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Call for Contibutions: Blog und Buch zum bürgerschaftlichen Engagement in der Flüchtlingshilfe in Nordrhein-Westfalen

Im Januar wird ein neuer Blog zum Thema bürgerschaftliches Engagement in der Flüchtlingshilfe mit dem Schwerpunkt auf Nordrhein-Westfalen online gehen. Ziel des Blogs ist es, Formen, Motive, Strukturen, Effekte und regionale Herausforderungen bürgerschaftlichen Engagements in der Flüchtlingshilfe zu diskutieren. Gesucht werden theoretische und empirische Beiträge von WissenschaftlerInnen, Studierenden, Engagierten, und weiteren Interessierten. Folgende Themen und Fragestellungen sind denkbar:

  • Engagementformen und –verständnisse: Welche verschiedenen vor allem informellen und netzwerkförmigen Formen des Engagements lassen sich beobachten? Inwiefern verschieben sich die Grenzen zwischen politischem und sozialem Engagement? Was unterscheidet Engagement in der Flüchtlingshilfe von anderen Engagementbereichen?
  • Engagement und Lebensverlauf: Aus welchen Motiven und Beweggründen entscheiden sich Engagierte für die Aufnahme des Engagements? Welche Rolle spielt das Engagement für die Engagierten selber? (Lerneffekte, Netzwerkeffekte, Auswirkungen auf politische Einstellungen, eigene Arbeitsmarktintegration)
  • Engagement und Integration: Welche Wirkung entfaltet Engagement auf die Personen mit Fluchthintergrund? Werden durch das Engagement soziale Ungleichheiten reproduziert?
  • Interaktion mit Behörden: Welche Erfahrungen werden im Umgang mit Behörden gesammelt?
  • Institutionalisierung von Engagement: Wie institutionalisiert sich Flüchtlingsengagement? Welche alternativen Organisationsstrukturen etablieren sich jenseits des Vereins?
  • Engagement und soziale Medien: welche Rolle spielen soziale Medien in der Organisation und Verbreitung von Engagement?
  • Engagementabbruch: Warum beenden Personen ihr Engagement?

Beiträge können laufend eingereicht werden (Länge 1000 bis max. 6000 Wörter). Beiträge, die bis zum 20.01.2017 eingereicht werden, werden auf einem Workshop am 31.01 am Institut für soziale Bewegungen, Ruhr-Universität Bochum, vorgestellt. Außerdem besteht die Möglichkeit, mit in das Blogbuch aufgenommen zu werden.

Der Blog und das Blogbuch entstehen in Anschluss an das Lehrforschungsprojekt „Bürgerschaftliches Engagement in der Flüchtlingshilfe in Nordrhein-Westfalen“ (Leitung Sabrina Zajak, Mitarbeit: Ines Gottschalk). Dabei nehmen die Beiträge der Studierenden selbst verschiedene Formen des Engagements in der Flüchtlingshilfe in der Region in den Blick. Anhand unterschiedlicher Fallbeispiele werden sowohl individuelle Motive und Beweggründe für Flüchtlingsengagement als auch Prozesse der Institutionalisierung des Engagements in Vereinen und deren Interaktion mit Behörden und anderen Akteuren in der Flüchtlingspolitik betrachtet. Auch das Bild, welches Ehrenamtliche von Flüchtlingen entwerfen sowie das Verhältnis zwischen Ehrenamtlichen und Flüchtlingen werden beleuchtet. Die verschiedenen Fallstudien werden ebenfalls in dem Blog und Blogbuch veröffentlicht.

Beitragsbekundungen sind bis zum 15.12.2016 an Ines Gottschalk (ines.gottschalk(at)rub.de) zu richten. Die Beiträge für den Blog sind bis zum 20.01.2017 einzureichen. Beiträge für das  Buch bis zum 28.2.2017.

