Call for Papers: Internationale Nachwuchskonferenz Praktiken der Kritik, Goethe-Universität Frankfurt, 5.-7. Dezember 2013

Praktiken der Kritik sind auf vielfältige Weise mit normativen Ordnungen verbunden. Diese beziehen sich reflexiv auf in ihnen stattfindende kritische Auseinandersetzungen, können Kritik sowohl ermöglichen als auch unterdrücken. Auf der einen Seite kann sich Kritik auf die Rechtfertigungsgrundlagen normativer Ordnungen stützen. Auf der anderen Seite steht eine solche immanente Kritik in der Gefahr, selbst zur Reproduktion der kritisierten Zustände beizutragen. Der kritischen Praxis sozialer Bewegungen und theoretischer Interventionen wird darüber hinaus oft entgegengehalten, dass es keine unkontaminierte Position gebe, von der aus ein kritischer Standpunkt formuliert werden könne. Es stellt sich entsprechend die Frage, in welcher Form und unter welchen historischen, politischen und sozialen Umständen Kritik überhaupt in Erscheinung treten kann.

Dabei gilt es, Kritik und Machtordnungen nicht nur in ihrem theoretischen Fundament zu rekonstruieren, sondern gerade auch anhand der Praktiken, in denen sie sich entfalten und tätig werden. Drei Aspekte sind zentral: erstens die konkreten Formen von Macht und ihrer Ausübung, die sich stets im Spannungsfeld von normativen Ansprüchen und geronnenen Herrschaftsordnungen herausbilden; zweitens die Reichweite von Gerechtigkeit als Begründungsfundament von Kritik; drittens der Aspekt der Darstellung. Schließlich werden Rechtfertigungen auch narrativ und symbolisch transportiert, so haben sie notwendigerweise einen ästhetischen Überschuss. Es gilt deshalb auch, die ästhetische Dimension sowohl von Macht als auch Gerechtigkeit oder Legitimation in den Blick zu nehmen. Aus diesen Leitgedanken ergeben sich für die Konferenz folgende Fragekomplexe:

1) Möglichkeitsbedingungen von Kritik
Unter welchen Bedingungen entstehen Praktiken der Kritik? Welche Rolle spielen dabei ungerechte Verhältnisse? Wie wirkt sich eine spezifische normative Ordnung, wie wirken sich Machtverhältnisse und ihre Darstellung sowie Selbstrepräsentation auf die Entstehung von Kritik aus? Wie lässt sich die (Un-)Möglichkeit von Kritik an normativen Ordnungen denken? Gibt es Räume der Kritik, die außerhalb dessen liegen, was kritisiert wird, oder steht Kritik immer schon in einem aporetischen Verhältnis?

2) Realisierung von Kritik
In welchen Erscheinungsformen tritt Kritik auf? Welche sozialen Praktiken sind mit ihr verknüpft, und wie verhalten sich diese zueinander, auch in ihrem Deutungsanspruch der gesellschaftlichen Realität? Wie lässt sich eine Praxis der Kritik überhaupt fassen – konzeptionell und empirisch? Welche Rolle spielt die Repräsentation der Kritik und des Kritisierten für die Realisierung von Kritik? Führen bestimmte Formen der Artikulation zu einer Legitimation von Dominanzverhältnissen? Wem ist es möglich und wem wird überhaupt das Recht zugesprochen, Kritik zu üben?

3) Reaktionen auf Kritik
Welche Reaktionen auf unterschiedliche Praktiken der Kritik, wie soziale Bewegungen und theoretische Interventionen, lassen sich beobachten? Führen sie zur Stabilisierung von Machtverhältnissen durch konservativen Rückzug oder zu reflexiver Veränderung in Richtung gerechterer Verhältnisse? Wie beeinflusst auch die wissenschaftliche Rekonstruktion sozialer Konflikte die Reaktion auf Kritik? Wie wirkt sich die Darstellung bzw. die Art der Rechtfertigung von Ordnungen – und Kritik – auf die Reproduktion von Ungerechtigkeit, Unterdrückung, und Gewalt aus?

Diesen und ähnlichen Fragen will die internationale Nachwuchskonferenz „Praktiken der Kritik“ des Frankfurter Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven vom 5. bis 7. Dezember 2013 nachgehen. Beitragsvorschläge von Nachwuchswissenschaftler_innen (bis max. vier Jahre nach der Promotion) werden bis spätestens zum 15.7.2013 als elektronische Abstracts erbeten. Es gibt 23 Panels, auf die eine gezielte Bewerbung möglich ist. Sollte die Zuordnung schwer fallen, ist es auch möglich, passende Abstracts ohne spezifische Panelangabe einzureichen. Für spezifische Informationen zu einzelnen Panels bitte die Konferenzwebsite besuchen.

Beitragsvorschläge bitte per Email mit einem anonymisierten Abstract und einer Kurzbiographie in zwei getrennten Dokumenten (doc oder rtf) an graduateconference(at)normativeorders.net senden und in der Betreffzeile das gewünschte Panel nennen. Abstracts sollen zwischen 400 und 700 Wörtern lang sein.

Nach Absprache wird während der Konferenz auch die Möglichkeit bestehen, einen Kinderbetreuungsservice in Anspruch zu nehmen. Bei Fragen hierzu oder allen weiteren Themen einfach an die o.g. Emailadresse schreiben. Wir freuen uns auf die Einreichungen!

Der Call for Papers als pdf-Datei

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