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Call for Papers: Forschungsjournal Soziale Bewegungen Themenheft ,Bildung und Soziale Bewegungen‘ in Jg. 29/Heft 4/2016, Hg. von Ingrid Miethe (Giessen) und Silke Roth (Southampton)

Im Themenheft sollen aktuelle Beiträge zur Forschung des Verhältnisses von Bildung und sozialen Bewegungen aus einer interdisziplinären Perspektive versammelt werden. Soziale Bewegungen sind Orte politischen Handelns und Orte informeller Bildung. Eine Verbindung sozialer Bewegungen und Bildung lässt sich auf mehreren Ebenen konzipieren:

  • Soziale Bewegungen sind Bildungsorte, finden doch über die Aktivität in sozialen Bewegungen immer auch Lern- und (Bewusstseins-)Bildung-Prozesse statt. Diese reichen von Selbsterfahrungsprozessen, Kommunikations- und Organisationskompetenzen zu Training und Techniken gewaltfreien Widerstandes oder der Beratung von Erkrankten oder Gewaltopfern.
  • Soziale Bewegungen können aber auch selbst Bildung bzw. die Forderung nach Bildung zum Gegenstand haben. Beispiel dafür sind sowohl die Arbeiter- als auch die Frauenbewegung, die den Zugang zu Bildung für bislang ausgeschlossene Gruppen einforderten. Zu nennen sind hier aber auch eigene aus sozialen Bewegungen resultierende Bildungsangebote wie Etablierung von Archiven, Instituten, Schulen und Universitäten (Sommer-Uni, Frauen-Uni).
  • Soziale Bewegungen können auch selbst als ‚lernende Organisationen‘ verstanden werden, die ihrerseits organisationale Lernprozesse durchlaufen. Sowohl zur (erfolgreichen) Bewältigung der verschiedenen Phasen sozialer Bewegungen, als aber auch für Prozesse der Institutionalisierung sozialer Bewegungen sind organisationale Lernprozesse unumgänglich.
  • Soziale Bewegungen haben den Lerngegenstand selbst verändert. So haben sich diese nicht zuletzt in Studienfächern niedergeschlagen. Frauenbewegungen führten zu Frauen- und Gender Studien, Schwul-lesbische Bewegungen zu queer studies, die Arbeiterbewegung hat sich in kritischen Studien von Ökonomie und Arbeitsverhältnissen niedergeschlagen, die ökologische Bewegung in environmental studies und die Bewegungen ethnischer Minderheiten in race studies. In vielfacher Hinsicht sind kritische Theorie und postmoderne Ansätze ein Ausdruck des Einflusses sozialer Bewegungen, die dominante Gruppen in Frage stellen und Ideologiekritik üben.
  • Weiterhin interessiert uns inwiefern Reformprozesse wie Exzellenz-Initiativen und der Bologna-Prozess sowie die zunehmende Bedeutung der Erwerbung beruflicher Kompetenzen im Rahmendes Universitäts-Studiums, z.B. durch Praktika, politisierend oder ent-politisierend wirkt und inwiefern diese Veränderungen auf Widerstand stossen, z.B. Proteste gegen Studiengebühren, Studienzahlen oder Stellenabbau.

Wir stehen gerne für Rückfragen zur Verfügung und bitten um Abstrakts (ca. 300 -500 Worten) bis zum 31. August 2015 an ingrid.miethe(at)erziehung.uni-giessen.de und silke.roth(at)soton.ac.uk. Autorinnen werden bis zum 31. Oktober 2015 darüber benachrichtigt, ob ihr Beitrag in das Heft aufgenommen wird. Komplette Beiträge (4000 – 6000 Worte) müssen bis zum 29. Februar 2016 eingereicht werden.

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Es gibt wohl keine einzige Fachzeitschrift im Nachkriegs-Deutschland, die ein Viertel-Jahrhundert rein ehrenamtlich und ohne irgendeinen Förderer oder ein unterstützendes Institut durchgehalten hat. Diese ungewöhnliche Ausnahmeerscheinung ist zumindest ein Grund, um die 25 Jahre kritischer Bewegungs- und Protest-Publizistik zu feiern. Dazu sind alle MitstreiterInnen, AutorInnen, BegleiterInnen, KritikerInnen und an wirksamer demokratischer Partizipation Interessierten eingeladen: am 12. März 2013 in Berlin.

