Es gibt wohl keine einzige Fachzeitschrift im Nachkriegs-Deutschland, die ein Viertel-Jahrhundert rein ehrenamtlich und ohne irgendeinen Förderer oder ein unterstützendes Institut durchgehalten hat. Diese ungewöhnliche Ausnahmeerscheinung ist zumindest ein Grund, um die 25 Jahre kritischer Bewegungs- und Protest-Publizistik zu feiern. Dazu sind alle MitstreiterInnen, AutorInnen, BegleiterInnen, KritikerInnen und an wirksamer demokratischer Partizipation Interessierten eingeladen: am 12. März 2013 in Berlin.

Die nie erfolgte institutionelle Absicherung des Forschungsjournals Soziale Bewegungen (FJSB) ist gleichzeitig ein Sinnbild für die notleidende empirische Protest- und Partizipationsforschung. Es gibt viel Protest, Engagement und Einsatz der Bürgerinnen und Bürger jenseits der etablierten Entscheidungszentren, aber nur wenig empirisch belastbares Wissen über deren Wirkungsradius, Handlungsmotive und Demokratiepotential.

Die Rolle der „Zivilgesellschaft“ wird zwar immer wieder wortreich beschworen, für deren Entfaltung aber wenig bis nichts getan. Dabei ist es sehr erhellend, die Früchte des Protest-Einsatzes von Hunderttausenden in den vergangenen Jahrzehnten genauer anzuschauen und deren (in)direkten Einfluss genauer zu taxieren. Eine zunehmend selbstbewusste „Zivilgesellschaft, die insgesamt streitbarer“ wird, hat sogar der Energiekonzern RWE in einer aktuellen Studie registriert. „Bürger sind demnach heute eher bereit als früher, Vorhaben zu hinterfragen und ihre Bedenken öffentlich zu artikulieren“, so ein Ergebnis. (SZ, 22.10.2012) Die Bürger haben sich demnach von den Verantwortungsträgern „entfremdet“. „Ihnen ist das Vertrauen abhanden gekommen – sowohl in der Politik als auch in große Unternehmen. Das Vertrauen in die Vorhabenträger bewegt sich auf einem dramatischen Tiefpunkt.“ „Praktizierte Partizipation“ und „mehr Bürgerbeteiligung“ gehören nun sogar zur RWE-Rezeptur, um der Aushöhlung von Mitwirkung zu begegnen.

Offenbar hat sich etwas geändert – in 25 Jahren. Das Forschungsjournal feiert sein Jubiläum mit einem erkenntnisreichen und inspirierenden Programm in Berlin.

Anmeldung bis zum 28. Februar 2013 auf der Seite der Heinrich Böll Stiftung

Einladung als pdf-Datei

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