismus mit den Protesten zu tun?
  • Waren es Proteste, Revolten – gar eine Revolution? Was heißt Aktivismus?
  • Welche Bewegungen sind 2011 entstanden und wie blicken sie auf damals zurück? Welche Akteur*innen waren beteiligt?
  • Wie lassen sich die Ereignisse vor zehn Jahren in der WANA-Region intersektional verstehen?
  • Welche Erinnerungskultur ließe sich beobachten?
  • Was hat eine solche Vortragsreihe über Ereignisse in der WANARegion mit Orientalismus zu tun?
  • Wie lassen sich (gesellschaftspolitische, wissenschaftliche usw.) Perspektiven aus der WANA-Region an ein deutschsprachiges Publikum vermitteln? Welche Rolle möchte Journalismus dabei spielen?
  • Was gibt es noch für (selbst)kritische Fragen, Überlegungen und Auseinandersetzungen?

Um die Vortragsreihe zu gestalten und eventuell ein weiteres Programm zu organisieren, wäre es wünschenswert – aber nicht notwendig -, wenn sich die Vorträge in den verschiedenen Monaten auf unterschiedliche Staaten fokussieren (s. Tabelle). Uns ist hierbei jedoch bewusst, dass je nach Vortragsthema eine Orientierung auf Staatsgrenzen nicht immer angemessen ist.

Januar – Tunesien, Algerien
Februar – Libyen, Ägypten
März – Marokko, Mauretanien, Westsahara
April – Jordanien, Palästina
Mai – Syrien, Libanon
Juni – Irak, Kurdistan
Juli – Bahrain, Jemen
August – Saudi-Arabien, VAE, Kuwait
September – Katar, Oman
Oktober – Sudan, Somalia, Dschibuti, Komoren
November – Türkei, Iran, Israel
Dezember – Ausblick

Wir freuen uns auf interessante Vorschläge und auf tolle Vorträge!

Der Arbeitskreis 10 Jahre sogenannter Arabischer Frühling der Kritischen Islamwissenschaftler*innen und Arabist*innen (Universität Leipzig)

Die Vortragsreihe ist eine Initiative der Hochschulgruppe Kritische Islamwissenschaftler*innen und Arabist*innen (KIARA). Ausgehend von Studierenden der Universität Leipzig gründete sich die Gruppe im Sommer 2020 und erfreut sich durch das derzeitige online-Format an der Beteiligung von Studierenden, Dozierenden und Interessierten aus dem In- und Ausland. Wir wünschen uns eine gemeinsame Auseinandersetzung mit Themen bezüglich der WANA-Region, Islam, Kritischer Theorien und Wissenschaft. Als junges Projekt ist es unser Hauptanliegen, einen dynamischen und offenen Raum für kritischen Austausch zu schaffen.

www.kiaradiekritischen.wordpress.com

Aufruf in deutsch | englisch | arabisch

– scroll down for English version –

Für das nächste Programm des Kolloquiums „Politik von unten“ laden wir alle Interessierten ein, bis zum 15. Oktober 2020 ihren Vorschlag für einen Beitrag einzureichen. Im Kolloquium diskutieren wir seit 2011 Forschungsprojekte und Texte zu kollektivem politischem Handeln. Dies umfasst unter anderem die Themen politische Mobilisierung, Protest, soziale Bewegungen und Revolutionen. Gleichzeitig soll das Kolloquium eine Möglichkeit sein, Forscher*innen mit ähnlichen Interessen regelmäßig zu treffen.

Das Kolloquium findet 14-tägig montags um 18:00 Uhr statt und wird aufgrund der COVID-19 bedingten Einschränkungen als Online-Veranstaltung durchgeführt. Die neue Auflage beginnt am 9. November 2020. In der Regel wird im Vorfeld ein Text verschickt und als bekannt vorausgesetzt. Diskutiert werden zum einen Entwürfe von Aufsätzen/Kapiteln (vor der Publikation); zum anderen Forschungsprojekte, die den Entwurfsstatus überschritten haben. Die Texte sollten 20 Seiten nicht überschreiten. Als alternative Formate sind auch kurze Vorträge und Diskussionen zu aktuellen Themen möglich. Mehr Informationen zum Kolloquium und zu den zurückliegenden Programmen auf der Kolloquiumsseite.