Alle Interessierten sind zudem herzlich eingeladen, zum Abschlussworkshop des Seminars zu kommen. Im Rahmen des Workshops soll die Möglichkeit bestehen, gewonnene wissenschaftliche Erkenntnisse an Engagierte zurückzuspielen und gleichzeitig auch relevante Fragestellungen aus der Praxis mit in zukünftige Forschungsprozesse zu nehmen. Der Abschlussworkshop findet am 31.1.2017 von 14:00-18:00 Uhr im Institut für soziale Bewegungen, Clemensstraße 17-19, 44789 Bochum statt. Am Anschluss an den Workshop wird es die Möglichkeit zur weiteren Diskussion bei einem Essen und Getränken geben.

Mehr Informationen zum Projekt auf der ISB-Webseite.

Spiel nicht mit den Schmuddelkindern… Die Marginalisierung politischer Initiativen in der Engagementdebatte, Vortrag von Simon Teune und Heike Walk

Zeit: Dienstag, 5. März 2013, 17 Uhr
Ort: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Reichpietschufer 50, Raum A 300

Wenn von Zivilgesellschaft und Engagement die Rede ist, werden konflikthafte Formen (z.B. Proteste) und politische Partizipationsansprüche nicht selten marginalisiert oder sogar herausgefiltert. Politisches Engagement ist aber nicht von der Sphäre der Zivilgesellschaft zu trennen: Viele zivilgesellschaftliche Organisationen gehen aus politischen Konflikten hervor. Proteste gehören nicht nur für ein Viertel der Bevölkerung, sondern auch für 12 Prozent der zivilgesellschaftlichen Organisationen zum selbstverständlichen Handlungsrepertoire.

Das Spektrum des politischen Engagements reicht von kurzfristigen Protesten und Projekten bis zu dauerhaften politischen Initiativen, von punktuellen Interventionen bis zu gesellschaftlichen Gegenentwürfen. Dieses Engagement ist omnipräsent und im Kleinen und Großen folgenreich. Trotzdem ist die Forschung dazu im deutschsprachigen Raum marginal. Der Vortrag sucht Antworten auf die Fragen: Wo steht die Forschung zu politischem Engagement? Und welche Anknüpfungspunkte gibt es zur Forschung über soziales Engagement?

Simon Teune, Diplomsoziologe, ist Stipendiat der Projektgruppe Zivilengagement im WZB und Vorstandsmitglied des Vereins für Protest- und Bewegungsforschung

PD Dr. Heike Walk ist Politologin am Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin und designierte Geschäftsführerin des in Gründung befindlichen Instituts für Protest- und Bewegungsforschung.

Dieser Vortrag ist Teil der Veranstaltungsreihe Zivilengagement – Theorie, Geschichte und Perspektiven der Forschung. Anmeldung und Kontakt bis zum 4. März an Marie Unger (marie.unger(ät)wzb.eu)

Einladung als pdf

die tageszeitung: „Berliner Senioren werden aktiv“ (Simon Teune)

Call for Papers: Der politische Mensch. Akteure sozialer Realitäten im Übergang zum 21. Jahrhundert. Bonn, 10.-12. Oktober 2012. Organisiert von der Friedrich Ebert Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Institut für soziale Bewegungen und der Deutschen Sporthochschule Köln

Im Europa des 21. Jahrhundert erfährt Politik eine kritisch-ambivalente Bewertung. Das Vertrauen in Problemlösekompetenz, Verantwortungsgefühl und Integrität der „politischen Prominenz“ gilt als beschädigt. Wirtschaftliche und sozialstaatliche Fehlentwicklungen sind in individuellen wie kollektiven Lebenswelten erfahrbar und münden vielfach in der Bewertung, die Volksvertretung regiere an den Sorgen und Nöten der Menschen vorbei. Kein Wunder also, so die vielfach gestellte Diagnose, dass der „Wutbürger“ die Dinge selbst in die Hand nimmt, Parks besetzt, in Gleisbetten „schottert“ und Internetseiten kapert. Obwohl doch der Bürger als weitgehend entpolitisiert gilt.(1)

