Ausschreibung von sechs Stipendien für das Promotionskolleg: ‚Die Grenzen der Zivilgesellschaft‘

Die Zivilgesellschaft hat sich mittlerweile zu einem zentralen Gegenstand der sozialwissenschaftlichen Diskussion entwickelt. Der „Dritte Sektor“ erlebt seit Jahrzehnten weltweit ein beispielloses Wachstum und vieles deutet darauf hin, dass zivilgesellschaftliche Strukturen für die politische und wirtschaftliche Entwicklung von entscheidender Bedeutung sind. Zugleich kritisieren jedoch viele Studien, dass das Konzept der Zivilgesellschaft in hohem Maße unscharf ist, teilweise mit unrealistischen Erwartungen überfrachtet wird und eine große Zahl von unterschiedlichen – teilweise widersprüchlichen – Ideen und Werten reflektiert. Die Zivilgesellschaft soll demnach eine Art Gegengewicht zum Staat bilden, die Autonomie der Bürger stärken, staatlichem Despotismus Grenzen setzen u.v.m. Diese vielfältigen Funktionszuschreibungen konvergieren zumeist im normativen Leitbild einer universalen und demokratischen Zivilgesellschaft, dessen Erwartungen oft so hoch sind, dass auch viele zivilgesellschaftliche Akteure sie nicht einlösen können. Die Gründe dafür beruhen zum einen darauf, dass die Institutionalisierung der Zivilgesellschaft stets innerhalb eines spezifischen räumlichen, historischen und sozialen Kontextes erfolgt. Dies impliziert zwangsläufig die Ziehung von Grenzen und damit auch Ausgrenzung. Hinzu kommen die nicht-intendierten Folgen zivilgesellschaftlichen Handelns sowie ambivalente Handlungsstrategien der Akteure.

Vor diesem Hintergrund konzentriert sich das Graduiertenkolleg auf die kulturellen und strukturellen Widersprüche und Ambivalenzen, die immanent mit der Institutionalisierung des normativen Leitbilds der Zivilgesellschaft verbunden sind. In den Forschungsarbeiten des Kollegs wird untersucht, in welchen Diskursen, Strukturen und Handlungsformen sich die Grenzen der Zivilgesellschaft manifestieren. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf (1) kulturelle Codes, welche die Mitgliedschaft in der Zivilgesellschaft an partikulare Räume, Zeiten und Inhalte binden und dabei Bedingungen der Ausgrenzung gleich mitdefinieren, (2) strukturelle Konstellationen und Verteilungsmuster von (materiellen und immateriellen) Ressourcen, welche die Handlungsmöglichkeiten der Akteure (mehr oder weniger) einschränken und (3) ambivalente Handlungsstrategien der Akteure, die zwischen unterschiedlichen Wertbezügen des Handelns schwanken. Die Promotionsprojekte können in theoretischen und empirischen Studien verschiedene Fragestellungen aus diesen drei Bereichen miteinander verbinden. Das Gesamtkonzept des Kollegs kann mit einer ausführlichen Beschreibung zu einzelnen Projektfeldern und möglichen Themen hier eingesehen werden.

Details zur Bewerbung auf der Seite des Instituts für Soziologie an der Uni Heidelberg