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Call für Workshops: Kritische Praxis – kritische Sozialwissenschaft. Soziale Rebellion und intellektueller Protest? Tagung am 27. und 29. März 2014 an der Universität Duisburg-Essen, Campus Essen. Organisation: Ullrich Bauer, Uwe. H. Bittlingmayer, Carsten Keller, Fabian Kessl, Martina Lütke-Harmann und Franz Schultheis

Hegemonie- und Gesellschaftskritik haben in der sozial- und kulturwissenschaftlichen Debatte in den vergangenen Jahren eine wachsende Aufmerksamkeit erfahren. Weitgehend parallel formierten sich seit dem Jahr 2011 international neue Protestbewegungen. Aber auch lokale Revolten und Bewegungen, vor allem im urbanen Kontext, sind zu beobachten. Zugleich tut sich gerade die akademische Kritik schwer, auf jüngste Austeritäts- und Repressionspolitiken in Europa zu reagieren.

Im Kontext dieser Zeitdiagnose ist es erforderlich, das Verhältnis von sozialen Protestbewegungen und intellektueller Kritik neu zu reflektieren. Welche Formen der Kommunikationen existieren gegenwärtig zwischen Wissenschaft und Protest? Gibt es Anzeichen für einen produktiven Austausch oder besteht eine Kluft, die sich in der gegenseitigen Wahrnehmung als distinguierte Intellektuelle und theorielose Aktivisten materialisiert? Hat sich inzwischen das Verständnis verallgemeinert, dass eine kritische Praxis sowohl an Universitäten und Hochschulen wie in sozialen und lokalen Protestbewegungen immer zugleich eine analytische wie eine politische Dimension umfasst? Es geht aktuell also um nicht weniger als das Verhältnis zwischen intellektueller und politischer Praxis ? und die damit verbundenen Fragen, ob und wie eine kritische Praxis im akademischen Feld, und eine kritische Theorie im Feld der Bewegungen ihren Raum und ihre Zeit finden können.

Die Tagung Kritische Praxis – kritische Sozialwissenschaft? am 27. und 28. März 2014 in Essen möchte zu einer Klärung dieses Verhältnisses beitragen und dabei Akteure/innen aus dem akademischen Feld und den sozialen Bewegungen miteinander ins Gespräch bringen. Neben Plenarveranstaltungen mit Keynote-Speakern soll die Tagung entlang von Workshops organisiert werden, zu deren Konzeption und Durchführung wir Interessierte mit diesem Call für Workshops herzlich einladen.

Folgende thematische Bezüge erscheinen dabei besonders interessant:

  • Von Fukushima, über Stuttgart 21 bis Athen. Wenn es knirscht, warum knallt es nicht im Getriebe? Diagnosen zu Krisen und Krisenreaktionen
  • Wie gestaltet sich aktuell das Verhältnis von intellektueller Kritik und Protestbewegungen? Welche Formen der Kommunikation sind denkbar und sinnvoll, welche Differenzen sind notwendig? Über nationale Grenzen hinaus gehende Bezüge der intellektuellen Kritik und/oder der Protestbewegungen
  • Welche Mechanismen tragen dazu bei, dass kritische Perspektiven verhindert und blockiert werden ? sowohl im akademischen Feld als auch im Bereich sozialer und anderer Protestbewegungen?
  • Weshalb dominieren un-kritische Positionen an den Universitäten und Hochschulen, so dass beispielsweise nicht einmal die marktorientierten Reformen des Bologna-Prozesses im eigenen Hause verhindert werden konnten?
  • Stellen die Protestbewegungen der letzten Jahre eine neue Qualität von Protest dar? Sind sie als immanenter Bestandteil gesellschaftlicher Transformationsprozesse zu begreifen oder bergen siePotentiale für eine qualitative Neugestaltung von Gesellschaft? Das Verhältnis zu den „Alten“ Sozialen Bewegungen (Gewerkschaften, linke Parteien)
  • Inwiefern oder ab welchem Augenblick geht ein kritischer Anspruch selber mit Herrschaftsansprüchen einher oder ist Ausdruck von Distinktion und einer Selbstübersteigerung?
  • Gibt es wirklich eine zunehmende Präsenz und Aufmerksamkeit für kritische Positionen im akademischen Feld, die sich mit Namen wie Bourdieu, Boltanski und Chiapello, Butler, Hardt und Negri oder Fraser in Verbindung bringen lassen? Wenn ja, handelt es sich dabei um eine typische intellektuelle Konjunktur und Modeerscheinung oder verweisen diese auf relevante herrschaftskritische Analysen?

