Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, Jg. 25, 2012, Heft 2: Kampf um die Köpfe. Der Meinungskampf um die Klimapolitik

Der Klimawandel ist einer der größten, vielleicht die größte Herausforderung, der die Menschheit gegenwärtig gegenübersteht – wenigstens in den Augen von UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon, Microsoft-Milliardär Bill Gates, Physiker Stephen Hawking, Klimaökonom Ottmar Edenhofer und anderen. Die von der Wissenschaft in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend konsensuell beschriebenen und auf menschliche Treibhausgasemissionen zurück geführten Veränderungen der globalen Durchschnittstemperaturen wirken sich in vielerlei Weise aus (vgl. IPCC 2007): Sie führen zu Gletscher- und Eisschmelze und einem Anstieg des Meeresspiegels. Zugleich werden sich wohl Wüsten und wasserarme Regionen vergrößern, Wasserressourcen werden voraussichtlich knapper. Die Folgen bedrohen existierende Ökosysteme und Biodiversität, auch die Nahrungsmittelproduktion könnte leiden. Hinzu kommen extreme Wetterereignisse wie Fluten oder Stürme. Mit diesen Veränderungen verbunden sind – teils schwerwiegende – gesellschaftliche Folgen. So dürften neu entstehende oder verstärkte Knappheiten von Ressourcen wie Wasser und die Zunahme regionaler Wetterextreme zu neuen Herausforderungen und Bedrohungen für menschliches Zusammenleben führen.

Was dies bedeutet für die AktivistInnen, für soziale Bewegungen und für die Ausrichtung von Klima- und Umweltpolitik lesen sie im aktuellen Journal.

Sehr unterschiedliche Akteurspositionen werden auch in zwei Interviews deutlich, die wir mit Michael Hopf, dem Pressesprecher von Greenpeace Deutschland, sowie mit Joachim Löchte von RWE geführt haben. Sie beschreiben recht unterschiedliche Sichtweisen auf das Klimathema, die sie aber auf ähnliche Weise – wenngleich mit variierendem Erfolg – öffentlich zu vermitteln versuchen.

Markus Rhomberg setzt sich in seinem Beitrag mit der politischen Debatte um den Klimawandel auseinander. Nach dem Klimagipfel in Kopenhagen 2009 hatte es das Thema schwer, auf der politischen und medialen Agenda zu verbleiben. Ursache dafür mag die Dominanz der Politik in der medialen Darstellung sein. Die Wissenschaft spielt auch in der historischen Evolution der Klimadebatte nur eine geringe Rolle. Insbesondere politische Ereignisse tragen dazu bei, den Klimawandel in den Medien prominent zu platzieren. Der politische Umgang mit dem Klimawandel konzentriert sich auf die Fragen der Reduktion, während Anpassungsstrategien im Hintergrund bleiben. Ursache dafür ist nicht zuletzt die mediale Konzentration auf das Kyoto- Protokoll und die damit verbundenen, medial leicht vermittelbaren Reduktionsziele. Andere mögliche Reaktionen wären in der medialen Darstellung komplexer, erhalten dadurch weniger Medienaufmerksamkeit und bleiben deshalb von der Politik wenig beachtet.

Stephanie Schmoliner – Forschungsjournal Soziale Bewegungen

Inhalt Heft 2/2012

Aktuelle Analyse
Martina Sauer: Bürgerschaftliches Engagement türkeistämmiger Migranten

Themenschwerpunkt
Achim Brunnengräber: Die neue Klima-Geopolitik. Konflikte und Chancen im Klimaschutz durch Deutungsverschiebungen
Inga Schlichting/Andreas Schmidt: Strategische Deutungen des Klimawandels. Frames und ihre Sponsoren (als pdf verfügbar)
Interview mit Michael Hopf, Greenpeace: Ein Problem und eine Lösung auf die Agenda setzen
Interview mit Joachim Löchte, RWE: Unser Ziel ist mehr Sachlichkeit
Silke Beck: Kommunikation als Schutzschild. Zur Strategie des Weltklimarats IPCC
Markus Rhomberg: Zwischen „Blame Game“ und Vernachlässigung. Die klimapolitische Debatte in den Massenmedien
Axel Bojanowski: Sorry, wir wollen nicht stören. Wissenschaftsjournalisten ergründen die Klimaforschung? Eine Relativierung
Markus Lehmkuhl: Journalismus und Klimaforschung: Ausschnitte einer spannungsreichen Beziehung
Mike S. Schäfer: „Hacktivism“? Online-Medien und Social Media als Instrumente der Klimakommunikation zivilgesellschaftlicher Akteure
Roger Pielke jr.: Experten in Blogs. Positive und negative Aspekte
Werner Krauss: Ausweitung der Kampfzone: Die Klimablogosphäre
Jochen Roose: Wollen die Deutschen das Klima retten? Mobilisierung, Einstellungen und Handlungen zum Klimaschutz

Pulsschlag
Johannes Hillje/Oliver Quiring: Klickaktivismus? Über die Wirkung von politischen Online-Kampagnen
Lena Partzsch: Social Entrepreneurship – Einordnung einer Aktivitätsform
Sandra Kotlenga/Doreen Müller: Finanzinvestoren als Vermieter: Hürden und Strategien für Bewohnerinitiativen in benachteiligten Stadtteilen

Advertisements