Die anhaltenden gesellschaftlichen Proteste der letzten Zeit haben nicht nur in Deutschland, sondern in weiten Teilen Europas eine Diskussion über neue Varianten der Bürgerbeteiligung ausgelöst. Die debattierten Narrative sind zwar medial kompatibel, erfassen oftmals aber nur Ausschnitte „sozialer Realitäten“. (2) Um sich (gesellschafts-)politischen Akteuren der Gegenwart analytisch zu nähern, gilt es das Blickfeld zu erweitern und Komplexität zuzulassen: Der politische Mensch ist ein sozial (aus-)handelndes Wesen. Im Sinne eines „zoon politikon“ gestaltet er seine alltägliche Wirklichkeit und prägt vor allem soziale Nahräume. (3) In diesem Zusammenhang werden auch die traditionellen Muster repräsentativer Demokratie hinterfragt. Die klassischen Instrumente parlamentarischer Teilhabe – Wahlen, Wahlkämpfe, Parteienkonkurrenz – erscheinen zwar weiterhin funktionsfähig, die Legitimation politischen Handelns durch die Zustimmung des Volkes wird jedoch zunehmend in Zweifel gezogen.

Vor dem Hintergrund dieser Beobachtungen verfolgt die Tagung das Ziel, Menschen als politisch-gesellschaftliche Akteure in den sozialen Zusammenhängen von individuellen und kollektiven Lebenswelt(en) zu betrachten. Im Fokus der Analyse sollen dabei die Individuen (auch: sich organisierende) in der Gesellschaft stehen, die als soziale, politische Wesen möglicherweise charakteristische Merkmale aufweisen, die schließlich auch Typisierungen zulassen können. (4) Den Zielpunkt der Analysen sollte die Frage bilden, inwieweit gesellschaftspolitisches Handeln bei der Gestaltung individueller und kollektiver Lebenswelten im 21. Jahrhundert möglich und durch welche Aktivitäten und Ausdrucksformen es gekennzeichnet ist.

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Forschungsjournal soziale Bewegungen 03/2011: Zuviel Zivilgesellschaft? Soziale Arbeit und Bürgerschaftliches Engagement

Die Folgen des Sozialabbaus sind unübersehbar. Der „Umbau des Sozialstaats“ hat mit der Finanz- und Wirtschaftskrise noch mal Fahrt aufgenommen, vor allem im Kontext der Kommunen stellen sich Fragen nach der Sicherung sozialer Daseinsvorsorge umso dringlicher.

Die Notwendigkeit, neue Wege sozialstaatlicher Arrangements zu sondieren und zu beschreiten, liegt auf der Hand. Längst nehmen sich auch staatliche AkteurInnen verstärkt dem bürgerschaftlichen Engagement (BE) und der Zivilgesellschaft an und erhoffen sich hiervon Impulse für Integration und für die Sicherung sozialer Daseinsvorsorge. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass es nicht nur um Impulse geht. Gerade im sozialen Bereich sind Kommunen, ja vielleicht die ganze Gesellschaft wieder zunehmend auf ehrenamtlich erbrachte Dienste angewiesen.

Das Themenheft soll ein Update zur Diskussion liefern, vor allem aber konkreter auf engagementpolitische Implikationen der sozialen Frage eingehen. Welche Rolle spielt BE bereits jetzt in der Erbringung sozialer Dienstleistungen? Was können freiwillig Engagierte leisten, was muss den Profis überlassen bleiben? Unter welchen Rahmenbedingungen kann BE effektiv zu gesellschaftlicher Inklusion beitragen? Sind die Verbände als traditionelle Akteure im Wohlfahrtsstaat für wohlfahrtspluralistische Entwicklungen gewappnet oder muss sich ihre Rolle verändern? Welche Auswirkungen hat die Einbindung von BE auf Form und Qualität Sozialer Arbeit? Und welche Konsequenzen hat es, wenn Soziale Arbeit zunehmend auch auf die Unterstützung von Stiftern und Spendern bauen muss? Diesen und weiteren Fragen soll im Themenheft „Zu viel Zivilgesellschaft? – Soziale Arbeit und BE“ nicht zuletzt auch anhand von Einblicken in konkrete Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit nachgegangen werden.

