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Call for Contributions: feministische studien (Heft 1/2017): Gesellschaftskritik in Frauenbewegungen und (queer)feministischen Öffentlichkeiten, Gastherausgeberinnen: Elisabeth Klaus, Tanja Thomas und Susanne Kinnebrock

Feministische Interventionen in gesellschaftliche Transformationsprozesse, ein von feministischer Gesellschaftskritik geschärfter Blick auf „soziale, kulturelle, politische Verhältnisse und Entwicklungen und die Analyse gesellschaftlicher Ungleichheit, aber auch die Kritik an Kapitalismus, Neoliberalismus sowie Patriarchalismus und Heteronormatitvität sind unverzichtbar im Kampf um mehr Emanzipation und Geschlechtergerechtigkeit“ (Wischermann 2013: 188).

In der Vergangenheit und bis heute setzen sich Frauenclubs, Frauenvereine, Frauenbewegungen, lesbisch-feministische Bewegungen und queere Bündnisse weltweit für Emanzipation und Geschlechtergerechtigkeit ein: Lokal, überregional und transnational kämpfen sie gegen mangelnde Achtung und unzureichende Förderung  sowie für den Schutz  der Rechte von Menschen aller Geschlechter. Sie protestieren gegen Ungleichheit zwischen Männern* und Frauen* und für die Teilhabe an der Macht und an Entscheidungsprozessen auf allen Ebenen etwa der Politik, Wirtschaft, Gesundheit, Bildung, Umwelt und Friedenssicherung. In diesen Kämpfen haben sich Frauenbewegungen wie (queer-)feministische Öffentlichkeiten zugleich neue symbolische wie materielle Räume angeeignet und diese ausgestaltet, Grenzen des Sichtbaren und Sagbaren verändert und eigene kulturelle Ausdrucksformen gefunden. Damit einher ging eine Kritik an rationalistischen Vorstellungen von Politik und an objektivistischen Vorstellungen von Wissen.

Die Frauenbewegungsforschung hat gezeigt, dass  Medien  in feministischen Gegenöffentlichkeiten  eine zentrale Rolle spielen. Vom Flugblatt bis zu Twitter wurden und werden Medien  für die wirkmächtige Thematisierung ihrer Forderungen  genutzt,  sie werden als Instrumente zur öffentlichen Skandalisierung und Visualisierung eingesetzt; Ungerechtigkeiten und Exklusionen werden somit sichtbar gemacht und Teilhabe an der hegemonialen Öffentlichkeit eingefordert. Mediale und kulturelle Produktionen wie  Bewegungszeitschriften,  Zines und Blogs  waren und  sind  aber auch für feministische Selbstverständigungsprozesse, die Herausbildung  einer eigenen Bewegungskultur und  feministischer Netzwerke bedeutsam. Sie befördern  feministisches Bewusstsein, wecken die Lust am gemeinsamen Lernen auch in Kontroverse und ermöglichen die ermächtigende Erfahrung der kollektiven Durchsetzung von Forderungen. Damit liefern feministische Öffentlichkeiten zugleich Anstöße für die Erweiterung der  eigenen  Handlungsmöglichkeiten  ihrer Akteur*innen  –  Gesellschaftsveränderung war und ist stets mit Prozessen der Selbstveränderung verbunden. Die Formen des Zugangs und der produktive Gebrauch von Medien haben einen Anteil an der Verfestigung alter oder der Begründung neuer Machtverhältnisse und Hierarchien  auch  innerhalb feministischer Bewegungen, die  von  vielfältigen Kontroversen und Debatten begleitet waren und sind.

Feministische Öffentlichkeiten haben stets das Spektrum an medialen Kommunikationsmöglichkeiten für die Vernetzung über lokale Räume und nationalstaatliche Grenzsetzungen hinweg ausgenutzt und verbreiten heute etwa die Ergebnisse der Weltfrauenkonferenz 2016 in Nepal via YouTube und anderen Social Media Anwendungen.  Zweifellos haben sich  Kommunikationsforen und  -formen von  Frauenbewegungen und(queer-)feministischen Bewegungen vervielfältigt, doch bleibt die Frage, inwiefern damit auch eine Stärkung ihrer Positionen einhergeht.