Wir möchten mit diesem Call um Workshopkonzepte bitten, die sich jeweils auf eine Vormittags (9.00- 12.30h) und/oder Nachmittagssession (ca. 14.00-17.30h) beziehen. Zur Unterstützung für die Durchführung eines Workshops wird versucht, einen Pauschalbetrag von bis zu 300 für jeden Workshop zur Verfügung zu stellen. Eigenständig eingeworbene finanzielle Unterstützungen sind natürlich sehr willkommen.

Wir bitten um Vorschläge für Workshops mit einer kurzen inhaltlichen Skizze und der Angabe von Referenten/innen, die im besten Fall sowohl aus sozialen Bewegungen als auch aus dem akademischen Feld kommen bis zum 17.11.2013 an das Organisationsteam: konferenz.kritischepraxis(at)uni-due.de

Call als pdf-Datei

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Fishbowldiskussion: ‚Wes Brot ich ess…‘ – Probleme und Aussichten der privaten Finanzierung von Protestforschung

Ort: TU Berlin, Zentrum Technik und Gesellschaft, Hardenbergstraße 16-18, Raum 6.06
Zeit: Montag, 30. September, 17.30 bis 19 Uhr
Moderation: Wolfgang Stuppert

Die am Göttinger Institut für Demokratieforschung durchgeführte und von BP finanzierte Studie „Bürgerproteste in Deutschland“ hat zu Beginn des Jahres einigen Staub aufgewirbelt. Lobby-Control und die tageszeitung streuten den Verdacht, dass BP sich von der Studie Vorteile in den energiepolitischen Auseinandersetzungen mit der Umweltbewegung und mit Bürgerinitiativen erhoffen würde. Zudem hätten die Göttinger Forscher_innen nicht von sich aus transparent gemacht, auf wessen Rechnung sie arbeiteten. Die Finanzierung durch BP und der Umgang damit wurde auch auf der deutschsprachigen Liste von Protestforscher_innen diskutiert.

Die Kritik an der Göttinger Studie wirft ein Schlaglicht auf die Situation der Protestforschung in Deutschland. Auf der einen Seite fehlt es an Institutionen mit dauerhafter Finanzierung. Damit sind die Möglichkeiten der öffentlich geförderten Protestforschung eingeschränkt. Auf der anderen Seite melden Unternehmen und unternehmensnahe Stiftungen Interesse an den Themen Protest und Bürgerbeteiligung an. Viele der potenziellen Geldgeber sind allerdings Partei in einem Konflikt mit sozialen Bewegungen oder sie werden als solche wahrgenommen.

Wie diese Situation unter Protestforscher_innen im Allgemeinen und im Institut für Protest- und Bewegungsforschung im Besonderen wahrgenommen wird, wollen in einer Fishbowldiskussion zu Tage fördern. Die Moderation übernimmt Wolfgang Stuppert.

Die Diskussion ist der Auftakt des Herbst/Winterprogramms im Kolloquium ‚Politik von unten‘, das danach wieder 14-tägig stattfindet. Mehr Informationen zum Kolloquium und das vollständige Programm sind auf der Unterseite des Kolloquiums abrufbar.

die tageszeitung: „Ein ambivalentes Gefühl“ (Dieter Rucht)

Radio Corax: „Zur Einkesselung der Blockupy-Demo und Behinderung demokratischer Prozesse“ (Peter Ullrich)

Offener Brief an die Landesregierung in Hessen: Protest- und Polizeiforscher*innen empört über Polizeigewalt gegen Blockupy-Proteste