Auf zwei Artikel möchten wir an dieser Stelle auch diesmal besonders hinweisen:

Gesellschaftliches Engagement sollte von Unternehmen kein Akt der Wohltätigkeit sein, sondern eine Frage der Geschäftsstrategie, die sich am Nutzen für das Unternehmen wie für die Gesellschaft orientiert. Erfolgreiche Reformpolitik bräuchte daher ein „Leitbild Bürgergesellschaft“. Dabei geht es um die Klärung des Verhältnisses von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Das aktuelle Journal fragt daher auch nach der Quantität der Zusammenhänge: Gibt es zuviel Zivilgesellschaft – Die Antwort von Serge Embacher lautet „ nein – zu viel Regierung – aber zu wenig Staat und zeigt die derzeitigen Entwicklungen in der Engagementpolitik des Bundes auf. Diese weist, zumindest nach Embacher, deutlich Irrungen und Wirrungen auf: „Nach knapp zwei Jahren schwarz-gelber Bundesregierung zeichnet sich immer deutlicher, dass die Förderung bürgerschaftlichen Engagements hier nicht eine Stärkung des demokratischen Gemeinwesens und des gesellschaftlichen Zusammenhalts, sondern der konsequente Indienstnahme für staatliche Zwecke dienen soll“.

Das heißt also auf der einen Seite, dass sich AkteurInnen dauerhaft auf Kooperationsverhältnisse einstellen müssen. Mit welchen anderen Erscheinungen sich bürgerschaftliches Engagement sonst darstellt, zeigt Chantal Munch in ihrem Beitrag. Nicht alle Bevölkerungsschichten haben automatisch die gleichen Zugänge. Auch beim Engagement zeigt sich, das Sozial Benachteiligte Schichten einen deutlich eingeschränkteren Zugang haben und somit auch deutlich unterrepräsentiert sind. Ob und wieweit auch auf solchem Weg Hierarchien produziert und nicht zu letzt auch reproduziert werden, klärt sich in dem Beitrag „Engagement und Ausgrenzung – theoretische Zugänge zur Klärung eines ambivalenten Verhältnisses.

Inhalt Heft 03/2011

Aktuelle Analyse
Dieter Rucht: Zum Stand der Forschung zu sozialen Bewegungen

Themenschwerpunkt
Chantal Munsch: Engagement und Ausgrenzung – theoretische Zugänge zur Klärung eines ambivalenten Verhältnisses
Marion Bradl/Torsten Groß: Bürgerschaftliches Engagement und die Gestaltung von Integrationsprozessen – Das Kooperationsprojekt gemeinsam engagiert als gutes Praxisbeispiel
Wiebken Düx: Gesellschaftliches Engagement von Kindern und Jugendlichen
Bernhard Jirku: Ist sozial, was Arbeit schafft? Zivilgesellschaft und soziale Arbeit
Elke Becker: Engagement und Partizipation in der Stadtentwicklung
Serge Embacher:  Wenig Staat, zu viel Regierung. Irrungen und Wirrungen aktueller Engagementpolitik
Berit Sandberg: Stiftungen als Trabanten der Engagementpolitik? Zum Versuch der Quangoisierung des Stiftungswesens durch die Nationale Engagementstrategie
Helmut K. Anheier/Annelie Beller/Rabea Haß: Accountability und Transparenz des Dritten Sektors in Deutschland: Ein Paradox?
Holger Krimmer/Jana Priemer: Zivilgesellschaft in Deutschland – Standortbestimmung in Zahlen