Beitragsvorschläge inkl. Wunschdaten können bis zum 15. Oktober bei Simon Teune (teune(at)ztg.tu-berlin), Débora Medeiros (debmedeiros(at)fu-berlin.de) oder Elias Steinhilper (steinhilper(at)dezim-institut.de) eingereicht werden.

Call for Contributions: Colloquium Politics from below – Program Autumn/Winter 2020

Interested scholars are kindly invited to submit their proposal for a contribution to the autumn/winter program of the colloquium ‚politics from below‘ by October 15th.We have created the colloquium in 2011 to discuss research projects and texts tackling collective political action. We are looking for topics such as political mobilization, protest, social movements, and revolutions. The colloquium is also an opportunity to meet scholars with similar interests on a regular basis.

The colloquium takes place on every second Monday at 6:00 p.m. Due to the COVID-19 related restrictions it will be organized in an online format. The next edition starts on November 9, 2020. Usually, we start our discussion right away based on a text that is circulated in advance. Texts may be draft chapters or articles as well as research proposals. For a dense discussion, less than 20 pages have proven to be most productive. Alternative formats include short presentations or moderated discussions. For more information on the colloquium (in German) and past programs visit the colloquium’s website.

Please send your proposals for contributions incl. a preferred date by October 15, 2020 to Simon Teune (teune(at)ztg.tu-berlin), Débora Medeiros (debmedeiros(at)fu-berlin.de) or Elias Steinhilper (steinhilper(at)dezim-institut.de).

Call for papers: Social Movements Midterm conference 2020, “Democratic struggles: contention, social movements and democracy”, organized by ESA Research Network 25 Social Movements, ECPR Standing Group on Participation and Mobilization, Johan Skytte Institute of Political Studies, University of Tartu, Estonia, 27-29 May 2020, Conference organizers: Joost the Moor (Stockholm University), Katrin Uba (Uppsala University and University of Tartu, local organizer), Katerina Vrablikova (Univeristy of Bath), Mattias Wahlström (University of Gothenburg), and Lorenzo Zamponi (Scuola Normale Superiore)

Many democracies experience turbulent developments. Some countries undergo erosion of democratic institutions, sometimes connected with rising authoritarianism and illiberalism, some face broad public dissatisfaction with politics, providing a hotbed for populist movements. Unresponsive political elites and power centers outside democratic control, exercising power over processes and goods of fundamental human importance –such as climate change, migration and access to decent housing –create a landscape where it seems increasingly difficult to exert influence from below. What is the role of protest and social movements in those processes? How do movements deal with problems of representation and the volatile concept of ‘the people’? How do movements regarded as an anti-democratic or populist threat and those active in the name of fostering democracy mobilize? Are today’s democracies deteriorating or do the current developments signify the very principle of democracy as an ongoing political contestation between mass and elites? The conference will address various questions related to social movements and democracy as well as other key questions in current social movement research. Specifically, it will focus on issues, such as: contentious politics in the context of democratic backsliding; how movements strengthen and challenge democracy; youth activism; social movements and democratic innovations; framing and narratives in collective action; radicalism and populism; repression and political violence; internal structure of social movements; collective action in non-democratic regimes; radical right, housing, and climate change mobilizations; democratic citizenship and rights activism. Submissions focused on other key questions in current social movement research that are not related to the conference theme are encouraged as well.

We invite submissions from a variety of theoretical and disciplinary perspectives and using a variety of methodologies. The midterm conference aims to bring together distinguished scholars and younger researchers not only from sociology and political science, but also from related disciplines, including economics, geography, anthropology, psychology, history, international relations, and area studies that rely on different approaches using qualitative and/or quantitative empirical research as well as political theory to address these and other topics. Submissions to do a presentation via Skype will be also considered. The conference will feature key note speeches by:

  • Antoaneta Dimitrova (Leiden University)
  • Swen Hutter (Freie Universität Berlin)
  • Walter Nicholls (University of California, Irvine)
  • 1 key note TBA

The deadline for applications is the 15th of January2020.

