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Call for Papers: Wissenschaftliche Praxis und (öko-)politischer Aktivismus. Neue Perspektiven für die Umweltsoziologie, 12. Tagung der Nachwuchsgruppe Umweltsoziologie (NGU), 22./23.10.2015 an der Zeppelin Universität Friedrichshafen

Wie das Verhältnis von Wissenschaft und Sozialen Bewegungen zu denken sei, diese Frage hat innerhalb der Soziologie immer wieder zu kontroversen Debatten geführt. Insbesondere im Kontext von ökologischen Krisendiskursen und Kontroversen werden aktuell die Differenzen, Überlagerungen und Wechselwirkungen zwischen den beiden Sphären sichtbar und neu verhandelt. Für die Umweltsoziologie, so meinen wir, Gelegenheit und Herausforderung zur kritischen Analyse, Reflexion und Positionierung.

Das Spannungsfeld von wissenschaftlicher Praxis und (öko-)politischem Aktivismus hat sich historisch wie aktuell immer wieder gewandelt und unterschiedliche Konstellationen hervorgebracht. In Deutschland konnten sich beispielsweise Teile der Antiatomkraftbewegung innerhalb des wissenschaftlichen Systems institutionalisieren, um von dort (natur-) wissenschaftliche Gegenexpertise zum dominanten Modus der Nuklearforschung zu artikulieren. Ein jüngeres Beispiel aus Deutschland war der Degrowth-Kongress in Leipzig. Über 3000 Personen aus Politik, Zivilgesellschaft, Umweltbewegung und eben auch der Wissenschaft waren hier zusammengekommen, um sich über die ökologischen und sozialen Grenzen heutiger Wachstumsökonomien auszutauschen und politische Strategien für die Überwindung des Wachstumsparadigmas zu entwickeln. Auch auf der globalen Ebene werden neue Konstellationen sichtbar. So haben sich die UN-Klimakonferenzen mittlerweile als Kristallisationspunkt für eine im Entstehen begriffene Klimabewegung etabliert, die neue Perspektiven in den Klimadiskurs einspielt und damit auch das wissenschaftliche „Framing“ des Klimawandels mit verhandelt.

Viele Wissenschaftsfelder weisen nicht nur thematisch eine besondere Nähe zur Umweltbewegung auf, sondern vertreten auch explizit politische, normative oder kritische Ansprüche. Überschneidungen zwischen beiden Sphären lassen sich beispielsweise im Bereich der „Nachhaltigkeitsforschung“, der „Human-Animal Studies“ oder der „Environmental Justice Studies“ erkennen. Aber auch bestimmte Theorieangebote (z.B. Ökofeminismus, Gaia- Hypothese oder Politische Ökologie) weisen eine enge Verbindung zur Umweltbewegung auf, sind teilweise aus ihr entstanden oder haben diese beeinflusst. Auch innerhalb ökologischer Bewegungen selbst spielt Wissenschaft eine wichtige Rolle. Zum einen ist aus der Umweltbewegung heraus immer wieder neues Wissen entstanden und es sind Innovationen angestoßen worden (z.B. Windenergie, Nachhaltiger Konsum). Zum anderen nutzen Umweltbewegungen wissenschaftliches Wissen für kritische Interventionen in kontroversen Themenfeldern, wie beispielsweise Gentechnik, Biodiversität oder Klimagerechtigkeit. Oft wird zu diesem Zweck auch selbst Expertise produziert und in den öffentlichen Diskurs getragen.

Auf der 12. Tagung der Nachwuchsgruppe Umweltsoziologie möchten wir die vielfältigen Dynamiken und Interaktionen im Spannungsfeld von wissenschaftlicher Praxis und (öko-)politischem Aktivismus in den Blick nehmen. Die Beiträge können sich dabei zum einen mit den Impulsen auseinandersetzen, die durch ökologische Bewegungen in die Sphäre der Wissenschaft getragen werden. Zum anderen können sich die Beiträge mit der Rolle von Wissenschaft innerhalb (öko-)politischer Bewegungen befassen. Für beide Perspektiven sollen insbesondere die Schnittstellen im Fokus stehen, an denen das Selbstverständnis beider Sphären verhandelt wird und sich inhaltliche, epistemologische und methodologische Ausrichtungen verändern.

