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Call for Papers: Tagung «Kollektive Gegenentwürfe – Formen politischer Artikulationen Jugendlicher als Kritik gesellschaftlicher Verhältnisse», 7.11. – 8.11.2018, Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Zürich

Aktuelle Befunde zum Verhältnis von Jugend und Politik zeichnen oft besorgniserregende Bilder einer apolitischen und wenig interessierten Jugend. Wissenschaftlich wie auch medial werden Jugendliche und junge Erwachsene als politikverdrossen bezeichnet, was sich darin zeigt, dass ihr Vertrauen in Parteien und Regierungsinstitutionen schwindet und die Teilnahme an Wahlen und Abstimmungen sinkt. Demgegenüber lässt sich die These formulieren, dass hier von einem sehr engen Politikverständnis ausgegangen wird, welches zum einen auf eine Teilhabe an institutionalisierten und etablierten (politischen) Strukturen fokussiert und zum anderen systemkonforme Einstellungen voraussetzt. Zudem verharrt der Fokus in diesen Beispielen oft auf individualisierenden Formen der Partizipation und politischen Artikulation.

Eine solche Rahmung wirft jedoch Fragen auf: Wie definiert und begründet sich eigentlich „das Politische“? Was bedeutet politische und gesellschaftliche Partizipation? Wer definiert diese und hat in dem Diskurs Deutungshoheit? Welche Möglichkeiten der kollektiven politischen (Selbst)Artikulation sehen Jugendliche?

Jugendliche und junge Erwachsene treten in unterschiedlichen Formen und Dimensionen des gesellschaftlichen Lebens in Erscheinung und gestalten dieses in verschiedenster Weise mit. Damit aber die unterschiedlichen Formen der politischen Artikulation von Jugendlichen in den Fokus treten können, erfordert dies, den Begriff des Politischen wie auch den der politischen Partizipation breiter zu verstehen.

Selbstorganisierte Jugendliche, welche sich zusammenschliessen um etwas Eigenes zu erschaffen oder zu kreieren, kommen an unterschiedlichen Orten zum Vorschein. Möglichkeiten politischer Artikulation zeigen sich in Jugend(sub)kulturen, Jugendgruppen oder auch in nicht institutionellen Jugendorganisationen. Den verschiedenen Projekten gemein ist oft die Abgrenzung vom herkömmlichen, dem bereits vorhandenen (wie Strukturen oder Institutionen) oder von Erwachsenen. Sie können damit als eine Reaktion auf bestehende gesellschaftliche Verhältnisse und zugleich als eine Kritik derselben verstanden werden.

Wie Prozesse einer jugendlichen Selbstorganisation genau ablaufen und sich darin Möglichkeiten der kollektiven politischen und gesellschaftlichen Mitbestimmung zeigen, ist bislang ebenso wenig erforscht wie die Frage danach, welche (alternativen) kollektiven Formen politischer Artikulation sich bei Jugendlichen finden. Daher möchte die Tagung folgende Fragen ausloten und gemeinsam diskutieren:

  • Welche unterschiedlichen Möglichkeiten und Formen der kollektiven politischen und gesellschaftlichen Mitbestimmung ausserhalb institutionalisierter Strukturen gibt es?
  • Wie und wo werden Abgrenzungen zu bereits Bestehendem und etablierten Strukturen gezogen? Welche Arten von Gegenentwürfen werden ausformuliert?
  • Inwiefern können Gruppenbildung, Zusammenschlüsse und Selbstorganisation als Kritik und Antwort auf gesellschaftliche Verhältnisse verstanden werden?
  • Was bedeutet kollektives Handeln und Bewusstsein von selbstorganisierten Jugendlichen und wie zeigt sich dies in einer politischen Praxis?

Die Tagung findet am 7. und 8. November 2018 an der Universität Zürich statt. Sie bietet die Gelegenheit, empirisches Material und Überlegungen sowie auch theoretische Reflexionen und Analysen zu den genannten Fragen zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen.

Wer sich dafür interessiert, mit einem Vortrag zur Tagung beizutragen, sendet bitte bis spätestens 13. Mai 2018 ein Abstract zum geplanten Beitrag (max. 1 Seite) an Selin Kilic (selin.kilic(at)ife.uzh.ch).

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Max Lill: the whole wide world is watchin’. Musik und Jugendprotest in den 1960er Jahren – Bob Dylan und The Grateful Dead. Berlin: Verlag der Jugendkulturen 2013

Lill 2013Dieses Buch blickt aus der Perspektive eines Nachgeborenen auf die Jugendrevolte der 1960er Jahre: auf das Folk Revival und die Gegenkultur der Hippies, auf Bob Dylan und The Grateful Dead, auf junge Menschen, die nichts weiter sein wollten als Künstler und die doch in den Mittelpunkt einer gesellschaftlichen Umwälzung rückten. In einem weiten historischen Bogen, ausgehend von der europäischen Klassik, über den Folk der US-Arbeiterbewegung, die frühen Formen der Populärkultur und des Rhythm and Blues, spürt der Autor der Frage nach, wie eine bestimmte Musik zum symbolischen Kristallisationspunkt der „großen Weigerung“ (Marcuse) werden könnte.