For more details see the full Call for Papers (pdf)

Call for Papers: Parteien in Bewegung. Jahrestagung AK Parteienforschung der DVPW, 25.-26. Oktober 2019, Akademie für Politische Bildung, Tutzing

Die etablierten Parteien und die von ihnen getragenen Parteiendemokratien westlichen Typs werden gegenwärtig von einer wiedererstarkten Form der politischen Vergesellschaftung – der Bewegung – unter Druck gesetzt. Bewegungen sind medial, gesellschaftlich und elektoral höchst erfolgreich (bspw. La République en Marche!, Podemos, Movimento 5 Stelle). Bewegungen entfalten in ihrer Verbindung von gesellschaftlicher Fundierung, populistischer und/oder personalisierter Zuspitzung und flexibler Organisationsstrukturen eine Zugkraft, die die etablierten Parteien nicht unberührt lässt. Zum einen, weil die Mitgliederparteien von Bewegungsparteien elektoral erfolgreich herausgefordert werden. Zum anderen, weil parteiliche Organisationsstrukturen (u.a. Binnenorganisation, Kommunikation) im Vergleich zur Bewegung als Organisationsform eher überholt wirken. Auch im deutschen Parteienwettbewerb gewinnt die „Bewegung“ an Bedeutung, sowohl als parteiliches Leitmotiv („Bewegungspartei“, „Bündnispartei“) wie auch auf Systemebene als Impulsgeber und Konkurrenz, wenn etwa parteiübergreifende Allianzen etablierte Parteien antreiben und die Agenda bestimmen (bspw. Fridays for Future, Deutsche Wohnen & Co enteignen, Aufstehen). Daher müssen Parteien als Organisationen, aber auch als Akteure der repräsentativen Demokratie reagieren.

Diese Entwicklungen nehmen wir zum Anlass, uns im Rahmen der AK-Jahrestagung dem Thema Parteien in Bewegung zu widmen. Damit sind vielfältige Fragen verbunden, etwa:

  • Von der Bewegung lernen? Parteientwicklung als Reaktion auf Bewegungserfolge?
  • Von der Partei lernen? Verparteilichung von Bewegungen im Parlament?
  • Parteien als Bewegung – Bewegungen als Partei: Wie neu & anders sind Bewegungen?
  • Partei – Bewegung – Gesellschaft: Wechselwirkung, Konkurrenten und Impulsgeber?
  • Grenzen und Potentiale der „Bewegungsdemokratie“: Korrektiv, Ergänzung oder Gefahr für die repräsentative Parteiendemokratie?
  • Entstehungsbedingungen/-gründe für Bewegungen: Neue Themen oder neue Formen?

Wir freuen uns über Beitragsvorschläge, die Antworten zu den skizzierten Fragen liefern. Beiträge können theoretisch oder empirisch angelegt sein. Empirisch sind Fallstudien ebenso wie vergleichende Analysen von Interesse, die verschiedene Ebenen ansprechen können. Ganz besonders begrüßen wir Einreichungen von Wissenschaftlerinnen.

Beitragsvorschläge bitte bis zum 31.07.2019 an die Sprecher des Arbeitskreises mailen (max. 250 Wörter; Prof. Dr. Uwe Jun, jun(at)uni-trier.de; Dr. Sebastian Bukow, bukow(at)hhu.de).

Die Jahrestagung des AK Parteien der DVPW findet in Zusammenarbeit mit der Akademie für Politische Bildung in Tutzing statt. Die Tagung ist paper-based, d.h. die ausgearbeiteten Beiträge müssen bis zum 15.10.2019 vorliegen und werden im Rahmen der Tagung diskutiert. Nach der Tagung werden die überarbeiteten Beiträge in der Schriftenreihe der Akademie Tutzing veröffentlicht (Abgabe der Beiträge: 31.12.2019).

