Aus Politik und Zeitgeschichte 25-26/2012, Protest und Beteiligung

“Die Welt begehrt auf”, titelte eine deutsche Zeitung im Oktober 2011. Im Fokus standen Schauplätze der Occupy-Bewegung, des “Arabischen Frühlings” und anderer weltweiter sozialer Proteste. Proteste sind Ausdruck für die Unzufriedenheit mit politischen Institutionen, ihren Entscheidungen sowie gesellschaftlichen und sozialen Missständen. Entsprechend richtet sich die Wut vieler Protestierender gegen politische und ökonomische “Eliten”.

Erfolg und Misserfolg von Protesten hängen von politischen, gesellschaftlichen, sozialen, kulturellen und organisatorischen Rahmenbedingungen ab. Neben der Frage, wie durchlässig und aufnahmefähig politische Instanzen für gesellschaftliche Kritik sind, spielt hierbei auch die Präsenz, Stärke und Gestaltungsfähigkeit von Zivilgesellschaften eine Rolle.

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Inhalt APuZ 25-26/2012

Asiye Öztürk: Editorial

Dieter Rucht: Massen mobilisieren
Massenproteste hängen von vielen Bedingungen ab. Dazu zählen Unzufriedenheit, die Wahrnehmung kollektiver Betroffenheit, organisatorische und logistische Leistungen, Gelegenheitsstrukturen und Aussicht auf Wirkung des Protests.

Swen Hutter und Simon Teune: Politik auf der Straße: Deutschlands Protestprofil im Wandel
Basierend auf einer systematischen Zeitungsanalyse skizziert der Beitrag das Protestprofil der Bundesrepublik seit den 1950er Jahren. Betrachtet werden Umfang, Themen, Formen und organisatorischer Hintergrund von Protestereignissen.

Knut Bergmann: Zum Verhältnis von Parlamentarismus und Protest
Parlamentarismus und Protest markieren zwei Pole in der Debatte um mehr Bürgerbeteiligung. Doch die Unzufriedenheit mit dem politischen System hat viele Ursachen, wobei die Erwartungen an “die Politik” eine große Rolle spielen.

Andrea Pabst: Ziviler Ungehorsam: Annäherung an einen umkämpften Begriff
Der Begriff ziviler Ungehorsam erlebt gegenwärtig im deutschsprachigen Raum eine Renaissance. Den gegenwärtigen Debatten liegt eine Vielfalt an Verständnissen des Begriffs zugrunde, die hier systematisierend dargestellt werden.

Thomas Kern und Sang-hui Nam: Werte, kollektive Identität und Protest: Die Mobilisierung der Occupy-Bewegung in den USA
Der Beitrag beschäftigt sich mit der kollektiven Identität der US-amerikanischen Occupy-Bewegung. Im Zentrum steht der Einfluss von Wertbindungen auf die Definition kollektiver Interessen im Mobilisierungsprozess.

Roland Roth: Occupy und Acampada: Vorboten einer neuen Protestgeneration?
Die Proteste des Jahres 2011 haben verdeutlicht, dass die nationalen Grenzen von Bewegungspolitik offener geworden sind. Internationale Themen und Aktionsformen werden aufgegriffen, Ansätze einer gemeinsamen Agenda entstehen.

Priska Daphi: Zur Identität transnationaler Bewegungen
Was hält transnationale Bewegungen zusammen? Die Identität transnationaler Bewegungen basiert auf breiten Deutungsmustern, dem gemeinsamen Handeln in Protesten und Treffen sowie auf weitverzweigten, informellen Netzwerken.

Sabine Kurtenbach: Jugendproteste – blockierte Statuspassagen als einigendes Band
2011 sind vor allem junge Menschen für politischen, sozialen und wirtschaftlichen Wandel auf die Straße gegangen. Ihre Proteste sind Ausdruck von blockierten Statuspassagen, der Sorge um die eigene Zukunft und den Platz in der Gesellschaft.