Die Geschichte der jugendlichen Gegenkulturen wird als offener Prozess erzählt, als Teil einer epochalen Weichenstellung in der Entwicklung des Kapitalismus. Über historische und sozialtheoretische Reflexionen, biographische Erzählungen, Musik- und Textanalysen wird eine vielschichtige Deutung des Geschehens entwickelt. In deren Zentrum stehen Versuche, die institutionelle Trennung von Politik, Arbeit und Lebenswelt aufzubrechen, ein „ganzes Leben“ einzufordern, selbstbestimmt und bedürfnisreich – und frei von der Herrschaft zwischen den Geschlechtern, Ethnien und Klassen. Die Jugendbewegungen erscheinen somit nicht als romantischer Rückfall oder Stoßtrupp der Modernisierung. Der sympathisierende Blick richtet sich auf ihre Emanzipationsansprüche – genauso wie auf ihre tragischen Irrtümer und ihre wahnhafte Zerrissenheit.

Mehr Informationen auf der Verlagsseite

FR online: „Konkrete Ziele statt großer Revolution“ (Simon Teune)

Thüringer Allgemeine: „Es geht nur noch um Abwehr“ (Klaus Dörre)

Arne Schäfer, Mathias D. Witte und Uwe Sander (Hrsg.) Kulturen jugendlichen Aufbegehrens: Jugendproteste und soziale Ungleichheit. Weinheim: Juventa 2011.

Barrikaden und Blogs, Flash Mobs und Farbbeutel, Sitzblockaden und Schulstreiks Jugendprotest ist in seinen Ausdrucksformen und strukturellen Charakteristika nicht nur ein Element jugendlicher Lebenswelt, sondern auch ein gegenwartsdiagnostischer Hinweis auf die Verfasstheit von Gesellschaften. In Zeiten voranschreitender Globalisierung hat sich auch jugendliches Aufbegehren verändert. Dies hängt mit der lebensweltlichen Erfahrung von Armut und Reichtum, von Abstieg und Aufstieg, von Schattenseiten und Sonnenseiten der Globalisierung zusammen. Wachsende soziale Ungleichheit in einer globalisierten Welt scheint ein Motor von Jugendprotest zu sein.
Dieser Sammelband zeichnet den Zusammenhang von Jugendprotest und sozialer Ungleichheit in historischer Perspektive nach und liefert allgemeine theoretische Überlegungen zur Entstehung, zum Verlauf und zur Struktur von Jugendprotesten. Die theoretischen Beiträge reagieren auf die Ausdifferenzierung jugendlichen Protestverhaltens. Zudem gehen Länderstudien der Frage nach, wie die Formierung von Jugendprotest in soziokulturelle Kontexte eingebettet ist und welchen Einfluss die Erfahrung sozialer Ungleichheit auf das Protestverhalten hat. Im Fokus stehen die USA, Lateinamerika, Frankreich, Griechenland, Palästina und Deutschland.

Rezension von Christian Kaindl bei H-Soz-Kult

Südkurier: „Jugend auf der Straße“ (Simon Teune)

Wiener Zeitung: „Gewalttätige Sprachlosigkeit“ (Simon Teune)

DPA: „Protestforscher: Krawalle sind Sozialrevolte“ (Simon Teune)

WDR5: „Internationale Jugendproteste“ (Simon Teune)

Zeit Online: „Der Gegner ist diffus“ (Interview mit Dieter Rucht)

Presseerklärung der Friedrich-Schiller-Universität Jena

In Griechenland protestieren fast jeden Tag tausende Menschen gegen ihre Regierung. Oft sind es Jugendliche, die keine Perspektive für die Zukunft sehen. Ähnlich sieht es in Portugal aus. In Spanien campieren tagelang tausende junge Menschen auf einem zentralen Platz, um auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen. Fast die Hälfte von ihnen ist arbeitslos trotz sehr guter Ausbildung. „In vielen europäischen Staaten fühlt sich die Jugend von der Politik ausgegrenzt und nicht mehr repräsentiert“, sagt Prof. Dr. Klaus Dörre von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. „Wenn es nicht gelingt, solche Proteste in demokratische Prozesse einzuhegen, kann eine Eigendynamik entstehen, die in den Extremismus führt.“ Das habe die Vergangenheit bewiesen.