Sonderschwerpunkt: Politische Strategien
Joachim Raschke/Ralf Tils: Jetzt ist die Praxis dran! Über die Wechselwirkungen von Theorie und Praxis in Strategiefragen
Elmar Wiesendahl: Ist das Strategie? Strategische Richtungssuche von CDU und SPD zwischen Wahlen
Matthias Machnig: Wie strategiefähig ist heute Politik?
Reinhard Bütikofer: Wie geht‘s Grün?
Richard Meng: Qualen des Erfolgs Die neuen Strategiefragen der Grünen
Hubert Kleinert: Die Zukunft der Grünen
Dietmar Bartsch: Strategische Herausforderungen für LINKE
Jens König: Die Linke. Fünf schnelle Thesen

Pulsschlag Schwerpunkt: Die europäische Bürgergesellschaft
Thomas Olk/Mirko Schwärzel: Die Europäische Bürgergesellschaft 6. Forum Bürgergesellschaft 2011
Dirk Jarré: Bürgergesellschaft in der Europäischen Union
Brigitte Russ-Scherer:  Europa eine Seele geben – Eine Herausforderung für die Städte und Regionen und für ihre BürgerInnen

Zusammenfassungen der Artikel finden sich auf der Internetseite des Forschungsjournals. Das Forschungsjournal 04/2011 erscheint unter dem Titel: Wir und die anderen. Klärungen und Anwendungen des Konzepts kollektive Identität

Am kommenden Mittwoch findet das Kolloquium Politik von unten zum 7. Mal statt. Diesmal steht ausnahmsweise nur ein Text zur Diskussion: das Papier von Leiv Eirik Voigtländer über „Schwierigkeiten des Feldzugangs und forschungsethische Probleme bei einer empirischen Untersuchung des solidarischen Engagements von Erwerbslosen und Armen.“

Im Anschluss diskutieren wir ohne Text, aber mit zwei kurzen Inputs von Christina Kaindl und Dieter Rucht, über Sozialproteste in Deutschland. Dabei geht es unter anderem um folgende Fragen: Warum sind die Krisenproteste trotz der breiten Mobilisierung punktuell geblieben? Was sind die Unterschiede zwischen Großbritannien und Südeuropa mit breiten Mobilisierungen und dem Rest Europas mit schwächeren Protesten? Welche Rolle spielen Parteien und Gewerkschaften, Erwerbslosenintiativen und andere politische Gruppen? Wo finden die sozialen Auseinandersetzungen statt, wenn nicht auf der Straße?

Christina Kaindl hat mit dem Bündnis „Wir zahlen nicht für Eure Krise“ Proteste gegen die Wirtschafts- und Sozialpolitik der Bundesregierung organisiert. Außerdem beobachtet sie als leitende Redakteurin der Zeitschirft LuXemburg die deutsche Bewegungslandschaft. Dieter Rucht hat 2004 eine Befragung von Montagsdemonstrant_innen gegen die Hartz-Reformen initiiert und beobachtet die deutsche Bewegungslandschaft als Protestsoziologe.

Forschungsjournal Soziale Bewegungen 02/2011: Engagierte Einwanderer – Chancen und Probleme der Partizipation von Migranten

Der Mehrzahl der Migrantinnen und Migranten bleiben klassische Partizipationsmöglichkeiten wie die Teilnahme an politischen Wahlen weiterhin versperrt– nicht zuletzt deshalb, weil in Deutschland weiterhin ein kommunales Wahlrecht für Ausländer außerhalb der Europäischen Union fehlt. Während bei Einwanderinnen das klassische politische Partizipationspotential also noch nicht ausgeschöpft zu sein scheint, rücken seit dem Beginn dieses Jahrtausends auch Formen des bürgerschaftlichen Engagements und der Selbstorganisation von Migrantinnen und Migranten immer stärker in den Fokus.