Mögliche Fragestellungen lauten:

  • Wo verortet sich die Umweltsoziologie im Spannungsfeld von Wissenschaft und (öko-)politischem Aktivismus? Welche methodologischen und theoretischen Angebote aus dem Bereich der Umweltsoziologie eignen sich für die Untersuchung dieses Spannungsfeldes?
  • Welche Rolle spielen (öko-)politische Bewegungen für die Setzung neuer Forschungsthemen sowie für methodologische und theoretische Innovationen innerhalb der Wissenschaften?
  • Wo und nach welchen Maßstäben werden die Grenzen zwischen Wissenschaft und (öko-)politischem Aktivismus konstruiert? Wo werden sie brüchig und neu verhandelt? Welche Rolle spielen dabei Objektivität, Legitimität und Normativität von wissenschaftlichem Wissen?
  • Welche Herausforderungen ergeben sich durch neue Kooperationsformen, in denen mit hybriden Praktiken experimentiert wird z.B. durch neue Forschungsansätze, wie „Militant Research“, „Transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung“ oder „Citizen Science“?
  • Was sind die Identitäten, Handlungsmöglichkeiten und Grenzen von Forschenden, die sich ausdrücklich auch als Aktivist_innen und somit ihre Wissenschaft als politische Praxis verstehen?
  • Inwieweit und auf welche Weise bedienen sich Umweltbewegungen wissenschaftlicher Erkenntnisse, um ihre politischen Ambitionen zur Sprache zu bringen? Gibt es bestimmte Formen wissenschaftlichen Wissen, die für einen solchen Anwendungsbezug eine besondere Eignung aufweisen?
  • Auf welche Weise lassen sich bestimmte Praktiken innerhalb von Umweltbewegungen auch selbst als eine Form der (wissenschaftlichen) Wissensproduktion begreifen? Welche Rolle spielen „nichtakademische“ Wissensproduzent_innen für die Entwicklung und Diffusion von Innovationen?

Die Tagung findet am 22./23.10.2015 an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen statt. Nachwuchswissenschaftler_innen vom BA bis zum Post-Doc ebenso wie politisch Aktive möchten wir herzlich einladen, einen Beitrag für einen Vortrag einzureichen. Da wir in diesem Jahr den Methoden wissenschaftlicher Praxis und (öko-)politischem Aktivismus einen eigenen Raum geben wollen, gibt es für Euch außerdem die Möglichkeit Ideen für Workshops einzureichen, die sich mit Methoden der Forschung, Methoden des (öko-)politischen Aktivismus oder beidem zugleich beschäftigen können. Abstracts (300-500 Wörter) für Vorträge und Workshop-Ideen können bis zum 31.07.2015 per Mail geschickt werden an mirko.suhari(at)zu.de. Weitere Informationen auf der Webseite der NGU.

Organisations Team:
Sarah Glück, Thomas Pfister, Martin Schweighofer, Mirko Suhari (EnergyCultures Nachwuchsgruppe, ZU), Livia Boscardin (Universität Basel)

Download des Calls als pdf-Datei

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Das Bewegungsgespräch: Spaltet die Endlagersuche die Umweltbewegung?

Zeit: Mittwoch, 11. September 2013, 19 Uhr
Ort: taz-Café, Rudi-Dutschke-Str. 23, 10969 Berlin

Vor wenigen Monaten verkündete Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) einen „historischen Durchbruch“ und eine „Zeitenwende“ in Sachen Atom-Endlagersuche. Dabei verwies er auf die Einrichtung einer Kommission, die Kriterien für die Auswahl der Orte in einem transparenten Verfahren erarbeiten sollte. Kurz darauf lehnten über 140 Umweltverbände und Bürgerinitiativen ihre Teilnahme am neuen Endlager-Forum des Ministeriums ab. Das Verfahren wurde von den Umweltverbänden und der Anti-AKW-Bewegung als Farce bezeichnet. Ihre Kritik: Der Wortlaut des Gesetzes stand schon in weiten Teilen fest, eine Einflussnahme durch zivilgesellschaftliche Akteure betrachteten sie als unrealistisch. Wie aber weiter?