Die nie erfolgte institutionelle Absicherung des Forschungsjournals Soziale Bewegungen (FJSB) ist gleichzeitig ein Sinnbild für die notleidende empirische Protest- und Partizipationsforschung. Es gibt viel Protest, Engagement und Einsatz der Bürgerinnen und Bürger jenseits der etablierten Entscheidungszentren, aber nur wenig empirisch belastbares Wissen über deren Wirkungsradius, Handlungsmotive und Demokratiepotential.

Die Rolle der „Zivilgesellschaft“ wird zwar immer wieder wortreich beschworen, für deren Entfaltung aber wenig bis nichts getan. Dabei ist es sehr erhellend, die Früchte des Protest-Einsatzes von Hunderttausenden in den vergangenen Jahrzehnten genauer anzuschauen und deren (in)direkten Einfluss genauer zu taxieren. Eine zunehmend selbstbewusste „Zivilgesellschaft, die insgesamt streitbarer“ wird, hat sogar der Energiekonzern RWE in einer aktuellen Studie registriert. „Bürger sind demnach heute eher bereit als früher, Vorhaben zu hinterfragen und ihre Bedenken öffentlich zu artikulieren“, so ein Ergebnis. (SZ, 22.10.2012) Die Bürger haben sich demnach von den Verantwortungsträgern „entfremdet“. „Ihnen ist das Vertrauen abhanden gekommen – sowohl in der Politik als auch in große Unternehmen. Das Vertrauen in die Vorhabenträger bewegt sich auf einem dramatischen Tiefpunkt.“ „Praktizierte Partizipation“ und „mehr Bürgerbeteiligung“ gehören nun sogar zur RWE-Rezeptur, um der Aushöhlung von Mitwirkung zu begegnen.

Offenbar hat sich etwas geändert – in 25 Jahren. Das Forschungsjournal feiert sein Jubiläum mit einem erkenntnisreichen und inspirierenden Programm in Berlin.

Anmeldung bis zum 28. Februar 2013 auf der Seite der Heinrich Böll Stiftung

Einladung als pdf-Datei

Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, Jg. 25, 2012, Heft 2: Kampf um die Köpfe. Der Meinungskampf um die Klimapolitik

Der Klimawandel ist einer der größten, vielleicht die größte Herausforderung, der die Menschheit gegenwärtig gegenübersteht – wenigstens in den Augen von UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon, Microsoft-Milliardär Bill Gates, Physiker Stephen Hawking, Klimaökonom Ottmar Edenhofer und anderen. Die von der Wissenschaft in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend konsensuell beschriebenen und auf menschliche Treibhausgasemissionen zurück geführten Veränderungen der globalen Durchschnittstemperaturen wirken sich in vielerlei Weise aus (vgl. IPCC 2007): Sie führen zu Gletscher- und Eisschmelze und einem Anstieg des Meeresspiegels. Zugleich werden sich wohl Wüsten und wasserarme Regionen vergrößern, Wasserressourcen werden voraussichtlich knapper. Die Folgen bedrohen existierende Ökosysteme und Biodiversität, auch die Nahrungsmittelproduktion könnte leiden. Hinzu kommen extreme Wetterereignisse wie Fluten oder Stürme. Mit diesen Veränderungen verbunden sind – teils schwerwiegende – gesellschaftliche Folgen. So dürften neu entstehende oder verstärkte Knappheiten von Ressourcen wie Wasser und die Zunahme regionaler Wetterextreme zu neuen Herausforderungen und Bedrohungen für menschliches Zusammenleben führen.

Was dies bedeutet für die AktivistInnen, für soziale Bewegungen und für die Ausrichtung von Klima- und Umweltpolitik lesen sie im aktuellen Journal.

Sehr unterschiedliche Akteurspositionen werden auch in zwei Interviews deutlich, die wir mit Michael Hopf, dem Pressesprecher von Greenpeace Deutschland, sowie mit Joachim Löchte von RWE geführt haben. Sie beschreiben recht unterschiedliche Sichtweisen auf das Klimathema, die sie aber auf ähnliche Weise – wenngleich mit variierendem Erfolg – öffentlich zu vermitteln versuchen.