Wir sind äußerst beunruhigt über das Vorgehen der Polizei gegen die Blockupy-Demonstration am 1. Juni 2013 in Frankfurt am Main. Als Protest- und/oder Polizeiforscher*innen haben wir die Entstehung der aktuellen Krisenproteste intensiv verfolgt und sind vertraut mit Erscheinungsformen und Dynamiken sozialer Proteste. Derzeit erleben wir große gesellschaftliche Umbrüche, die als Währungs-, Wirtschafts- oder Finanzkrise beschrieben werden. Gerade in solchen zentralen Fragen, wie der Sozial-, Geld- und Wirtschaftspolitik bedarf es eines breiten gesellschaftlichen Diskurses – und zu diesem gehören auch Meinungsäußerungen durch Demonstrationen und Proteste. Immer häufiger ist aber zu beobachten, dass von Seiten der Staatsmacht solche demokratischen Prozesse unterbunden oder stark behindert werden.

Bereits im Jahr 2012 wurden die Blockupy-Proteste vor allem juristisch behindert, wenngleich kaum eine der Maßnahmen nachträglich vor Gericht Bestand hatte. In diesem Jahr hat die Polizei die genehmigte Demonstration durch die Einkesselung von über 900 Menschen, die bis zu neun Stunden ohne jede Versorgung festgehalten wurden, willkürlich unterbunden. Während dieser Zeit verletzten Einsatzkräfte die bereits eingekesselten Demonstrant*innen, wissenschaftliche Beobachter*innen und Journalist*innen u.a. durch Pfefferspray, Schläge und Tritte. In einer ersten Zwischenbilanz berichten Sanitäter*innen von bis zu 300 Verletzten.

Der polizeiliche Umgang mit Protest ist – so zeigen Studien wie auch Demonstrationsbeobachtungen von Bürger*innenrechtsgruppen – oftmals und auch im konkreten Fall in Frankfurt von umfangreichen Auflagen gekennzeichnet, die auf vagen, aber kriminalisierenden Gefahrenprognosen beruhen. Daraus folgen massive Vorkontrollen, teils mit Festsetzung von anfahrenden Bussen, zunehmende Videoüberwachung, einschüchterndes Material- und Waffenaufgebot sowie enge, einschließende Begleitung von Aufzügen. Solche und andere polizeiliche Maßnahmen wirken abschreckend und schränken so die Demonstrationsfreiheit ein.

Die teilweise dramatischen Szenen aus Frankfurt zeigen eine nicht hinnehmbare Eskalation. Aufgabe der Polizei in der BRD sollte es eigentlich sein, Versammlungen zu schützen und nicht, diese zu behindern oder gar zu bekämpfen. Wir sehen die aktuellen Entwicklungen eines zunehmend repressiven und gewalttätigen Umgangs mit legitimen Protesten mit großer Sorge und schließen uns den Forderungen einer umfänglichen Untersuchung und Aufarbeitung der polizeilichen Übergriffe auf Demonstrant*innen in Frankfurt an.

Jenseits des konkreten Falles in Frankfurt fordern wir:

  • die individuelle Kennzeichnung von Polizeibeamt*innen, um Gesetzesübertretungen verfolgen zu können,
  • die Schaffung (polizei-)unabhängiger Kontroll- und Beschwerdeinstanzen zur Untersuchung solcher Vorfälle,
  • eine unabhängige Forschung zu sozialen Bewegungen, Protest und staatlichem Umgang mit diesen Phänomenen.

Es gilt, das Grundrecht der Versammlungsfreiheit gegen Entwicklungen wie in Frankfurt zu schützen! Gesellschaftliche Debatten dürfen nicht durch polizeiliche Maßnahmen behindert werden!

