Call for Papers: Mediatisierung von Protesthandeln. Digitale Praktiken und die Transformation der Ordnung der Repräsentation, Sektionsveranstaltung der Sektion Medien- und Kommunikationssoziologie auf dem DGS-Kongress in Trier, im Oktober 2014

Im wissenschaftlichen Diskurs werden zeitgenössische Protestpraktiken mehr und mehr hinsichtlich des Einsatzes von digitalen Medien zur Mobilisierung, Selbstverständigung, Inszenierung und Aufbereitung von Protest thematisiert. Zunehmend spielen dabei zwei Dimensionen eine Rolle: Die Transmedialität und Transnationalität des Medienhandelns. Protestakteur_innen beschränken sich längst nicht mehr auf einzelne Medienformate, um ihrem Anliegen Aufmerksamkeit zu verschaffen, sondern nutzen eine Vielzahl von Medien für ihre Protestartikulation(en), sei es durch professionelle Internetauftritte, Koordination und Mobilisierung via Twitter und Facebook oder Internetdemonstrationen und -blockaden. Sowohl die Praktiken des Protests als auch die damit verbundenen medialen Diskurse gehen über die Grenzziehungen entlang von Ländern und Kulturen hinaus. Zu denken ist hier an transnational und auch transkulturell agierende Protestakteur_innen wie z.B. die Meeresschutzorganisation Sea Shepherd, die Frauenbewegung Femen, Greenpeace, Occupy, aber auch verschiedenste rechtsextreme Gruppierungen. Wissenschaftliche Analysen nehmen dabei einerseits Veränderungen in den Praktiken der Mobilisierung von Protest, den Formen der Selbstpräsentation und Aufbereitung von Protestanliegen seitens Aktivist_innen, andererseits die damit im Wechselverhältnis stehenden medialen Diskurse in den Blick. Die Sektionsveranstaltung adressiert insbesondere Fragen nach den unterschiedlichen Formen von Protestartikulationen im Hinblick auf deren Repräsentation und Kommunikation, deren Dynamiken und Konjunkturen. Denn Medien(handeln) bilden Protestartikulationen nicht nur ab, sondern sie stellen vor allem – wie Stuart Hall mit seinem Begriff der Repräsentation betont – Bedeutung her und schaffen eine Ordnung der Repräsentation.

Die zentralen Fragestellungen, die in der Sektionsveranstaltung diskutiert werden sollen, lauten: Wie verändern sich aufgrund von Mediatisierungsprozessen die Praktiken von Aktivist_innen als auch die Berichterstattung über sie? Welche Strategien werden entwickelt, um einerseits in und über Medien präsent und aktiv zu sein, andererseits Protest auch vor Ort bzw. „face-to-face“ zu artikulieren? Wie kann Protest intervenieren, die Ordnung der Repräsentation stören und gesellschaftliche Transformationen in Gang setzen? Auch Fragen nach dem Verhältnis von Online- und Offline-Protestpraktiken, nach Akzeptanz und Handlungsfähigkeit, Verwobenheit von Sichtbarkeit und Sagbarkeit, Professionalisierungstendenzen von Protest als auch deren Kommodifizierung sollen thematisiert werden.

Abstracts (Umfang: 1 Seite) zu möglichen Beiträgen werden bis zum 30.4.2014 erbeten an: Prof. Dr. Tanja Thomas (tthomas(at)uni-bremen.de), Andrea Pabst, M.A. (pabst(at)unibremen.de) und Prof. Dr. Rainer Winter (rainer.winter(at)aau.at).

Der Call als pdf-Datei

Advertisements