Call for papers: Social Movements and Civil Society in Central and Eastern Europe. Historical Legacy and Current Trends, International Conference, Warsaw, 12. / 13. October 2019, Conference organizers: Piotr Kocyba, Małgorzata Łukianow

Social movements and civil-society activism have a long tradition in Central and Eastern Europe (CEE). The best example is Solidarność, which can be considered one of Europe’s most influential modern social movements. Despite the important impact that impressive mass mobilization – not only in Poland – had on the end of Communism, since the collapse of the Communist regime, civil societies in CEE have been considered lethargic. There is a smaller number of NGOs than in the so-called Western societies and they have attracted few members. Furthermore, general opinion polls show a population that is reluctant to engage either socially or in nonconventional political activities. However, it has become increasingly clear in recent years that this commonsense perspective on the passivity of civil societies in CEE does not provide a complete picture. This is particularly true when politically controversial decisions lead to mass mobilization on the streets. We could point out here the demonstrations against corruption in Bucharest in January 2017, or the Budapest demonstrations against the closing of the Central European University in April 2017. We could also refer to the anti-government demonstrations that followed the change of government in Poland in 2015. Last but not least, students in East Central Europe also took part in the Fridays for Future demonstrations on a large scale. These are only the most visible signs of recent activism. In the so-called ‘transformation societies’, there are many people involved in activism at the local level and often in informal contexts. However, due to a lack of formal legal organization or simply because of their (right-wing, conservative) political orientation, they have rarely been taken into consideration (such as the PiS-affiliated Kluby Gazety Polskiej or the FIDESZ-affiliated Polgárikörök).

The conference aims to take a closer look at these phenomenona and to offer different empirical perspectives (based on narrative interviews, protest surveys, protest event analysis etc.), not only beyond progressive and formalized movements but also to uncover little explored lines of development, as well as fractures in the engagement of social activism in CEE.

The conference will focus mainly on the specificity of social movements and civil societies in post-communist Europe and address, among others, the following questions:

  • What role do historical legacies play for current activism in CEE?
  • How and why does civic activism differ in CEE from that in Western Europe?
  • What role do social movements play for the quality of democracy in CEE?
  • How are they intertwined with illiberal tendencies?
  • What kind of imageries and visual representations do certain movements use?
  • How do social movements mobilize people for their aims?
  • What methodological challenges do we encounter in CEE?

Potential contributions can include all kinds of activism (progressive and regressive). We welcome researchers from the social sciences, political science, history, cultural studies and related fields.

The conference will take place in collaboration with the Institute of Philosophy and Sociology of the Polish Academy of Sciences (IFiS PAN), the Graduate School for Social Research (GSSR), the Expert Commission for Economic and Social Studies of the Herder Research Council, the Institute for Social Movement Studies (ipb), and the Chair for Central and Eastern European Studies (TU Chemnitz). The language of the conference is English.

Abstracts should not exceed 250 words and should be submitted by August 15th to: socialmovementsCEE(at)gmail.com

Due to the generous funding of the Herder Research Council and the Chair for Central and Eastern European Studies, we are able to offer accommodation for a limited number of participants. Should you be interested in funding, please inform us in your application.

Download Call as pdf-file

Call for Papers und Panels: HASHTAGS | TWEETS | PROTEST. Soziale Bewegungen im digitalen Zeitalter, Jahrestagung des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung in Kooperation mit dem Weizenbaum Institut für die vernetzte Gesellschaft, Berlin, 15./16. November 2019

Protest und Gegenprotest, Herrschaft und Widerstand lassen sich heute nur im Kontext der digitalisierten Gesellschaft, ihrer speziellen Möglichkeiten, Dynamiken und Gefahren denken.

Digitale Kommunikation bestimmt unseren Alltag und die Formen, in denen wir uns (politisch) informieren, streiten und ausdrücken. Hashtags, Instagram-Stories und YouTube Videos werden heute nicht nur zur Selbstdarstellung eingesetzt, sondern sind auch zentral für kollektives Han­deln und politisches Engagement. Proteste werden über digitale Dokumentation – Bilder, Tweets, Streams – zumindest potenziell global sichtbar. Und zunehmend etablieren sich digitale Bewegungsunternehmer*innen, die finanzielle und politische Interessen vereinen und Startvorteile im Wettbewerb um die Aufmerksamkeit im Netz versprechen.