Erstunterzeichnende (alphabetisch):
Stephan Adolphs, Dipl.-Pol., Institut für Soziologie, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Dr. Knut Andresen, Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg
Dr. Dario Azzellini, JKU Linz, Austria
Jana Ballenthien, M.A., Soziologin, Justus-Liebig-Universität Gießen
Dr. Britta Baumgarten, CIES Lissabon
David Bebnowski, Dipl.-Sozw., Politikwissenschaftler, Institut für Demokratieforschung Göttingen
Prof. Dr. Bernd Belina, Institut für Humangeographie, Goethe-Universität Frankfurt
Prof. Robert Benford, Chair Department of Sociology, University of South Florida
Dr. Torsten Bewernitz, Politikwissenschaftler, Mannheim
Susanne Boehm, Historikerin, Hannover
Jan Bönkost, Medienkulturwissenschaftler und Mitarbeiter des Archivs für soziale Bewegungen, Bremen
Michael Briguglio, Asst. Lecturer, Sociology Department, University of Malta
Dr. Mario Candeias, Co-Direktor, Institut für Gesellschaftsanalyse, Rosa Luxemburg-Stiftung
Dr. Carl Cassegard, Associate Professor, Dept. of Sociology, University of Gothenburg
Robin Celikates, Associate Professor, Department of Philosophy, Vice-Director, Amsterdam, School for Cultural Analysis, University of Amsterdam
Dr. Laurence Cox, National University of Ireland Maynooth
Prof. Dr. Helga Cremer-Schäfer, Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung,
Goethe-Universität Frankfurt
Dr. Laurence Davis, College Lecturer, Department of Government, University College Cork, Ireland
Dr. Gunther Dietz, Professor für Interkulturelle Studien, Universidad Veracruzana, Mexiko
Prof. Nicole Doerr, Assistant Professor of International Relations, Mount Holyoke College, USA
Prof. Ricardo Dominguez, Associate Professor and Principal Investigator, University of California, San Diego
Dr. David Featherstone, Senior Lecturer in Human Geography, University of Glasgow
Dr. Luis A. Fernandez, Associate Professor, Criminology and Criminal Justice, Northern Arizona University
Prof. Helena Flam, Ph.D., Soziologie, Universität Leipzig
Dr. Cristina Flesher Fominaya, Department of Sociology, Ethics Officer, School of Social Sciences, University of Aberdeen, United Kingdom
Dr. Annette Freyberg-Inan, Associate Professor of Political Science, Amsterdam Institute for Social Science Research, University of Amsterdam
Barbara Fried, Leitende Redakteurin der Zeitschrift LuXemburg, Rosa Luxemburg Stiftung, Berlin
Dr. Fabian Frenzel, Politikwissenschaftler, Universität Potsdam
Catherine Friedrich, PhD student, NUI Maynooth, Ireland
Peter Nikolaus Funke, Ph.D., Assistant Professor, Department of Government & International Affairs, University of South Florida
Dr. Mischa Gabowitsch, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Einstein Forum, Potsdam
Dr. Tatiana Golova, Soziologin, Otto-von-Guericke Universtität Magdeburg
Prof. Marlies Glasius, Chair in International Relations, University of Amsterdam, Special Peace Chair, Citizen Involvement in Conflict and Post-Conflict Situations, Free University of Amsterdam
Alexander Großmann, Politikwissenschaftler, Berlin
Sarah Graber Majchrzak (Berlin), Historikerin, Europa-Universität-Viadrina, Frankfurt/ Oder
PD Dr. Rüdiger Haude, Historiker, RWTH Aachen
Dr. Christoph Haug, Soziologe, Universität Göteborg
PD Dr. Sebastian Haunss, Universität Bremen, SFB 597 – Staatlichkeit im Wandel
Dr. Richard Heigl, Historiker, Regensburg
Bernd Hüttner, Politikwissenschaftler, Referent für Zeitgeschichte der Rosa Luxemburg Stiftung und Gründer des Archivs der sozialen Bewegungen, Bremen
Daniel Häfner, M.A., Kulturwissenschaftler, BTU Cottbus
Ingmar Hagemann, Politikwissenschaftlicher, Universität Duisburg-Essen
Dr. Eva Maria Hinterhuber, Politikwissenschaftlerin, Berlin
Anke Hoffstadt, Historikerin, Düsseldorf
Prof. Dr. John Holloway, Instituto de Ciencias Sociales y Humanidades “Alfonso Vélez Pliego”, Benemérita Universidad Autónoma de Puebla, Puebla, Mexico
Dr. Christoph Jünke, Historiker, Fern-Universität Hagen
