Call for Papers: Politische Soziologie transnationaler Felder, Frühjahrstagung der DGS-Sektion Politische Soziologie, am 23-24. April 2015, Universität Potsdam

Deadline: 31. Oktober 2014

Dass Prozesse sozialer Ordnungsbildung weniger als zuvor an den Grenzen von Nationalstaaten halt machen, wird uns tagtäglich u.a. in Debatten über Freihandelsabkommen, das Demokratiedefizit der europäischen Politik oder globale zivilgesellschaftliche Proteste vor Augen geführt. Je weiter diese Transnationalisierungen voranschreiten, desto tiefgreifender sind ihre Auswirkungen auf die Reproduktion, Legitimation und politische Bearbeitung von Herrschaftsverhältnissen.

Die Feldanalyse versteht solche Transnationalisierungsprozesse als Ergebnisse eines Zusammenspiels von Ordnungen unterschiedlichen Zuschnitts und unterschiedlicher Ausdehnung. Anders als konkurrierende Ansätze (wie z.B. der Weltkulturansatz) geht sie nicht von theoretisch motivierten Rahmendeutungen aus, sondern untersucht Entstehung, Erhalt und Veränderung dieser Ordnungen in materialen Einzelstudien. Diesem Vorgehen liegt die Annahme zugrunde, dass Transnationalisierung sich in einem spezifischen Kontext entfalten und als Tendenz durchsetzen muss, um sozial wirksam zu werden.

Das hat Folgen für das Forschungsprogramm: Transnationalisierungsprozesse sind zunächst innerhalb einzelner Felder zu analysieren. In einem weiterführenden theorieorientierten Schritt können dann Gemeinsamkeiten von Entwicklungen im kontrastiven Vergleich bestimmt werden. Aus bisherigen Untersuchungen lassen sich bereits erste Schlüsse im Hinblick auf eine solche feldanalytische Metatheorie der Transnationalisierung ziehen. Beispielsweise zeichnet sich in mehreren Studien zu transnationalen Feldern eine Veränderung im Verhältnis von Akteuren und Feldern ab: In transnationalisierten Kontexten sind Akteure weniger stark an einzelne Positionen in bestimmten Feldern gebunden. Sie bewegen sich häufiger und flexibler über Feldgrenzen hinweg. Zugleich prägen transnationale Felder ihre Akteure weniger massiv als viele nationale Felder. In diesem Sinne sind sie ‚schwächer‘ ausdifferenziert, wenngleich nicht weniger wirkungsvoll. Die veränderte Amalgamierung von Akteuren und Feldern hat weitreichende Folgen, beispielsweise auf die Sozialisation von Akteuren oder die Diffusion von Ideen.

An solchen Forschungen setzt die Tagung der Sektion für Politische Soziologie mit dem Thema „Politische Soziologie transnationaler Felder“ an. Sie will zwei Dimensionen nachspüren, die für eine Analyse von Transnationalisierungsprozessen aus Feldperspektive konstitutiv sind. 1) Soziale Ordnungsformen verfügen über verschiedene Arten der Legitimation, die ihnen Stabilität verschaffen. Deshalb rückt bei der Analyse des Wandels sozialer Ordnungen immer auch die Form ihrer Legitimierung in das Blickfeld. Bezogen auf einzelne transnationale Felder und den Wandel ihrer Ordnungen stellt sich die Frage, wie diese Anerkennung erlangen. Beziehen sie sich auf die symbolischen Ressourcen des Nationalstaats, um der feldspezifischen Ordnung Geltung und eine relative Autonomie zu verschaffen, oder treten andere Meta-Ordnungskonzepte an die Stelle des Nationalstaats (etwa Region, Netzwerke oder Europa)? 2) Damit einhergehend kann beobachtet werden, welchen Veränderungen nationalstaatlich strukturierte politische Felder unterworfen sind. Die Veränderungen sind vielfältig und reichen von neuen Konkurrenzen um Gestaltungsansprüche über Umdeutungen von legitimen Wissensquellen bis hin zu Neujustierungen von Karrieren.

Wir laden alle Interessierten herzlich dazu ein, Beitragsvorschläge einzureichen. Mögliche Themenbereiche sind:

  • Professionen und Professionalisierung als Effekte oder Treiber von Transnationalisierungsprozessen,
  • die Rolle von Nichtregierungsorganisationen und sozialen Bewegungen in Transnationalisierungsprozessen,
  • Experten und Expertise transnationaler Felder,
  • die Europäische Integration als beispielhafter Transnationalisierungsprozess,
  • transnational induzierter Wandel von Macht- und Herrschaftsbeziehungen in nationalen Politikfeldern,
  • Neukonfigurationen von Staatlichkeit in Folge von Transnationalisierungen,
  • neue Formen des Regierens in transnationalen Feldern und Transnationalisierung von Governance,
  • Karrieren in und zwischen transnationalen und nationalen politischen Feldern,
  • Verhältnisse von politischen und ökonomischen Transnationalisierungsprozessen,
  • demokratische Prozesse und Transnationalisierung,
  • theoretische Konzeptionen und methodologische Konzeptionen zur Feldanalyse von Transnationalisierungsprozessen.

Aussagekräftige Beitragsskizzen (max. 500 Wörter) können bis spätestens 31. Oktober 2014 per E-Mail (Adressen s. pdf-Datei) an die beiden Organisatoren geschickt werden.

Der Call for Papers als pdf-Datei

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