Digitale Interaktionen verändern soziale Beziehungen und damit auch Form und Funktionieren sozialer Bewegungen und Proteste. Um Mobilisierungen zu initiieren, reicht im digitalen Kontext oft ein geringerer Grad an Organisiertheit; um an ihnen teilzunehmen, gar manchmal nur ein Klick. Bewegungen wiederum werden durch ihre digitale Arbeit erst sicht- und ansprechbar – als Massenbewegung bedürfen sie der digitalen Koordination. Dies kann Machtverhältnisse auf den Kopf stellen: So bieten sich Bewegungen wie auch marginalisierten Gruppen neue Chancen für die Artikulation ihrer Ideen und Interessen. Und doch stellt sich die Frage, welche Anliegen und Orga­nisationsweisen vom Digitalen besonders profitieren und auch, was im Kampf um Aufmerksamkeit unterliegt.

Auch andere Kehrseiten digitaler Organisation nehmen wir in jüngerer Zeit verstärkt wahr: Digitale Hasskulturen machen auf sich aufmerksam. Sie nutzen kommerzielle Plattformen, um Ideologien der Abwertung neu zu verkleiden, und bauen sich eigene Foren auf, in denen sie politische Kam­pagnen und Angriffe auf politische Gegner*innen koordinieren. Überwachung nimmt zu und lässt sich immer stärker automatisieren. Somit birgt die digitale Konstellation neben Gefahren wie Ver­einzelung, Repression, Stigmatisierung, Verleumdung und Zensur auch eine Gelegenheitsstruktur für rechte Akteur*innen – und für den Widerstand aus der Zivilgesellschaft. In jedem Fall schaffen soziale Netzwerke nicht mehr wegzudenkende transregionale Öffentlichkeiten, die die Politik und ihre kulturellen Grundlagen mitbestimmen.

Die diesjährige Jahrestagung des IPB widmet sich den Herausforderungen und Chancen für Pro­teste und Bewegungen im digitalen Zeitalter. Gemeinsam fragen wir: Wie müssen wir Protest im digitalen Kontext verstehen? Wodurch unter­scheiden und wie ergänzen sich Organisierung und Mobilisierung online und offline? Trägt die Struktur digitaler Plattformen dazu bei, dass besonders reaktionäre Bewegungen profitieren? Wie können digitale Räume emanzipatorische Politikansätze stärken? Welche methodischen und empirischen Herausforderungen sind mit der Erforschung von Bewegungen und Protest im Netz verbunden? Mögliche Beiträge umfassen die folgenden Themen, sind aber nicht auf sie begrenzt:

  • Online-Offline Interaktionen: Mechanismen und Prozesse
  • Mobilisierung über Plattformen (Messenger, Imageboards, Videoplattformen, Deep Web)
  • Bewegungsunternehmer*innentum im Netz
  • Visuelle Strategien (Memes, GIFs, Videos)
  • Internetbewegungen und ‚digitale (Bewegungs-)Parteien‘
  • Online-Subkulturen und ihre Beeinflussung des politischen Mainstreams
  • Digitale Repression und Überwachung durch staatliche Akteur*innen
  • Raumproduktion und Raumverständnisse im digitalen Kontext
  • Hassrede, Filterblasen, Echokammer, Algorithmen und deren anti-demokratische
  • Gefahren
  • Zivilgesellschaft 2.0: Digitales Streetwork, Solidarität und Gegenhegemonie
  • Praktiken, die das Digitale explizit ablehnen, und ihre Herausforderungen
  • Methodische Herausforderungen, forschungsethische Fragen und Forschungszugänge
  • Transnationale Gemeinschaftsbildung über digitale Plattformen (Bewegungen und Diaspora-Aktivismus)
  • Gezielte Manipulation von politischen Diskursen und Meinungen
  • Neue Organisationsformen, digitale Repertoires und Kampagnen
  • Theoretische Beiträge zu Protest, Digitalisierung und Überwachungskapitalismus

Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch. Die Konferenz lädt zu alternativen Darstellungs­formen, wie Performances oder Ausstellungen, und aktivistischen Beiträgen ein. Wir ermutigen besonders junge Forschende und Frauen* sich anzumelden. Eine deutsch- und englischsprachige Publikation von ausgewählten Beiträgen wird angestrebt. Abstracts für Einzelbeiträge (max. 250 Wörter) oder Panelvorschläge mit bis zu vier Vortragsabs­tracts sind einzureichen bis zum 26. Juli 2019 unter: konferenz2019@protestinstitut.eu.