Dr. Jochen Kleres, Soziologe, Humboldt Universität zu Berlin/European University Institute, Florenz
Andrea Kretschmann, Universität Bielefeld/Institut für Höhere Studien, Wien
Dr. Gregor Kritidis, Historiker, Hannover
Dr. phil. Leo Kühberger, Historiker, Graz
Nils Kumkar, Soziologe, Universität Leipzig
Dr. Conrad Kunze, Soziologe, Berlin
Prof. Dr. Christian Lahusen, Universität Siegen
Dietmar Lange, Historiker (Doktorand), Freie Universität Berlin
Dr. Darcy K. Leach, Assistant Professor, Department of Sociology and Social Work, Bradley University
Ben Leeman, Former PhD student at Victoria University, Melbourne, Australia, Current student at OASES
Dr. Christiane Leidinger, freischaffende Politikwissenschaftlerin, Berlin
Alexander Leistner, Soziologe, Universität Leipzig
Prof. Dr. Tilman Lutz, Evangelische Hochschule Hamburg
Dr. Jörg Nowak, Political Scientist, Visiting Professor at Kassel University, Germany
Dr. Gisela Notz, Historikerin und Sozialwissenschaftlerin, Berlin
Dr. Oliver Leistert, Universität Paderborn
Miguel Ángel Martínez López, Dept. Of sociology 2, University complutense of Madrid
Christiane Mende, Berlin
Prof. Dr. Ingrid Miethe, Justus-Liebig-Univesität Gießen
Daniel Mikecz, Politikwissenschaftler, Eötvös Loránd Universität, Budapest
Matthias Möller, Kulturwissenschaftler (Postdoc), Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Dr. Gisela Notz, Historikerin und Sozialwissenschaftlerin, Berlin
Dr. Andrew Oppenheimer, Maastricht University
Lars Ostermeier, Dipl. Krim., Zentrum Technik und Gesellschaft, TU Berlin
Dr. Gottfried Oy, Sozialwissenschaftler, Frankfurt am Main
Andrea Pabst, M.A., Doktorandin an der Universität Trier
Professor Dr. Helge Peters, Universität Oldenburg
Dr. Andreas Pettenkofer, Max-Weber-Kolleg, Erfurt
Dr. Lika Rodin, University of Skövde, Sweden
Prof. Dr. Roland Roth, Institut für Protest- und Bewegungsforschung i.G.
Julia Roßhart, M.A., Doktorandin in den Gender Studies an der HU Berlin
Prof. Dr. Dieter Rucht, Institut für Protest- und Bewegungsforschung (i.G.)
Prof. Dr. Dr.h.c. Fritz Sack, Berlin
Prof. Dr. jur. Stephan Quensel, Grönwohld
Sebastian Scheele, Soziologe, Institut für Protest- und Bewegungsforschung, TU Berlin
David Scheller, Dipl.-Soz., Ph.D Fellow / Doktorand, Justus-Liebig-Universität Gießen
Dr. Regina Schleicher, Romanistin, Frankfurt am Main
Dr. Alexandra Schwell, Universität Wien
Dr. Katharina Stengel, Historikerin, Frankfurt am Main
Prof. Dr. Klaus Schönberger, Zürich
Dr. Christian Scholl (University of Louvain)
Uwe Sonnenberg, Historiker, Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam
Wolfgang Stuppert, Doktorand, Berlin Graduate School of Social Sciences
Prof. Dr. H. Sünker, Bergische Universität Wuppertal
Amber O ‘Sullivan, MA, Community Education, Equality and Social Activism, Maynooth, Ireland
Dr. des. Simon Teune. Institut für Protest- und Bewegungsforschung i.G., TU Berlin
Dr. Anne Tittor, Center for Interamerican Studies, Universität Bielefeld
Dr. Dr. Peter Ullrich, Zentrum für Antisemitismusforschung/Institut für Protest- und Bewegungsforschung, TU Berlin
Alex S. Vitale, Associate Professor, Department of Sociology, Brooklyn College
Dip. – Pol. Viviana Uriona, Politikwissenschaftlerin (Doktorantin Universität Potsdam)
Dipl.-Soz. Judith Vey, Institut für Protest- und Bewegunsforschung, TU
Berlin
Martin Wagener, PRFB Forscher und Promotionsstudent in Soziologie, Centre for interdisciplinary research – Democracy, Institutions and subjectivity
Dr. Karen Wagels, Kulturwissenschaftlerin, Kassel
PD Dr. Heike Walk, Institut für Protest- und Bewegungsforschung (i.G.), Technische Universität Berlin
Dr. Peter Waterman, Institute of Social Studies (retired), The Hague Netherlands
Julia Zilles, Studentin Universität Koblenz-Landau (Politikwissenschaften)
Jens Zimmermann, Politikwissenschaftler, Duisburg
Dr. habil. Nils Zurawski, Institut für kriminologische Sozialforschung, Uni Hamburg