Gefahr nicht gebannt

In dem jetzt gestarteten EU-Projekt MYPLACE („Memory, Youth, Political Legacy and Civic Engagement“) wollen Sozialwissenschaftler von 14 europäischen Universitäten in den nächsten vier Jahren untersuchen, inwieweit Erfahrungen mit Totalitarismus und Extremismus junge Menschen von heute beeinflussen. „Dabei wird es zwar vor allem um Rechtsextremismus gehen, aber es sind z. B. baltische Staaten beteiligt, in deren Vergangenheit der Stalinismus eine große Rolle spielt“, erklärt der Soziologe Dörre, der den Jenaer Bereich leitet. Gemeinsam mit Kollegen von der Universität Bremen trägt er die Ergebnisse für Deutschland zusammen. Ost und West untersuchen die Sozialforscher getrennt.

Durch die nationalsozialistische Vergangenheit sei in Deutschland das Tabu noch sehr klar ausgeprägt, sagt Dörre. In der politischen Gegenwart spielten deshalb rechtsextreme Parteien kaum eine Rolle. Nichtsdestotrotz sei die Gefahr nicht gebannt. Man könne auch die Diskussion um Rechtsextremismus nicht auf die Frage der Bildung reduzieren. „Das ist kein Problem, das man einfach wegbilden kann“, sagt der Jenaer Soziologe. Oftmals steckten dahinter Interessenverletzungen, die auf extremes Gedankengut treffen.

Gewinner und Verlierer

Derzeit ist das in ganz Europa zu beobachten. Aus der Wirtschaftskrise gingen manche Staaten als Gewinner andere als Verlierer hervor. Die Bevölkerung der Verlierer wendet sich von ihren Regierungen ab und sucht teilweise Alternativen in Extremen. In den Gewinnerstaaten werden nationalistische Parteien stark, die sich von den Krisenverlierern abschotten wollen. Der europäische Einigungsprozess sei dadurch in Gefahr, schließlich sei er vor allem ökonomisch getrieben. „Derzeit hat eine rechtspopulistische Welle in verschiedenen europäischen Ländern – wie Finnland oder den Niederlanden – populistische Parteien in die Parlamente gespült“, sagt Prof. Dörre. „Dort ist es den Rechtsextremen gelungen, sich von der Geschichte zu distanzieren und auch kulturelle Themen, wie etwa die Islamdiskussion, für ihre Zwecke zu benutzen.“ Charismatische Führungspersönlichkeiten täten dann ein Übriges.

Deshalb hat die Europäische Union MYPLACE als sehr wichtig eingestuft und sich direkt unterstellt. Jede Universität erhält 400.000 bis 500.000 Euro. In Jena werden davon eine Postdoc- und eine Doktorandenstelle finanziert.

Mehr Informationen auf der Projekthomepage

Michael Busch, Jan Jeskow und Rüdiger Stutz (Hg.): Zwischen Prekarisierung und Protest. Die Lebenslagen und Generationsbilder von Jugendlichen in Ost und West. Bielfeld: Transcript 2010

Wie verarbeiten junge Leute gegenwärtig ihre zunehmende Verunsicherung? Inwieweit bleiben sie in sozialen Netzwerken verankert? Verbindet sie tatsächlich ein kollektives »Wir-Gefühl«? Dieser interdisziplinäre Band porträtiert jugendliche Altersgruppen, die zwischen 1970 und den 1990er Jahren geboren wurden und deren Biographien vor dem Hintergrund der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise zunehmend von prekären Lebens- und Beschäftigungsphasen bestimmt wird. Zum ersten Mal werden die Lebenslagen und Selbstbilder von Jugendlichen aus einer Ost und West vergleichenden Perspektive analysiert. Wächst in Europa womöglich eine neue Protestgeneration heran?

Mehr Informationen auf der Verlagsseite

Rezension auf SocialNet

Leonie Wagner (Hg.): Soziale Arbeit und soziale Bewegungen. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften 2009.

Die Entstehung und Entwicklung Sozialer Arbeit ist in Deutschland eng mit der Geschichte Sozialer Bewegungen verbunden. Sowohl Arbeiter-, Frauen- und Jugendbewegung als auch die Neuen Sozialen Bewegungen haben Impulse für die Soziale Arbeit gesetzt und z.T. aktiv an der Entwicklung der Handlungsfelder ‚Sozialarbeit‘ und ‚Sozialpädagogik‘ und deren Methoden mitgewirkt. Dieses Verhältnis war bzw. ist nicht immer harmonisch, sondern weist Spannungsmomente und Abgrenzungen auf, in denen Fragen der gesellschaftlichen Verankerung und Verantwortung und des Selbstverständnisses Sozialer Arbeit angesichts Sozialen Wandels diskutiert werden. Das Lehrbuch geht den Impulsen in seinen historischen Querschnitten nach und gibt einen guten Überblick zur Geschichte der Sozialen Bewegungen und der Entwicklungen, die das Sozialwesen genommen hat.

Seite zum Buch beim Verlag

Titelbild: Performance von Pussy Riot auf dem Roten Platz (Foto: Pussy Riot Blog)

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