Technische Universität Berlin, 8 July 2019

Protests and social movements are fuzzy objects to study. Scholars face a lack of clear boundaries, diversity-by-definition, and -often dramatic- changes over time. The field of social movement studies holds particular challenges to researchers with a view to getting the research design straight and becoming clear about the restrictions of an argument. These challenges contrast with the conditions of scientific production: the lion’s share of research on social movements and protests is realized in individual post-graduate projects. Scholars at this stage of their career tend to be isolated, they lack opportunities for exchange with peers, and their supervisors are more often than not specialized in an altogether different field.

The workshop Politics from below, to be held in Berlin on 8 July 2019, is hence designed to create a space for critical discussion and encouragement. During the one-day event, participants give and receive feedback on their work in the field of social movement and protest studies. They present central problems of their ongoing research and discuss them with colleagues at both early and advanced stages of their career.

To take part in the workshop in Berlin, send a 300-word abstract to info[at]protestinstitut.eu specifying a central problem you are struggling with in your research. The deadline to submit abstracts is 1 March 2019. Participants are informed by 15 March.

Please note that, as the workshop is a no-budget enterprise, there are no participation fees but also no funds for reimbursing travel costs.

The workshop is organized by
Institut für Protest- und Bewegungsforschung
AK Soziale Bewegungen der DVPW

Download CfP (pdf)

Das Themenheft Politik der Zeitschrift Body Politics setzt sich mit verschiedenen Formen der Körper-Politik bzw. der Politisierung von Körpern auseinander und damit der Frage, was an Körpern politisch ist bzw. wie diese politisch werden. Welche Rolle spielen Körper in politischen Auseinandersetzungen und Aushandlungen, welche für die Etablierung politischer Herrschaft? Der Begriff Körperpolitik oder im Englischen body politics bezeichnet sehr unterschiedliche Dinge: Insbesondere in älteren Schriften der politischen Theoriewerden unter body politic politische Einheiten („Körperschaften“) und deren Funktionen analog zum menschlichen Organismus gedacht und beschrieben. Foucault stellt schließlich die Frage, in welcher Weise menschliche Körper für eine politische Ökonomie produktiv gemacht werden. Mit der Einführung des Konzepts der Biopolitik eröffnet er eine Perspektive auf das Verhältnis von Staat und Körper. Die individuellen Körper bzw. deren Gesamtheit als Bevölkerung werden zunehmend zum Gegenstand staatlich-politischen Handelns, sie werden je nach politischem System mit verschiedenen Strategien reguliert, kontrolliert und produktiv gemacht (z.B. durch Zwangssterilisationen oder finanzielle Anreize wie Elterngeld). Aber nicht nur der Staat politisiert die Körper. Auch die individuelle Nachfrage nach reproduktionstechnologischen Maßnahmen und deren Kommodifizierung können unter biopolitischen Aspekten analysiert werden. Rabinow wiederum untersucht mit seinem Konzept der Biosozialität die Vergemeinschaftung durch Biopolitik. Agamben und Mbembe denken das Konzept der Biopolitik weiter, um zu verstehen, wie Macht und Herrschaft am menschlichen Körper und dessen Vernichtung ansetzen.

Eine weitere Verwendung des Begriffs Körperpolitik geht auf die neue Frauenbewegung in Nordamerika und Westeuropa zurück. Deren zentrale Forderung – das Private ist politisch –, bedeutet, den Begriff des Politischen zu erweitern und den weiblichen Körper und seine Kontrolle, die Rolle von Sexualität im Geschlechterverhältnis zu einem Politikum zu machen und zu kritisieren. Dies zeigt sich vor allem im Kampf gegen das Verbot des Schwangerschaftsabbruchs. Wie andere soziale Bewegungen auch (z.B. die Homosexuellenbewegung, die Krüppelbewegung u.a.) politisiert die Frauenbewegung Körperfragen und nutzt den Körper als Mittel des politischen Protests.