Franz Walter, Felix Butzlaff, Lars Geiges und Stine Marg: Die neue Macht der Bürger. Was motiviert die Protestbewegungen? Reinbek: Rowohlt 2013

Walter et al. 2013Viele Menschen in Deutschland erheben Einspruch: Sie protestieren gegen die Errichtung neuer Stromtrassen und Windräder, gehen auf die Straßen gegen den Ausbau von Flughäfen und Bahnhöfen, zelten gegen Kapitalismus und Bankenmacht. Sie gründen Initiativen gegen neue Schulformen, demonstrieren gegen Zensur im Internet und gegen Atomkraft. Die Bundesrepublik ist in Bewegung geraten wie seit den achtziger Jahren nicht mehr. Gibt es etwas, das die unterschiedlichen Proteste verbindet? Zeugen sie von einer Herausforderung für die Demokratie oder vielmehr von deren Lebendigkeit? Was treibt die Beteiligten an? Von Hamburg bis München: Diese Studie unternimmt eine Reise quer durch die deutsche Protestlandschaft und interviewt die Aktiven vor Ort. Wofür oder wogegen engagieren sie sich? Was erhoffen sie sich von der Demokratie? Und wie ist ihr Blick auf Politik und Gesellschaft? Herausgekommen ist ein tiefer Einblick in die aktuellen Protestbewegungen und die Gedankenwelt der Aktivisten. Die pauschalisierende Diskussion über die «Wutbürger» erhält damit endlich eine solide wissenschaftliche Grundlage.

Rezension von Ansgar Klein im BBE-Newsletter 8/2013

Diskussion über die Finanzierung von Protestforschung durch Unternehmen

Die Finanzierung der Studie durch BP Europa SE und der mutmasslich intransparente Umgang damit gegenüber den an der Studie beteiligten Aktivist_innen wurden von LobbyControl kritisiert (s. auch den flankierenden Artikel in der taz). Die Herausgeber_innen der Studie reagierten mit einer Replik. Auch Markus Beckedahl als einer  der Befragten reagierte auf Netzpolitik.org mit einem breit diskutierten Artikel, in dem er sich verwundert zeigt, erst im Nachhinein von den Sponsoren der Studie zu erfahren, aber anders als Fefe nicht zum Boycott zukünftiger Studien aufruft. Sabrina Zajak resümiert den Trend zu unternehmensfinanzierter Forschung in einem englischen Beitrag auf dem ‚Governance across Borders‘ Blog. Auch auf der deutschsprachigen Email-Liste für Bewegungsforscher_innen wurde die Diskussion fortgesetzt.

Die Veröffentlichung des programmatisch mit einem Zitat von Dieter Kunzelmann betitelten Buches von Wolfgang Kraushaar („Wann endlich beginnt bei Euch der Kampf gegen die Heilige Kuh Israel?“, erschienen bei Rohwolt) wird von kontroversen Besprechungen begleitet.

