CfP: Soziale und kulturelle Entwicklungen durch Arbeiterbewegungen. International Conference of Labour and Social History / Internationale Tagung der Historiker der Arbeiter- und anderer sozialer Bewegungen, Linz, 13.-16.9.2012.

Im Sinne der übergeordneten Ausgangsfrage des aktuellen ITH-Zyklus nach dem Beitrag von Arbeiterbewegungen zu gesellschaftlichen und sozialen Entwicklungs- bzw. Fortschrittsprozessen zielt die ITH-Konferenz 2012 auf exemplarische Fallstudien und Analysen in zwei Bereichen: die sozialstaatliche und die kulturelle Ausgestaltung von Gemeinwesen im 20. Jahrhundert. Verknüpft werden soll in diesem Zusammenhang die Frage nach der Formulierung von Ideen und Normen seitens der Arbeiterbewegung mit der konkreten Analyse ihrer Umsetzung. Besondere Beachtung kommt dabei den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der Entwicklung in der westlichen Welt und im „globalen Süden“ zu.

Im Rahmen der Konferenz 2012 können inhaltlich sowohl Aspekte der Sicherung fundamentaler materieller Existenzgrundlagen, als auch „modernere“ Erscheinungsformen wie die Gesundheitsvorsorge, Arbeitsrecht, Tarifurlaub und Arbeitsschutz oder allgemeine sozialstaatliche Leitbilder thematisiert werden. Auch die Debatten um Aspekte wie Sozialhilfe, Kündigungsschutz und Altersversorgung sollen sowohl mit Blick auf europäische wie vor allem außereuropäische Entwicklungen betrachtet werden. In diesem Zusammenhang ist die Frage zu stellen, inwieweit Arbeiterbewegungen die soziale Integration der Bevölkerung in Staat und Gesellschaft forciert haben (wobei der Begriff Gesellschaft und seine vielschichtigen Konnotationen durchaus kritisch zu reflektieren sind) und inwieweit Formen sozialer Desintegration auf Arbeiterbewegungen zurückgehen.

Als zweiter Problemkomplex der Tagung 2012 ist die Kulturarbeit und -politik von Arbeiterbewegungen in einem umfassenden Begriffsverständnis zu beleuchten. In diesem Sinne können einerseits Entwicklungsprozesse im Hinblick auf ästhetische Formen wie Malerei, Plastik, Architektur, Musik, Tanz, Theater, Literatur und Film einbezogen werden. Es können andererseits aber auch Aspekte der Wirtschaft und der Geschäftsmoral oder der Staats- und der Gesellschaftsordnung – also die so genannte politische Kultur und die Rechtskultur – in diesem Themenfeld behandelt werden. Grundlegend ist darüber hinaus auch eine Erörterung der Frage, inwieweit Arbeiterbewegungen überhaupt erst einen Zugang zur Kultur ermöglicht haben, sei es durch den materiellen Zugang zu Kultur (Arbeiterbibliotheken) oder sei es durch die Entwicklung sozialistischer Kulturtheorien.

Deadline: 15.2.2012

Kontakt: Jürgen Mittag, Institut für soziale Bewegungen, juergen.mittag(at)rub.de