Stets wurden und werden feministische Bewegungen in hegemonialen Öffentlichkeiten und Medien reflektiert und repräsentiert, oft auf eine Weise, die ihre Handlungsmöglichkeiten einschränken und Sanktionen gegen ihre Akteur*innen legitimieren.  In den Medien werden Widerstände artikuliert und Akteur*innen bedroht und diffamiert. Antifeministische Netzwerke, die sich derzeit im Internet besonders vehement artikulieren, sind dabei kein ganz neues Phänomen, sondern ebenso historisch wirkmächtig gewesen, und wurden und werden auch von Frauen* mitgetragen. Dazu kommt, dass auch unabhängig von organisierten antifeministischen Bündnissen in hegemonialen Öffentlichkeiten Grenzen errichtet werden, zwischen „guten“ und „schlechten“ feministischen Positionierungen, zwischen Akteur*innen, die in den traditionellen Medien zu Wort kommen und solchen, die keine Stimme haben. Forderungen feministischer Bewegungen konnten so von ihrem gesellschaftskritischen Impetus abgespalten und für Modernisierungen im neoliberalen Kapitalismus genutzt werden. Das gilt etwa für die in den 1970er Jahren geforderte Neugestaltung von Produktions- und Reproduktionsbereich, die zwar den Eintritt von Frauen in das Arbeitsleben  forciert, aber die gesellschaftliche Geringschätzung von häuslicher Pflegeleistung und Reproduktionsarbeit nicht verändert hat. Das gilt auch für die öffentliche Thematisierung von sexueller Gewalt, die heute für rassistische Positionen missbraucht wird. Das wirft die Frage nach den Strategien und Möglichkeiten auf, sich gegen Enteignungen, Spaltungen und Antifeminismus zur Wehr zu setzen. Damit verbunden stellt sich die Frage, wie einer Re-Artikulation feministischer Bewegungen und dem Verlust eines kollektiven Gedächtnisses über feministische Gesellschaftskritik begegnet werden kann.

Mit diesem Call wollen wir Autor*innen einladen, die Frauenbewegungen bzw. (queer-)feministische Bewegungen untersuchen und Fragen stellen nach

  • der Bedeutung von Medien für die Strategien, Artikulations- und Interventionsmöglichkeiten in verschiedenen historischen Phasen,
  • dem Stellenwert von kulturellen und medialen Produktionen, von Performativität und Affektivität für Bewegungskulturen und Bewegungsöffentlichkeiten sowie deren Akteur*innen,
  • den Veränderungen für die Formierung und Entfaltung  von feministischen Bewegungen, die mit digitalen Medien einhergehen,
  • der historischen und aktuellen Bedeutung des Mediengebrauchs und den diesen  innewohnenden Ambivalenzen,
  • nach konkreten Praktiken des Mediengebrauchs auf den unterschiedlichen Ebenen feministischer Öffentlichkeit,
  • dem translokalen (transnationalen) Vernetzungspotential mittels Medien, das womöglich zugleich Machtverhältnisse zu irritieren wie zu stabilisieren vermag,
  • den Potentialen von Medien, aber auch ihren Grenzen  für individuelle und kollektive Erfahrungen und für die Entwicklung eines feministischen Bewusstseins,
  • den Möglichkeiten der Verhandlung von Erinnerungen und der Konstituierung feministischer Bewegungsgedächtnisse,
  • der medialen Repräsentationen und dessen Relevanz für Handlungsfähigkeit,
  • dem Charakter, den Formen und Ursachen antifeministischer Bewegungen, ihrer Bedeutung für die Einschränkung feministischer Öffentlichkeiten und den Möglichkeiten, diesen wirkmächtig zu begegnen.

Die Zeitschrift feministische studien – Zeitschrift für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung Nr. 1/2016 wird 6 bis 8 Beiträge zu diesem Schwerpunkt enthalten, und zwar Aufsätze (bis 40.000 Zeichen) und Diskussionsbeiträge (bis 25.000 Zeichen), die nach einem peer-review-Verfahren ausgewählt werden. Erwünscht sind auch Tagungsberichte sowie Rezensionen oder Sammelrezensionen zu Veröffentlichungen, die sich vorzugsweise, aber nicht ausschließlich, mit dem Schwerpunkt dieses Heftes beschäftigen.

