Protest bewegt in vielerlei Hinsicht. Als Ausdruck einer sozialen Bewegung wirkt in ihm die Hoffnung, dass politische Prioritäten im öffentlichen Streit neu verhandelt werden können und Gesellschaft langfristig verändert wird. Protest bringt bestehende Deutungsmuster und Symbole in Bewegung, er weicht unhinterfragte Wahrheiten auf. Protest verändert Meinungen und Institutionen, Stadträume und Medien. Aber Protest verhallt auch, wird ignoriert oder unterdrückt. Protest bringt Menschen auf der Straße zusammen, er beeinflusst Biografien, schafft Euphorie und Freude, Frustration und Abwehr.

Protest und soziale Bewegungen sind Themen, die in nicht wenigen laufenden Promotionsprojekten eine zentrale Rolle spielen. Aber die Möglichkeiten, sich mit KollegInnen auszutauschen, die ein ähnliches Interesse haben, sind spärlich gesät. In dem Workshop „Protest bewegt!“ sollen Probleme der Forschung über soziale Bewegungen und Protest diskutiert werden. Die Beiträge sind disziplinär, thematisch und bezogen auf Ort und Zeit des Gegenstandes nicht beschränkt. Gedanken zur Bilderproduktion von Stadtteilbewegungen im Russland der Gegenwart sind genauso willkommen wie Protestereignisanalysen zur nationalsozialistischen Bewegung in Deutschland.

Nach einem ersten Workshop im November 2008 wollen wir noch einmal in einem zweitägigen Treffen die Möglichkeit zum Austausch schaffen. Am ersten Tag gibt es Gelegenheit, ein zentrales Problem der eigenen Arbeit zu präsentieren und mit einer oder einem erfahrenen ProtestforscherIn zu diskutieren. Es geht ausdrücklich nicht darum, die eigene Arbeit in Gänze vorzustellen. Durch die Beschränkung auf ein Kernproblem, sei es theoretischer, methodischer oder empirischer Natur, wollen wir stärker in konzeptionelle Probleme der Forschung über Protest und soziale Bewegungen einsteigen. Als Diskussionsgrundlage dient ein Arbeitspapier, das 10 Seiten (12pt, anderthalbzeilig) nicht überschreitet. Am zweiten Tag sollen methodische oder inhaltliche Probleme in parallelen Workshops diskutiert werden. Deren Themen ergeben sich aus den Interessen der TeilnehmerInnen. Da für Reisekosten keine Mittel vorhanden sind, richten wir bei Bedarf eine Schlafplatzbörse ein. Die TeilnehmerInnenzahl ist auf 30 begrenzt.

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