WOZ Die Wochenzeitung „Ganz so einfach ist es nicht

Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Ich habe nichts gewusst und nichts getan“ (Erwiderung von Ulrich Enzensberger)

Jungle World „Der deutsche Whodunit

Die Zeit: „Mutmaßungen über Fritz

Die Welt: „RAF-Terror wucherte aus dem Geist des Judenhasses“ | „Der linke ‚Judenknacks‘ der 68er

Der Spiegel: „Ein paar Tage im Februar

die tageszeitung: „Das antisemitische Erbe“ | „Der Antizionismus war Grundposition der radikalen Linken“ (Interview mit Wolfgang Kraushaar)

Süddeutsche Zeitung: „Möglicherweise

…und mehr bei scoop.it

Ein Ausschnitt aus dem Buch war in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu lesen.

Am kommenden Mittwoch findet das Kolloquium Politik von unten zum 7. Mal statt. Diesmal steht ausnahmsweise nur ein Text zur Diskussion: das Papier von Leiv Eirik Voigtländer über „Schwierigkeiten des Feldzugangs und forschungsethische Probleme bei einer empirischen Untersuchung des solidarischen Engagements von Erwerbslosen und Armen.“

Im Anschluss diskutieren wir ohne Text, aber mit zwei kurzen Inputs von Christina Kaindl und Dieter Rucht, über Sozialproteste in Deutschland. Dabei geht es unter anderem um folgende Fragen: Warum sind die Krisenproteste trotz der breiten Mobilisierung punktuell geblieben? Was sind die Unterschiede zwischen Großbritannien und Südeuropa mit breiten Mobilisierungen und dem Rest Europas mit schwächeren Protesten? Welche Rolle spielen Parteien und Gewerkschaften, Erwerbslosenintiativen und andere politische Gruppen? Wo finden die sozialen Auseinandersetzungen statt, wenn nicht auf der Straße?

Christina Kaindl hat mit dem Bündnis „Wir zahlen nicht für Eure Krise“ Proteste gegen die Wirtschafts- und Sozialpolitik der Bundesregierung organisiert. Außerdem beobachtet sie als leitende Redakteurin der Zeitschirft LuXemburg die deutsche Bewegungslandschaft. Dieter Rucht hat 2004 eine Befragung von Montagsdemonstrant_innen gegen die Hartz-Reformen initiiert und beobachtet die deutsche Bewegungslandschaft als Protestsoziologe.

Die googlelabs-Seite lädt ein zum Zeitvertreib. Mit Ngrams kann man die über googlebooks zugänglichen Bücher durchsuchen und sich die Ergebnisse im Zeitverlauf anzeigen lassen. Sucht man z.B. nach Arbeiter-, Frauen- und Friedensbewegung, so tun sich auf der einen Seite deutliche Unterschiede auf: die Arbeiterbewegung wird dreimal so häufig erwähnt (was angesichts der ideologischen Unverzichtbarkeit in der DDR kaum verwundert). Die Höhepunkte liegen für die Arbeiterbewegung um 1980, für die Freidensbewegung nach den großen Demonstrationen Anfang der 1980er und für die Frauenbewegung im Zuge der Institutionalisierung erst Anfang der 1990er Jahre. Auf der anderen Seite zeigt sich aber auch eine  Gemeinsamkeit: alle Kurven sinken in jüngster Zeit deutlich ab.

Á propos sinkende Kurven: um die Bewegungs- und Protestforschung ist es nach diesem Maßstab auch nicht gut bestellt. Nach einer Hochphase in den 1980er und in der ersten Hälfte der 1990er Jahre geht es mit der Protestforschung genauso bergab, wie mit der Bewegungsforschung, die ihren Höhepunkt um das Jahr 2000 herum hatte.

