Call for Contributions: Konflikte um Abschiebungen, Tagung im September 2016, Osnabrück, Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS), Organisator_innen: Maren Kirchhoff, Helen Schwenken, Helge Schwiertz

Abschiebungen sind neben Grenzkontrollen ein zentrales Instrument der gegenwärtigen Regierung von Migration, wobei in der Europäischen Union insbesondere abgelehnte Asylsuchende betroffen sind. Darüber hinaus ziehen Abschiebungen symbolisch und faktisch die Grenzen von politischen Gemeinschaften und Bürgerschaft, insbesondere in Form des Nationalstaates. Immer wieder stellen sich jedoch Teile der Bevölkerung Abschiebungen entgegen und hinterfragen dadurch auch herrschende Grenzziehungen. Die sich in diesem Zusammenhang potentiell entwickelnde moralische, ethische oder politische Ablehnung von Abschiebungen, als mit staatlichem Zwang durchgesetzte Form der Ausreise, führt zu diversen Protestformen von Petitionen bis zu Aktionen zivilen Ungehorsams. Diese verschiedenen Proteste gegen Abschiebungen werden im Rahmen der internationalen Tagung im September hinsichtlich ihrer Gemeinsamkeiten und Unterschiede analysiert und diskutiert.

Abschiebungen und Proteste gegen diese können aus einer Vielzahl an theoretischen und disziplinären Perspektiven untersucht werden. Im Rahmen der Tagung möchten wir zentrale Ergebnisse des dreijährigen trilateralen Forschungsprojektes „Protest ergreifen. Proteste gegen Abschiebungen in Österreich, der Schweiz und Deutschland“ (Leitung: Sieglinde Rosenberger, Gianni D’Amato, Helen Schwenken) präsentieren und zur Diskussion stellen. Die Tagung zielt darauf ab, diese Forschungsperspektiven zu versammeln und in einen interdisziplinären Dialog zu bringen, wobei speziell zwischen der Migrations- und der sozialen Bewegungsforschung eine Brücke geschlagen wird. Es wird außerdem eine Podiumsdiskussion zur politischen Dimension von Abschiebungen geben.

Zentrale Fragen sind:

  • Welche „Abschiebungstrends“ können beobachtet werden und welchen Einfluss haben diese Entwicklungen auf deren gesellschaftliche Akzeptanz?
  • Welche Elemente sind charakteristisch für Anti-Abschiebeproteste und welche Faktoren beeinflussen ihren Verlauf?
  • Welche Formen von Protesten gegen Abschiebungen können unterschieden werden und wie ist ihre Varianz in zeitlichen Verläufen und Ländervergleichen zu erklären?
  • Welche Akteure sind in die Proteste involviert und wie ist das Verhältnis von migrantischen und nicht-migrantischen Subjekten?
  • Welche Rolle spielen Sozialisierung, Politisierung und Emotionen sowie Ressourcen, Netzwerke und Gelegenheitsstrukturen für die Handlungsfähigkeit bei Anti-Abschiebeprotesten im Kontext sich transformierender Migrationsregime?
  • Wie sind Anti-Abschiebeproteste in die sozialen Bewegungen von migrantischen und nicht-migrantischen Aktivist_innen eingebunden? Welche Rolle spielen etablierte zivilgesellschaftliche Institutionen und Parteien?
  • Welche Praxen und Kontexte sind entscheidend, damit eine Abschiebung verhindert werden kann? Wie lässt sich der Erfolg von Anti-Abschiebprotesten bestimmen?
  • Inwiefern (re-)konstituieren Abschiebungen Grenzen von Bürgerschaft und politischen Gemeinschaften? Und wie hängen Formen der Zugehörigkeit, die nicht durch formelle Staatsangehörigkeit begrenzt sind, mit Leistungs- und Integrationskriterien zusammen, welche potentiell weitere Ausschlüsse produzieren?

Wir freuen uns über die Zusendung von Interessenbekundungen zur Teilnahme mit einem kurzen Abstract (inkl. vorläufigem Titel, maximal 200 Wörter) und Kontaktdaten bis zum 15.2.2016 an: helge.schwiertz(at)uni-osnabrueck.de

Die Tagung findet im September 2016 am Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück statt. Die genauere Terminierung entscheidet sich in den kommenden Wochen, geplant sind entweder die Tage 21./22.9. oder 28./29.9.2016. Bitte informieren Sie uns, ob Sie potentiell an beiden Terminen teilnehmen können.

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