Wir laden Sie herzlich ein, bis zum 03.07.2016 ein Abstract von bis zu 2.500 Zeichen bei den Herausgeberinnen des Schwerpunktheftes, Prof. Dr.  Elisabeth Klaus  (Universität Salzburg),  Prof. Dr. Tanja Thomas (Universität Tübingen) und Prof. Dr. Susanne Kinnebrock (Universität Augsburg) einzureichen. Einreichung: manuskripte@feministische-studien.de

Download: Der Call als pdf-Datei

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Call for Papers: Acting on media: pioneer communities, social movements and civil society organizations, 13 and 14 October 2016, University of Bremen, Germany, organizers: Andreas Hepp, Sigrid Kannengießer and Sebastian Kubitschko

In one way or the other the current transformation of society is related to media, which are understood to mean organizations, content and technologies. As a consequence, media themselves are gaining increasing relevance in political debates and for political activity per se. Actors like hacker collectives, alternative media or open source movements do not only use media to organize, collaborate and to mobilize, but explicitly center their activities on media-related questions. Pioneer communities like the Quantified Self or Makers movement have emerged as new kinds of collectivities at the crossroads between social movements and think tanks, in their support of new forms of media practice. At the same time, new initiatives critically deal with media and point to problems caused by current media appropriation. One prominent case is Repair Cafés where people maintain their devices to avoid buying new ones, pointing to the socio-ecological damage the production and disposal of media technologies cause. The number of examples that could be added to this list is constantly growing.

What the actors mentioned have in common is that they tinker around with media, tease them apart, explore and modify them. They thematize how media are dominantly used in society and they often influence the way media are constructed and perceived in public discourse. Overall, by putting media at the center of their involvement, they are acting on media. Along with this development, apparently clear distinctions between ‘alternative’ and ‘established’ groups, between ‘insider’ and ‘outsider’ tactics, between ‘traditional’ and ‘new’ forms of media-related engagement become blurred. The core idea of this workshop is to bring together empirical analysis and critical reflections on different forms of acting on media.

With this focus in mind, we would like to discuss the following questions:

  • Who are the actors (individual, collective, movement-based, etc.) that thematize, problematize and/or politicize contemporary media?
  • How do actors act on media? What are their concrete aims and practices? What is their role in our social world?
  • Which contradictions can we perceive regarding these actors and media appropriation – either in the initiatives themselves or between them?
  • Which relevance and influence have and which constraints do these initiatives face in highly media-saturated societies?
  • What kind of influence and effects result from these activities/actions?

We explicitly encourage contributions from actors analyzing in different research areas and disciplines – ranging from communities, organizations, think tanks, movements, and the like – that put media in the center of their activities. Besides presentations of empirical studies, we also ask for theoretical contributions and methodological reflections on how to analyze the research object outlined above.

Doctoral students
We ask PhD students to indicate on their abstracts whether the submission is part of a doctoral project. This status will be taken into account in the review process. During the conference, accepted PhD students will present during the regular conference program. In addition, carefully selected respondents will comment on the doctoral projects and discuss the research with PhD students in a special panel.

Submission
Please send your submission of no more than 500 words (cover with contact details and a separate abstract, prepared for anonymous review) by 30 April 2016 to sigrid.kannengiesser(at)uni-bremen.de. Acceptance and rejection letters will be sent out in early June 2016.

Download Call
CfP as pdf file

An diesem Freitag findet zum dritten Mal das Kolloquium Politik von unten statt. Zum einen diskutieren wir einen bereits veröffentlichten Text von Viviana Uriona über den Kampf um die Gegenhegemonie in der argentinischen Mediendemokratie (in Leo Gabriel und Herbert Berger (Hrsg.): Lateinamerikas Demokratien im Umbruch. Wien: Mandelbaum Verlag 2009, S. 277-299). Zum anderen besprechen wir den ersten Entwurf für einen Zeitschriften-Artikel von Nina Ramid, Wolfgang Stuppert und Simon Teune zu „Protest und Demokratie. Einstellungen und Politisierungsprozesse der Gegner_innen von Stuttgart 21.“

Das Kolloquium findet Freitag um 17.00 Uhr im Wissenschaftszentrum Berlin (Raum B 002/003) statt. Mehr Details zum Kolloquium auf dieser Seite.

Titelbild: Performance von Pussy Riot auf dem Roten Platz (Foto: Pussy Riot Blog)

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