Franz Walter, Felix Butzlaff, Lars Geiges und Stine Marg: Die neue Macht der Bürger. Was motiviert die Protestbewegungen? Reinbek: Rowohlt 2013

Walter et al. 2013Viele Menschen in Deutschland erheben Einspruch: Sie protestieren gegen die Errichtung neuer Stromtrassen und Windräder, gehen auf die Straßen gegen den Ausbau von Flughäfen und Bahnhöfen, zelten gegen Kapitalismus und Bankenmacht. Sie gründen Initiativen gegen neue Schulformen, demonstrieren gegen Zensur im Internet und gegen Atomkraft. Die Bundesrepublik ist in Bewegung geraten wie seit den achtziger Jahren nicht mehr. Gibt es etwas, das die unterschiedlichen Proteste verbindet? Zeugen sie von einer Herausforderung für die Demokratie oder vielmehr von deren Lebendigkeit? Was treibt die Beteiligten an? Von Hamburg bis München: Diese Studie unternimmt eine Reise quer durch die deutsche Protestlandschaft und interviewt die Aktiven vor Ort. Wofür oder wogegen engagieren sie sich? Was erhoffen sie sich von der Demokratie? Und wie ist ihr Blick auf Politik und Gesellschaft? Herausgekommen ist ein tiefer Einblick in die aktuellen Protestbewegungen und die Gedankenwelt der Aktivisten. Die pauschalisierende Diskussion über die «Wutbürger» erhält damit endlich eine solide wissenschaftliche Grundlage.

Rezension von Ansgar Klein im BBE-Newsletter 8/2013

Diskussion über die Finanzierung von Protestforschung durch Unternehmen

Die Finanzierung der Studie durch BP Europa SE und der mutmasslich intransparente Umgang damit gegenüber den an der Studie beteiligten Aktivist_innen wurden von LobbyControl kritisiert (s. auch den flankierenden Artikel in der taz). Die Herausgeber_innen der Studie reagierten mit einer Replik. Auch Markus Beckedahl als einer  der Befragten reagierte auf Netzpolitik.org mit einem breit diskutierten Artikel, in dem er sich verwundert zeigt, erst im Nachhinein von den Sponsoren der Studie zu erfahren, aber anders als Fefe nicht zum Boycott zukünftiger Studien aufruft. Sabrina Zajak resümiert den Trend zu unternehmensfinanzierter Forschung in einem englischen Beitrag auf dem ‚Governance across Borders‘ Blog. Auch auf der deutschsprachigen Email-Liste für Bewegungsforscher_innen wurde die Diskussion fortgesetzt.

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