An diesem Freitag findet zum zweiten Mal das Kolloquium Politik von unten statt. Wir diskutieren zwei Texte: Die Antragsskizze von Peter Ullrich (DJI Halle/Universität Leipzig) für ein DFG-Projekt zur Videoüberwachung von Demonstrationen und den Entwurf eines Zeitschriftenbeitrags von Britta Baumgarten und Dieter Rucht (Wissenschaftszentrum Berlin) zur Zusammensetzung der Montagsdemonstrant_innen gegen Stuttgart 21.

Das Kolloquium findet Freitag um 17.00 Uhr im Wissenschaftszentrum Berlin (Raum B 002/003) statt. Mehr Details zum Kolloquium auf dieser Seite.

Peter Ullrich: „Videoüberwachung von Versammlungen und Demonstrationen. Gesellschaftliche Hintergründe und Auswirkungen auf Subjektivierungsprozesse, Demokratieorientierungen und Protestlegitimität“

Seit längerem verstärkt sich die Tendenz, dass Demonstrationen aber auch Sportereignisse u.ä. mithilfe von Videokameras überwacht werden. Forschung zu diesem Phänomen gibt es bisher nicht. Das Projekt fragt in einem wissenssoziologischen Ansatz nach den Hintergründen und den Auswirkungen von Videoüberwachung von Versammlungen und Demonstrationen. Dabei interessieren zwei Hauptebenen: erstens die Rationalität, Einsatzpraxis und Legitimierung von Videoüberwachung seitens der Polizei sowie die Auswirkungen auf Ermittlungsarbeit und Gerichtsverfahren sowie zweitens die Auswirkungen auf Versammlungen, Teilnehmerverhalten, Protestneigung, Protestlegitimität, politische Teilhabe, Demokratieorientierungen und -verständnis von Demonstrierenden sowie langfristige Subjektbildung. Insbesondere wird im Anschluss an das Volkszählungsurteil des BverfG nach dem Abschreckungspotential gefragt. In einem Grounded-Theory-Design werden verschiedene methodische Ansätze kombiniert. Gruppendiskussionen mit politischen Aktivisten/Fußballfans/Polizei und Ethnographien entsprechender Events werden durch Experteninterviews und Dokumentenanalysen auf Seiten der Sicherheitsorgane und Gerichte sowie mit Schlüsselpersonen der von Überwachung betroffenen Gruppen ergänzt. Auf theoretischer Ebene ist die Studie neben der Protestforschung und Protest-Policing-Forschung auch ein Beitrag zu den surveillance studies und den umstrittenen Auswirkungen (post-)panoptischer Sozialkontrolle.

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