Die Beiträge für das geplante Themenheft können Einzelstudien zu Körperpolitik und Politisierung von Körpern präsentieren, d.h. diese in zeitlicher und räumlicher Hinsicht untersuchen, bezogen auf bestimmte Politikfelder, Diskurse und Praxen. Gewünscht sind Beiträge, die sich damit auseinandersetzen, wie Körper explizit in politische Prozesse eingebunden werden. Körperhistorische und körpertheoretische Perspektiven sollen beleuchten, in welcher Weise Politik auch eine materiell-körperliche Dimension hat. Mögliche Themenbereiche wären Körper in sozialen Kämpfen (beispielsweise in sozialen Bewegungen wie der Frauenbewegung, der Behindertenbewegung, Fat Activism etc.), Körper/Affekt in populistischen Bewegungen, die Relevanz von Körpern für bestimmte Policy Felder, für die Politik von Grenzregimen, Körper(fragen) als Gegenstand öffentlicher Debatten etc.

Mit diesem Call sollen Beiträge eingeworben werden, die sich aus einer systematischen, einer empirischen und/oder historischen Perspektive mit Körperpolitik und Politisierung von Körpern beschäftigen. Bitte schicken Sie Vorschläge in Form von Abstracts mit einer Länge von einer Seite (max. 500 Wörtern) bis zum 15.1.2019 an: i.schmincke(at)lmu.de

Der Call als pdf-Datei.

Call for Papers: Protestation et critique de la culture – Différences, passages, chevauchements / Protest und Kulturkritik – Differenzen, Übergänge, Schnittstellen, Forschungsatelier, Universität Straßburg & Universität Koblenz-Landau, 21.-25. Januar 2019, Landau/Pfalz

In Kooperation mit der Universität Straßburg nimmt der Forschungsschwerpunkt „Kulturelle Orientierung und normative Bindung“ der Universität Koblenz-Landau die in Frankreich und in Deutschland in den letzten Jahren zunehmenden Protestbewegungen zum Anlass, in einem interdisziplinären Forschungsatelier nach dem Verhältnis von historischen und gegenwärtigen Protestformen sowie deren Relationen zur Kulturkritik zu fragen.

Die Geschichte beider Länder zeigt ein durchaus reichhaltiges Repertoire an unterschiedlichen Protesthaltungen und Protestpraktiken, und dennoch scheinen sich die jüngsten Ausdrucksformen und Einstellungen nicht ohne Weiteres unter bekannte Kategorien subsummieren zu lassen. Schlagworte wie jene des ‚Wutbürgers‘ (citoyens indignés), des ‚Abgehängten‘ (citoyens relégués) oder der ‚besorgten Bürger‘ weisen darauf hin, dass die Herausforderungen einer pluralistischen Kultur und einer zunehmend komplexer erlebten Welt eigene Formen des Protests hervorbringen. Wenn die neuere Bewegungs- und Protestforschung gegenwärtige Protesthaltungen unter dem Begriff der ‚Empörungsbewegungen’ diskutiert, dann werden damit insbesondere solche Haltungen und Handlungen fokussiert, die sich einer (selbst)kritischen Reflexion kultureller und gesellschaftlicher Verhältnisse weitgehend entziehen. Die verstärkten Tendenzen zu Provokation, Eskalation und Gewalt werden zusätzlich befördert, indem sich die oftmals von Ressentiments geleiteten Akteure vermehrt virtueller Kommunikationsangebote bedienen, die in Gestalt von ‚Filter Bubbles‘ und ‚Echo Chambers‘ subjektive Eindrücke selbstverstärkend zu kollektivieren und zu radikalisieren vermögen. Sowohl in Frankreich als auch in Deutschland ist zu beobachten, dass ebensolche Entwicklungen zu einer Protesthaltung der strikten Ablehnung führen können, die wiederum hochgradig ideologieanfällig ist und dergestalt demokratische Ordnungen weniger kritisiert als in Frage stellt, direkt bedroht und attackiert.

Vor diesem Hintergrund sollen Beiträge vorgestellt und diskutiert werden, die sich dem Verhältnis von Protest und Kulturkritik annehmen, indem sie:

  • die Wechselwirkungen und Übergänge von Protest und Kulturkritik beleuchten,
  • unter Bezugnahme auf insbesondere philosophische sowie soziologische Ansätze auf das Verhältnis zwischen aktuellen Protesthaltungen/-bewegungen und gegenwärtiger sowie historischer Kulturkritik eingehen,
  • sich der Genese und wechselseitigen Beeinflussung deutscher und französischer Kulturkritik annehmen,
  • Möglichkeiten der Selbstverständigung im interkulturellen Austausch eruieren und zur Adressierung aktueller kultureller Probleme in Frankreich und in Deutschland beitragen.