Markus Rhomberg setzt sich in seinem Beitrag mit der politischen Debatte um den Klimawandel auseinander. Nach dem Klimagipfel in Kopenhagen 2009 hatte es das Thema schwer, auf der politischen und medialen Agenda zu verbleiben. Ursache dafür mag die Dominanz der Politik in der medialen Darstellung sein. Die Wissenschaft spielt auch in der historischen Evolution der Klimadebatte nur eine geringe Rolle. Insbesondere politische Ereignisse tragen dazu bei, den Klimawandel in den Medien prominent zu platzieren. Der politische Umgang mit dem Klimawandel konzentriert sich auf die Fragen der Reduktion, während Anpassungsstrategien im Hintergrund bleiben. Ursache dafür ist nicht zuletzt die mediale Konzentration auf das Kyoto- Protokoll und die damit verbundenen, medial leicht vermittelbaren Reduktionsziele. Andere mögliche Reaktionen wären in der medialen Darstellung komplexer, erhalten dadurch weniger Medienaufmerksamkeit und bleiben deshalb von der Politik wenig beachtet.

Stephanie Schmoliner – Forschungsjournal Soziale Bewegungen

Inhalt Heft 2/2012

Aktuelle Analyse
Martina Sauer: Bürgerschaftliches Engagement türkeistämmiger Migranten

Themenschwerpunkt
Achim Brunnengräber: Die neue Klima-Geopolitik. Konflikte und Chancen im Klimaschutz durch Deutungsverschiebungen
Inga Schlichting/Andreas Schmidt: Strategische Deutungen des Klimawandels. Frames und ihre Sponsoren (als pdf verfügbar)
Interview mit Michael Hopf, Greenpeace: Ein Problem und eine Lösung auf die Agenda setzen
Interview mit Joachim Löchte, RWE: Unser Ziel ist mehr Sachlichkeit
Silke Beck: Kommunikation als Schutzschild. Zur Strategie des Weltklimarats IPCC
Markus Rhomberg: Zwischen „Blame Game“ und Vernachlässigung. Die klimapolitische Debatte in den Massenmedien
Axel Bojanowski: Sorry, wir wollen nicht stören. Wissenschaftsjournalisten ergründen die Klimaforschung? Eine Relativierung
Markus Lehmkuhl: Journalismus und Klimaforschung: Ausschnitte einer spannungsreichen Beziehung
Mike S. Schäfer: „Hacktivism“? Online-Medien und Social Media als Instrumente der Klimakommunikation zivilgesellschaftlicher Akteure
Roger Pielke jr.: Experten in Blogs. Positive und negative Aspekte
Werner Krauss: Ausweitung der Kampfzone: Die Klimablogosphäre
Jochen Roose: Wollen die Deutschen das Klima retten? Mobilisierung, Einstellungen und Handlungen zum Klimaschutz

Pulsschlag
Johannes Hillje/Oliver Quiring: Klickaktivismus? Über die Wirkung von politischen Online-Kampagnen
Lena Partzsch: Social Entrepreneurship – Einordnung einer Aktivitätsform
Sandra Kotlenga/Doreen Müller: Finanzinvestoren als Vermieter: Hürden und Strategien für Bewohnerinitiativen in benachteiligten Stadtteilen

Ein Geschenk an alle, die sich für soziale Bewegungen interessieren: das Forschungsjournal soziale Bewegungen hat jetzt ältere Jahrgänge online verfügbar gemacht. Auf der Internetseite des Forschungsjournals kann man über Jahrgänge auf alle Hefte von 1988 bis 2007 im Volltext zugreifen. Jeweils zum Jahreswechsel wird ein neuer Jahrgang dazukommen. Damit werden alte Schätze, wie die Diskussionen über Rechtsradikalismus als soziale Bewegung (Heft 4/94), soziale Bewegung und soziologische Theorie (Heft 2/94), oder Protest und Marginalisierung (Heft 2/97 und 1/07) leichter zugänglich. Es lohnt sich, zu stöbern.

Titelbild: Performance von Pussy Riot auf dem Roten Platz (Foto: Pussy Riot Blog)

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