Deutschland zwischen parlamentarischer Repräsentation und sozialen Bewegungen. Wie verändern Forderungen nach direkter Demokratie die politische Teilhabe und welche neuen Partizipationsformen entwickeln sich jenseits von Parteien und Parlamenten? DGfP-Nachwuchstagung im Rahmen der Jahreskonferenz der DGfP zum Thema: „Standortbestimmung Deutschlands“, Politische Akademie Tutzing, Freitag, 15. November 2013, 9.00-12.30 Uhr, Inhaltliche Leitung: Dr. Saskia Richter, Universität Hildesheim

In den letzten Jahren ist in Deutschland der wachsende Wunsch der Bürger zu beobachten, an politischen Entscheidungen stärker teilhaben zu wollen. Zunächst demonstrierten „Wutbürger“ am Stuttgarter Bahnhof gegen steigende Kosten und den Eingriff in Natur und Stadtbild, später im Rahmen der internationalen Occupy-Bewegung gegen die Maßlosigkeit des Investmentbankings. Bürgerinitiativen werden angestrengt und sind erfolgreich: so etwa die Initiativen zum Transparenzgesetz in Hamburg und gegen Studiengebühren in Bayern. Vielfältige Phänomene deuten auf ein verändertes Verständnis und veränderte Ansprüche von demokratischer Teilhabe in Deutschland hin. Forderungen nach direkter Demokratie, aber auch nach mehr Mitsprache vor und während politischer Entscheidungsprozesse werden laut. Parteineugründungen wie die der Piratenpartei und ihre anfänglichen Erfolge belegen zudem eine gewisse Unzufriedenheit mit etablierten Parteien und ihrem Politikstil. Im Jahr 2013 wird gleichzeitig der 18. Deutsche Bundestag gewählt. Auch hier haben sich innerparteiliche Willensbildung und Vorgehensweisen im Wahlkampf verändert: Mit dem Web 2.0 erfolgen politische Partizipation und Engagement nicht mehr nur über die Stimmabgabe und in Vereinen direkt vor Ort sondern zunehmend auch in Online-Foren, Facebook und Twitter sowie innerhalb mancher Parteien wie zuerst bei den Piraten mit Liquid Democracy.

Im Rahmen der Nachwuchstagung der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP) gehen wir der Frage nach wie diese Forderungen und Partizipationszusammenhänge die Politik in Deutschland verändern und wie sich im Zuge dessen, auch mit den Möglichkeiten neuer Kommunikationstechniken, neue Partizipationsformen in das Spannungsfeld zwischen
Repräsentation und direkter Demokratie sowie sozialen Bewegungen einfügen. Zusammenhänge mit der europäischen Verschuldungskrise sollen aufgespürt und falsifiziert werden. Es ist nicht auszuschließen, dass Proteste gegen Infrastrukturprojekte auch ohne die Krise stattgefunden hätten. Gleichzeitig bietet die europäische Krise mit Blick auf die Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland, Spanien und Portugal vor dem Hintergrund riesiger finanzieller Rettungspakete für zahlreiche Banken in Europa auch für die Bürger Deutschlands vielfach Gründe dafür, das bestehende politische System in Frage zu stellen und von Politik und Wirtschaft Rechenschaft zu verlangen. Einzelne Demonstrationszusammenhänge wären dann eher als Symptom denn als Ursache für den politisch-gesellschaftlichen Wandel zu deuten.

Willkommen sind Beiträge, die sich mit theoretischen Ansätzen sowie empirischen Analysen dem Thema nähern sowie sich mit Konzeptionen zu folgenden Themen mit Deutschlandbezug beschäftigen:

  • Theorien politischer Partizipation, direkte und repräsentative Demokratie
  • Studien zu Protestzusammenhängen mit Bezug zum Standort Deutschland
  • Online-Petitionen und Parlamente sowie dem Wandel parlamentarischer Arbeit
  • Innovative Partizipationsformen in Parteien sowie außerparlamentarische Partizipation jenseits bekannter Strukturen
  • Aktuelle soziale Bewegungen in transnationaler und/oder in historischer Perspektive

Interessierte (Promovierende und Postdoktoran_innen) schicken per E-Mail ein Abstract von max. 300 Wörtern inklusive eines Kurz-CV (max. 1 Seite) bis 31. Juli 2013 an Dr. Saskia Richter, Universität Hildesheim (saskia.richter(at)uni-hildesheim.de). Sie werden über die Annahme Ihres Beitrages bis zum 15. August 2013 informiert!

Der CfP als pdf-Datei