Politisches Engagement heute – Voraussetzungen, Formen und Förderungsmöglichkeiten aus interdisziplinärer Perspektive
Tagung der Sektion Politische Psychologie am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES), 11./12. Februar 2011

Aktive politische Partizipation ist ein wesentliches Element demokratischer Gesellschaften, denn ohne ein gewisses Mindestmaß an politischer Beteiligung seiner Bürger/-innen ist ein demokratisches Gemeinwesen auf Dauer nicht lebensfähig. Politische Aktivität hat aber noch eine Vielzahl weiterer Funktionen: Über politisches Engagement verleihen Menschen ihren Interessen Ausdruck und möchten damit bestimmte Ziele für sich erreichen. Andere hingegen beteiligen sich, um sich für bestimmte Gruppen oder das Wohl des Landes einzusetzen. Und der Staat ist nicht nur zur Legitimation auf die Aktivität seiner Bürger/- innen angewiesen, sondern benötigt Informationen über ihre Interessen und Bedürfnisse, um bedarfsgerechte Politik gestalten zu können. Trotz dieser wichtigen individuellen und kollektiven Funktionen ist oft nur ein kleiner Teil der Gesellschaft politisch aktiv: Über die Wahlbeteiligung hinaus nimmt die Mehrheit der Bundesbürger/-innen nicht am politischen Prozess teil.

Politisches Verhalten wird sowohl in der Psychologie als auch in der Politikwissenschaft theoretisch und empirisch untersucht. Beide Disziplinen liefern Erklärungsansätze für die Fragen, weshalb sich Menschen politisch engagieren, welche Partizipationsformen gewählt werden und zu welchen Ergebnissen das Engagement führt. Politisches Engagement kann dabei als individuelles Handeln betrachtet werden, das in gesellschaftliche bzw. kollektive Strukturen und Prozesse eingebettet ist. Die Psychologie untersucht dabei stärker individuelle Voraussetzungen und Korrelate politischen Engagements, wie z.B. die Rolle von bewussten und unbewussten Anteilen der Persönlichkeit, Gerechtigkeitsüberzeugungen, Wertorientierungen und kollektiven Identitäten. Politikwissenschaftliche Zugänge konzentrieren sich dagegen stärker auf die Rolle politischer Akteure, den politischen Willensbildungsprozess sowie auf Teilhabemöglichkeiten in unterschiedlichen politischen Systemen. Überschneidungen zwischen beiden Disziplinen finden sich unter anderem bei der Erforschung von Kompetenzeinschätzungen der politisch Handelnden, der Verarbeitung politischer Informationen und der Bedeutung der politischen Sozialisation im Lebensverlauf.

Wir laden Wissenschaftler/-innen aus Psychologie und Politikwissenschaft sowie anderen, angrenzenden Forschungsgebieten herzlich zur Diskussion ein. Ziel der Tagung ist es, den interdisziplinären Austausch über das Thema politische Partizipation zu fördern. Wissenschaftler/-innen soll die Möglichkeit geboten werden, Fragestellungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Darüber hinaus kann die Tagung dazu dienen, gemeinsame Forschungsideen anzuregen. Die hohe Praxisrelevanz des Themas soll berücksichtigt werden, indem auch die praktische Umsetzung der Erkenntnisse, beispielsweise im Rahmen von Förderungsmaßnahmen, aufgegriffen wird. Wissenschaftlich und methodisch interessierte Entscheidungsträger/-innen aus der Politik und anderen Bereichen sind ebenfalls zur Diskussion eingeladen.

Das Tagungsprogramm kann in Abhängigkeit von den eingereichten Beiträgen die folgenden Themen umfassen: Erklärungsmodelle politischen Engagements (Engagement als Folge von Unzufriedenheit, relativer Deprivation etc., Ressource-Mobilization-Theorien, sozialkonstruktivistische Ansätze, Rational-Choice-Theorien etc.), individuelle und kollektive Bedingungen von Engagement (Persönlichkeit, Ideologien, Selbstkonzept eigener Kompetenzen, Motive, kollektive Identität etc.), politische Sozialisation, Partizipationsformen, Operationalisierungsvarianten politischer Partizipation, Disengagement-Theorien und Förderungsmöglichkeiten für politische Beteiligung.

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