Eine Bestandsaufnahme des bürgerschaftlichen Engagements der größten Einwanderungsgruppe in Deutschland, der türkeistämmigen Migrantinnen und Migranten, bietet der Beitrag von Dirk Halm. Demnach weist die türkeistämmige Bevölkerung mit einem Anteil von fast zwei Dritteln eine ebenso große Beteiligung in „zivilgesellschaftlichen Kontexten“ auf wie die einheimische Bevölkerung. Halm schließt zwar auf eine vorhandene „Komplementarität“ deutscher und türkischer Netzwerke, weist aber gleichzeitig auf nach wie vor bestehende Hürden für die Partizipation türkischer Einwanderer in einheimischen zivilgesellschaftlichen Organisationen hin. Somit sei eine Engagementförderung gefordert, welche den Besonderheiten dieser Bevölkerungsgruppe gerecht werde und dabei nicht nur das integrative Potenzial des Engagements von Migrantinnen und Migranten nutzt, sondern der „Behebung von Beteiligungsengpässen“ in der deutschen Gesellschaft insgesamt entgegenwirke.

Die Besonderheiten der Lebenswelten von Einwanderern in Deutschland und die Folgen für deren Partizipation versucht Sebastian Beck anhand einer Milieuperspektive in seinem Beitrag näher zu ergründen. Er stellt acht Migranten-Milieus vor, in denen er ein je unterschiedliches Potenzial für das Engagement auf der lokalen, städtischen Ebene identifiziert. Beck leitet aus seinen Daten „gebremste Potenziale“ bei der lokalen Beteiligung ab, die sich in vielen Milieus in einer Diskrepanz zwischen grundsätzlicher Bereitschaft zum Engagement und tatsächlicher Partizipation widerspiegeln. Somit würden hier auch Integrationspotenziale verschenkt, da sich ein Zusammenhang zwischen Engagement und integrativen Wertorientierungen herstellen lässt.

Es lässt sich also erahnen, dass bürgerschaftliches Engagement von Einwanderern durchaus Chancen birgt, aber (noch) bei weitem nicht ohne Probleme ist. Der Themenschwerpunkt dieser Ausgabe des Forschungsjournals deckt die unterschiedlichen Formen der Partizipation von Einwanderern in Deutschland auf und analysiert dabei sowohl die Potentiale als auch die Risiken. In den Fokus genommen werden unter anderem die kommunalen Integrationsbeiräte, das Verhältnis von MSO und sozialer Arbeit und das bundesweite Integrationsprogramm.

Inhalt Heft 02/2011

Editorial
Engagierte Einwanderer

Aktuelle Analyse
Thomas Leif: Mythos Politische Beteiligung – Phantom Bürgergesellschaft: Analyse-Abstinenz und Reflexions-Defizit der Politik

Themenschwerpunkt
Dirk Halm: Bürgerschaftliches Engagement in der Einwanderungsgesellschaft. Bedeutung, Situation und Förderstrategien
Sebastian Beck: Migranten und Engagement: Die Milieuperspektive
Miguel Vicente: Die Arbeit der Integrationsbeiräte in Deutschland
Siglinde Naumann: Migrantenselbstorganisationen – Träger des Engagements von Migrantinnen und Migranten
Patricia Latorre/Olga Zitzelsberger: MigrantInnenselbstorganisationen und Soziale Arbeit: Was der Zusammenarbeit auf Augenhöhe im Wege steht
Matthias Kortmann: Wie definieren islamische Dachverbände Integration? Ein deutsch-niederländischer Vergleich
Brigitte Mies-van Engelshoven: „Sich für ein gutes Ziel engagieren“. Freiwilliges Engagement für junge Flüchtlinge und von jungen Flüchtlingen ohne sicheren Aufenthaltsstatus
Katrin Hirseland: Migrantenorganisationen als zivilgesellschaftliche Akteure stärken. Empfehlungen des bundesweiten Integrationsprogramms
Helga Nagel: Kommunale Zusammenarbeit mit Migrantenorganisationen. Ein Erfahrungsbericht
Ansgar Klein/Susanne Huth: Das Thema „Migration/Integration“ im Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement
Sergio Cortés: Das Forum der Migrantinnen und Migranten im Paritätischen Gesamtverband
Birger Hartnuß/Frank W. Heuberger: Mehr Bürgerbeteiligung wagen. Erfahrungen mit Beteiligungsprozessen in Rheinland- Pfalz