Während viele Umweltverbände nicht grundsätzlich gegen einen öffentlichen Prozesses der Endlagersuche sind, bleiben viele
AktivistInnen skeptisch. Spaltet die Endlagersuche die Anti-Atom-Bewegung? Ein Streit über Transparenz, Widerstand und Alibiprojekte.

Es diskutieren:
Achim Brunnengräber, Freie Universität Berlin
Jochen Stay, .ausgestrahlt
Cornelia Ziehm, Deutsche Umwelthilfe

Moderation:
Malte Kreutzfeldt, taz

Die von BP in Auftrag gegebene Proteststudie des Göttinger Instituts für Demokratieforschung findet großen Widerhall in der Medienberichterstattung:

WDR5: „Die Macht der Bürger-Protestbewegungen in Deutschland“ (Lars Geiges)

die tageszeitung: „Wutbürger als Forschungsobjekt“ (Franz Walter)

Zeit Online: „Der deutsche Protest ist alt, klug und männlich

Neues Deutschland: „Die Gegenexperten

Detektor.fm: „Proteststudie: Wer protestiert eigentlich in Deutschland?“ (Felix Butzlaff)

Handelsblatt.de: „Unterschicht bei Bürgerprotesten kaum vertreten

Welt.de: „Studie: ‚Kleine Leute‘ bei Bürgerprotesten kaum vertreten

Südwestpresse: „Widerstand erhält Zulauf“ (Franz Walter)

Spiegel Online: „Studie über neue Protestbewegungen: Was treibt die Wutbürger?“ (Franz Walter)

Sueddeutsche.de: „Politisch engagiert, männlich, kinderlos

3Sat Kulturzeit: „Neue Bürgermacht“? (Franz Walter)

Call for contributions for the panel ‚Anti-Nuclear-Protest in the 1970s and 1980s in a transnational perspective: Europe and beyond‘ at the European Environmental History Conference, Munich, 20-24 August 2013, panel organizers: Astrid Mignon Kirchhof and Jan-Henrik Meyer

In many European countries and beyond, the rise of a mass environmental movement in the 1970s is closely linked to the protest against nuclear power plants, uranium mining and nuclear testing. So far the story of anti-nuclear activism has mainly been told from a strictly national or – at best nationally comparative – perspective. However, we suggest that it is important to highlight the transnational dimension. Not only did transnational contacts and exchange play an important role for the strength of anti-nuclear protest, but it also reflects the contemporary perception among activists that the nuclear threat was an international or „transnational“ issue. To mention only two examples: The fight of Swiss, French, and German activists on the upper Rhine in the early 1970s or the battle of indigenous people of Australia against uranium mining and the support they gained from German nuclear critics.

The goal of this panel is to explore the role of transnational exchange between anti-nuclear movements not only in Europe, but also on a wider global scale. Core questions relate to the contents of the exchange – e.g. information, arguments or protest practices, the relevant networks and actors, as well as the conditions facilitating or inhibiting such exchange. Moreover, we would like to investigate in how far transnational networks were still strongly influenced by nation states and in this context raise the question if it were transnational movements which were interacting or rather individual activists that networked internationally.

The temporal scope of this panel is based on the assumption that anti-nuclear protest underwent substantial change in the course of the two decades before the end of the Cold War. Our hypothesis is that the focus of anti-nuclear protest – in Europe at least – shifted from the struggle against nuclear power plants in the 1970s, to protest against nuclear arms in the early 1980s, and back to nuclear power in the wake of Chernobyl. One of the goals of this panel is to examine whether such a chronology will stand the empirical test – and to what extent this holds for (Western) Europe only.

We are inviting papers focusing on transnational exchange between anti-nuclear movements worldwide. We specifically encourage contributions dealing with ideas that were developed by initiatives and groups as well as their transnational practices and protest forms against the civil and military uses, including protest against uranium mining and reprocessing plants in all parts of the world.

Complete CfP at the ESEH website

Titelbild: Performance von Pussy Riot auf dem Roten Platz (Foto: Pussy Riot Blog)

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