Das Forschungsatelier richtet sich an Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler (vorwiegend Doktorandinnen/Doktoranden aber auch Post-Doktorandinnen/Doktoranden) aus den Bereichen der Philosophie und Soziologie sowie angrenzenden Disziplinen, die sich im weiten Feld der Protestforschung und der Kulturkritik bewegen und Interesse haben, ihre Ansätze und Überlegungen anhand eines Vortrags mit ausgewiesenen Fachvertreterinnen und Fachvertretern interdisziplinär zu diskutieren. Neben den Veranstaltern Prof. Dr. Christian Bermes (Universität Koblenz-Landau), Prof. Dr. Franck Fischbach (Universität Straßburg) und Prof. Dr. Jürgen Raab (Universität Koblenz-Landau) werden noch weitere eingeladene Vertreter aus der Philosophie und der Soziologie wie u.a. Prof. Dr. Karl-Siegbert Rehberg und PD Dr. Andreas Pettenkofer teilnehmen.

Ihre Antworten auf den Call for Papers mit bis zu 500 Worten senden Sie bitte bis zum 27. Oktober 2018 an joller(at)uni-landau.de. Reise- und Übernachtungskosten werden, vorbehaltlich der haushaltsrechtlichen Verfügbarkeit, übernommen. Wir freuen uns auf Ihre Zusendungen.

Weitere Informationen zum Forschungsschwerpunkt „Kulturelle Orientierung und normative Bindung“ finden Sie unter www.kulturelle-orientierung.de. Für Rückfragen können Sie sich jederzeit an Dr. Stefan Joller, Koordinator des Forschungsschwerpunktes am Campus Landau, wenden: joller[at]uni-landau.de.

Unter dem Titel „Grenzen der Demokratie / Frontiers of Democracy“ findet vom 25. bis 28. September in Frankfurt/Main der 27. Kongress der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft statt. Der AK soziale Bewegungen trägt dazu mit mehreren Veranstaltungen bei. Wir sammeln hier alle vom AK organisierten, bzw. unterstützten Programmpunkte. In Klammern stehen jeweils die Organisator*innen. Details zu den Veranstaltungen des AK und zu allen anderen Panels und Podien finden sich im Kongressprogramm auf der Seite der DVPW.
26. September
16.00 Uhr: Panel „Civil Society in Non-democratic Settings“ Hörsaal HZ 12 (Annette Zimmer & Katja Levy)
16.00 Uhr: Panel „Reaktionäre Proteste und die Imagination des Internationalen“, Seminarraum SH 3.109 (Priska Daphi & Antonia Witt)
27. September
12.30 Uhr: Mitgliederversammlung des AK Soziale Bewegungen, Seminarraum SH 3.101 (Priska Daphi, Simon Teune & Sabrina Zajak)
14.00 Uhr: Panel „Die rechtspopulistische Herausforderung und die Neuerfindung der Demokratie von unten“, Seminarraum SH 1.104 (Nicole Doerr & Simon Teune)
16.00 Uhr: Panel „Soziale Bewegungen als Grenzphänomene des Demokratischen“, Seminarraum SH 3.105 (Ingmar Hagemann & Johanna Leinius)
28. September

9.00 Uhr: Roundtable „Die langfristigen Spuren sozialer Bewegungen“ mit Sigrid Baringhorst, Stefan Berger, Priska Daphi und Dieter Rucht, Hörsaal HZ 4 (Sebastian Haunss, Sabrina Zajak)

 

Titelbild: Performance von Pussy Riot auf dem Roten Platz (Foto: Pussy Riot Blog)

Der Arbeitskreis soziale Bewegungen der DVPW

Seit Mitte der 1980er Jahre bringt der Arbeitskreis soziale Bewegungen der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft Menschen zusammen, die sich wissenschaftlich-systematisch mit sozialen Bewegungen und Protest, Formen der Partizipation und Organisation von unten beschäftigen.

Diese Seite soll einen Überblick über die aktuelle Forschung geben und Möglichkeiten zur Vernetzung eröffnen.

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