Pulsschlag
Jürgen Bacia: Die Freien Archive als Gedächtnisorte der Neuen Sozialen Bewegungen – eine Situationsbeschreibung
Julian Bollhöfner/Fabian Virchow: Methods and Methodology in Researching the Far Right. Eine Internationale Konferenz an der FH Düsseldorf
Jan Rohwerder: Multikulturalität. Vortragsreihe im Rahmen der „Europäischen Horizonte“

Zusammenfassungen der Artikel finden sich auf der Internetseite des Forschungsjournals. Das Forschungsjournal 03/2011 erscheint unter dem Titel: Zuviel Zivilgesellschaft? Soziale Arbeit und bürgerschaftliches Engagement

Brigitte Geißel: Kritische Bürger. Gefahr oder Ressource für die Demokratie? Frankfurt am Main und New York: Campus 2011

Ist politische Kritik ein Potenzial oder eine Gefahr für die Weiterentwicklung von Demokratien? Anders gefragt: Welche Bürgerorientierungen sind ideal für demokratische Entwicklung? Brigitte Geißel untersucht dieses Kernproblem der Demokratieforschung, wobei sie Kritik zweidimensional als Unzufriedenheit und als Kritikbereitschaft definiert. Geißel zeigt, dass die Verbreitung von Kritikbereitschaft positive Auswirkungen auf die demokratische Entwicklung hat, während das Ausmaß politischer (Un-)Zufriedenheit keine Effekte zeigt. Die Studie weist nach, dass kritikbereite Bürger als Potenzial für demokratische Entwicklung zu werten sind.

Details auf der Verlagsseite

Frauke Rubart: Politisches Engagement in Nordeuropa Parteien und soziale Bewegungen in Skandinavien und Deutschland. Norderstedt: Books on Demand 2010

Die norddeutsche Politikwissenschaftlerin Frauke Rubart studierte, forschte und lehrte an der Universität Hamburg, war zuletzt Lehrbeauftragte am Jean Monnet Centre for European Studies an der Universität Bremen und ist Mitglied der Forschungsgruppe Nordeuropäische Politik an der Humboldt-Universität zu Berlin. In dieser Anthologie werden alle ihre Aufsätze und einige ihrer Vorträge über deutsche und nordische Politik als Sammelwerk veröffentlicht. Die Einleitung am Anfang und das am Ende stehende Interview informieren über ihre Motivation für die Arbeit über Skandinavien und über die Entwicklung ihrer Forschungsfragen zu politischen Prozessen in den nordeuropäischen Ländern, deren Heterogenität interessante Ansatzpunkte für systematische Vergleiche bietet. Ihre Einzeluntersuchungen und komparativen Analysen thematisieren politische Kultur und politischen Protest, Parteiensysteme und einzelne Parteien, Partizipation in der etablierten Politik und unkonventionelles politisches Verhalten, Männer und Frauen in alten und neuen Parteien, in Parlamenten und in Regierungen, in Aktionsgruppen und bei Demonstrationen der neuen sozialen Bewegungen. Es geht um politisches Engagement in der Bundesrepublik Deutschland und in fünf nordischen Ländern: Island, Norwegen, Dänemark, Schweden und Finnland.

Details auf der Verlagsseite

Ab Anfang des nächsten Jahres organisiert der Arbeitskreis soziale Bewegungen in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftszentrum Berlin und der Berlin Graduate School of Social Sciences ein monatliches Kolloquium, bei dem Texte und Forschungsprojekte zu kollektivem politischem Handeln diskutiert werden können.

Zur Gestaltung des Programmes suchen wir jetzt Interessierte, die ihre Texte im Kreis von Fachkolleg_innen diskutieren möchten.

Details zu Konzept und Teilnahme finden sich auf der Seite des Kolloquiums hier im Blog des Arbeitskreises.

Titelbild: Performance von Pussy Riot auf dem Roten Platz (Foto: Pussy Riot Blog)

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