Gleiches gilt für die entsprechende Konzepte Protestbewegung und soziale Bewegung. Beide wurden in den 1980er und 1990er Jahren am häufigsten thematisiert und sind seit dem immer seltener zu finden. Vielleicht liegt das ja auch daran, dass die deutschsprachigen Forscher_innen vor allem in Englisch publizieren. In Englisch sehen die Kurven für die beiden zentralen Begriffe collective action und social movement nämlich ganz anders aus. Sie steigen kontinuierlich an.

Kommender Aufstand in Europa, Dauerflaute in Deutschland? Tiqqun, Stephan Hessel und Sarrazin als Phänomene von Krisenbewältigung. Diskussionsveranstaltung des AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost/West

14. Februar 2011, 19.00 Uhr, Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin

Mit:

Willi Hajek (TIE Germany.org ­– Netzwerk Europäischer BasisgewerkschafterInnen)

Roland Roth (Komitee für Grundrechte und Demokratie, erforscht als Hochschullehrer die Neuen Sozialen Bewegungen)

Lutz Schulenburg (Nautilus Verlag Hamburg, deutscher Herausgeber von „Das unsichtbare Komitee: Der kommende Aufstand“)

Moderation: Bernd Gehrke (AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost/West)

Mit der Weltwirtschaftskrise des globalen Kapitalismus haben sich seit 2007 dessen   Legitimations- und politischen Krisen in Europa erheblich zugespitzt. Soziale Auseinandersetzungen und Revolten erschütterten viele Staaten in der EU von Island bis Griechenland. In Frankreich erreichen Debatten der Linken über Aufstand und Revolution inzwischen eine breite Öffentlichkeit, Tiqqun oder Stephan Hessel haben über Frankreich hinaus Furore gemacht. Mit der tunesischen Revolution beginnen vor der Haustür Europas die autoritären Regime des Neoliberalismus im Nahen Osten zu wanken.

Doch in Deutschland scheint die politische Stabilität des Kapitalismus unerschütterlich. Der mit der „großen Krise“ von vielen Linken erhoffte „große Kladdaradatsch“ ist bisher ausgeblieben. Im Gegenteil: Immer stärker erweist sich das deutsche Kapital als Krisengewinner und imperialistischer Zuchtmeister gegenüber seinen europäischen Konkurrenten. Und im Inneren wird der offen rassistische Diskurs eines Sarrazin „hoffähig“ und zum Ferment antiegalitärer reaktionärer Krisenlösungsvarianten.

Doch ist die gesellschaftliche Situation in Deutschland damit schon hinreichend charakterisiert? Bringen „Wutbürger“, neue und alte Protestbewegungen sowie eine neue Generation von Aktiven nicht auch in Deutschland eine tiefe Krise der politischen Legitimation und Repräsentation in neuer Dimension zum Ausdruck?

Wie also steht es um die deutschen Protestbewegungen im Reigen der europäischen, welchen Stellenwert haben diese Bewegungen für die politische Stabilität des deutschen Kapitalismus auf absehbare Zeit? Werden sie abflachen oder sich radikalisieren? Und schließlich: Welchen Stellenwert haben die Debatten über Aufstand und Revolution bei unseren Nachbarn tatsächlich in der Gesellschaft? Sind sie Ausdruck einer entstehenden emanzpatorischen Revolte oder Revolution? Immerhin sind auch Le Pen, Wilders, Berlusconi oder Orban als längst vorhandene europäische Antworten auf die Krise der kapitalistischen Gesellschaften einem Sarrazin vorausgeeilt.

Ab Anfang des nächsten Jahres organisiert der Arbeitskreis soziale Bewegungen in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftszentrum Berlin und der Berlin Graduate School of Social Sciences ein monatliches Kolloquium, bei dem Texte und Forschungsprojekte zu kollektivem politischem Handeln diskutiert werden können.

Zur Gestaltung des Programmes suchen wir jetzt Interessierte, die ihre Texte im Kreis von Fachkolleg_innen diskutieren möchten.

Details zu Konzept und Teilnahme finden sich auf der Seite des Kolloquiums hier im Blog des Arbeitskreises.

Titelbild: Performance von Pussy Riot auf dem Roten Platz (Foto: Pussy Riot Blog)

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